Die Zukunft des Arbeitens ist bunt. Mit neuen Ideen lösen originelle Spaces das klassische Büro ab. Der Arbeitsplatz von morgen ist offen, grün, verspielt oder familiär. Oder alles zusammen.

Macht auf die Tür: das offene Büro

Das alte Büro ist tot, es lebe die Prärie: offene Himmel, weite Blicke, Sonnenuntergänge. Im Ernst: Moderne Büros sind längst als offene Kommunikationslandschaften angelegt. Mittelgang und Einzelzellen? Vergiss es. Wichtig wird der Raum dazwischen; etwas, für das es noch gar keinen richtigen Namen gibt.

Entwurf eines zukünftigen Bürogebäudes
Martin Henns Konzept für das Bürogebäude der Zukunft.
Foto: HENN

Der Berliner Architekt Martin Henn etwa spricht von einem „Catwalk“ im neuen Zalando-Hauptquartier; genauso wichtig wie der eigentliche Ort, an dem man sich eben mal einloggt und arbeitet, sei der Weg dahin. Vielleicht könnte man so weit gehen, all die kleinen Hindernisse – Drehkreuz und Empfang, Treppenhaus und Lift, Kaffeebar und Teeküche – als Gewinner der neuen Bürolandschaften zu sehen. Was gestern als Hemmnis und Zeitverschwendung galt, ist heute der eigentliche Arbeitsplatz. Dort, wo Menschen zusammenkommen, entsteht Neues.

Empfangsbereich eines modernen Bürogebäudes
Offene Wege bestimmen den modernen Look ebenso …
Foto: Jens Kirchner / kadawittfeldarchitektur

So öffnen sich Unternehmen zur Stadtgesellschaft, wandeln Kantinen zu öffentlichen Cafés und sorgen für neue Wege durch einst verschlossene Firