In nur wenigen Jahrzehnten werden viele der heutigen Schülerinnen und Schüler in Berufen arbeiten, die es so heute noch gar nicht gibt. Die folgenden fünf Beispiele zeigen, wie Veränderungen in Sachen Technologie und Gesellschaft zu neuen, aufregenden Möglichkeiten in der Arbeitswelt führen –˜für die urbanen Profis von morgen.

Rooftop-Farmer

Was in vielen Städten auf der ganzen Welt in Form gemeinnütziger und gemeinschaftlicher Projekte begann, ist mittlerweile zu einer nicht zu vernachlässigenden Geschäftsmöglichkeit geworden. Urban Farming ermöglicht die Nahrungsmittelproduktion in unmittelbarer Nähe zum Verbraucher, wodurch Transportkosten und CO₂-Emissionen drastisch gesenkt werden.

Frau bewässert Beete einer urbanen Farm
Begrünte Flächen in luftiger Höhe: Landwirtschaft zieht in Zukunft vermehrt in Metropolen.
Foto: Eagle Street Rooftop Farm

Mit dem Ziel, unsere Städte in den kommenden Jahrzehnten weitgehend autark zu machen, nutzen Stadtfarmen wie Brooklyn Grange in New York City und GrowX in Amsterdam neueste Technologien, um direkt in der Stadt angebaute Lebensmittel zu vervielfachen. Die Herausforderung: Begrenzter Platz macht innovative Raumlösungen nötig, wie zum Beispiel Vertical Farming. Auch nachhaltige Anbautechnologien wie Aquaponics – einem ganzheitlichen Kreislauf mit Fischen und Pflanzen – sind sehr gefragt.

Die urbane Farm von Brooklyn Grange vor der Skyline von Manhattan
Damit steigt der Bedarf an Farmern, die vor allem über den Dächern der Stadt anbauen und ernten.
Foto: Eagle Street Rooftop Farm

Das kürzlich eröffnete QO Hotel Amsterdam ist das erste seiner Art, das einen Vollzeit-Farmer auf dem Dach beschäftigt. Dieser ist dafür verantwortlich, dass das mit Aquaponik betriebene Gewächshaussystem des Hotels täglich frischen Fisch, Gemüse und Kräuter in das Restaurant liefert. Bei der steigenden Nachfrage nach lokal angebautem Essen – warum nicht als Angestellter in einem Gewächshaus über den Dächern der Stadt?

In-vitro-Metzger

Allein ein Steak benötigt in der Produktion Unmengen an Ressourcen, vor allem was die Land- und Wassernutzung betrifft. Gleichzeitig hat die weltweit zunehmende Urbanisierung zur Folge, dass immer mehr Menschen in der Stadt ernährt werden müssen.

Männer bei der Zubereitung und Präsentation der Memphis Meats Produkte
Um den steigenden Bedarf an Fleischprodukten zu decken ….
Foto: Memphis Meats

Dafür besteht die Möglichkeit, dass die Zukunft der Milch- und Fleischproduktion ganz ohne Tiere auskommt. Das ist zumindest die Mission des Gen-Tech-Start-ups Memphis Meats aus Silicon Valley: laborgezüchtete Fleischbällchen aus Stammzellen auf unsere Teller zu bringen. Und die Molkerei Perfect Day produziert Milch, die aussieht und schmeckt wie die echte, aber ebenfalls aus einem Labor stammt. Wir können also davon ausgehen, dass Fleischer in naher Zukunft in Laborkittel und mit Pipette anzutreffen sind.

Laborantin bei der Herstellung von In-vitro-Fleisch
… stellen In-vitro-Metzger diese im Labor her.
Foto: Perfect Day

Co-Living-Manager

Weil die Menschen ein immer flexibleres und gleichzeitig nomadenhafteres Leben führen, ist Einsamkeit ein Problem wie nie zuvor, insbesondere bei jüngeren Generationen aus der Stadt. Gerade sie sind es, die nach einem neuen Zugehörigkeitsgefühl suchen.

Co-Living-Gemeinschaften wie The Collective, NEST und PodShare eröffnen zurzeit neue Standorte in Städten auf der ganzen Welt. Sie bieten Studenten, jungen Berufstätigen und digitalen Nomaden nicht nur eine flexible Unterkunft, sie kümmern sich auch um die sozialen Bedürfnisse ihrer Bewohner.

Junge Leute in einer Co-Living Gemeinschaft
Co-Living-Manager organisieren in Wohngemeinschaften verschiedenste Get-Togethers.
Foto: Tim Adler

Dieser Trend ermöglicht den sozialen Schmetterlingen unter uns ganz neue Karrieremöglichkeiten. Community-Manager sind echte Naturtalente, wenn es darum geht, den Mitbewohnern umgehend das Gefühl zu geben, zu Hause zu sein, sobald sie mit ihren Koffern ankommen. Sie organisieren gemeinschaftliche Veranstaltungen und Happenings, um die Menschen, die hier gemeinsam leben auch zusammen zu bringen. Neue Freunde zu finden kann eine echte Herausforderung sein – diese mithilfe solcher Wohngemeinschaften zu kultivieren wird damit zu einem unerlässlichen, neuen Berufsbild mit ganz eigenen Anforderungen.

Drohnenpilot

Seit Generationen gilt der Beruf des Piloten bei Kindern auf der ganzen Welt als der Traumberuf. Aufgrund der strengen Standards und dem schwierigen Training können allerdings nur die wenigsten ihre Ambitionen abzuheben in die Tat umsetzen.

Dass sich die Dinge ändern, liegt derzeit ganz offensichtlich in der Luft – direkt über unseren Köpfen. Die Revolution rund um die Eroberung des Luftraums durch Drohnen eröffnet aufstrebenden Piloten völlig neue, berufliche Möglichkeiten – solange sie damit leben können, am Boden zu bleiben. Die lettische Drohnen-Manufaktur Aerone plant, demnächst neben Reinigungsdrohnen auch Drohnen zur Wartung von Windkraftanlagen und zur Brandbekämpfung auf den Markt zu bringen.

Vielleicht werden wichtige Aufgaben in unseren Städten, wie die der Reinigungskraft, des Feuerwehrmanns oder des Postboten unseres Vertrauens, also schon bald aus der Luft erledigt.

ein Mann steuert eine Drohne
Drohnen-Piloten werden zukünftig Aufgaben wie Wartungsarbeiten oder Brandbekämpfung steuern.
Foto: iStock / Onfokus

Waste-Stream-Manager

„Müll existiert nicht“ ist der provokante Slogan einer großen niederländischen Müllabfuhr und sie hat Recht.

In den Städten fallen jeden Tag riesige Mengen von Müll an. Die große Herausforderung in den kommenden Jahren wird es sein, Abfall zu reduzieren und das bisher lineare Abfall- und Ressourcensystem in ein zirkuläres zu verwandeln. Überall auf der Welt entstehen dahingehend derzeit Offline- und Online-Marktplätze.

Mann präsentiert ein Produkt aus recycletem Plastik
Waste-Stream-Manager machen aus Abfällen neue, wertvolle Produkte …
Foto: Elise Gherlan

Die niederländische Initiative Insert vermittelt ausgesonderte, aber noch brauchbare Materialien weiter, die bis dato als Müll deklariert worden wären. Der deutsche Architekt Thomas Rau geht sogar noch einen Schritt weiter: Mit seiner Online-Bibliothek Madaster registriert und katalogisiert er jedes Material, das bei der Konstruktion eines Gebäudes verwendet wird. Mithilfe einer individuellen Kennung kann jedes Einzelteil auch später immer wieder identifiziert und wiederverwendet werden kann.

Verschiedene Produkte aus Recycling Abfällen
… um das bisher lineare Abfallsystem in ein zirkuläres zu verwandeln.
Foto: Elise Gherlan

Der niederländische Designer Dave Hakkens versucht, bereits bestehenden Plastikmüll zu reduzieren. Er unterrichtet Menschen auf der ganzen Welt darin, aus altem Plastik wertvolle, neue Produkte herzustellen. Dafür hat er eine Reihe einfach nachzubauender Maschinen entwickelt und als Open-Source-Pläne zur Verfügung gestellt.

Zirkuläre Kreislauf- und Abfallwirtschaftssysteme bedürfen in naher Zukunft immer mehr spezialisierter Manager und Experten.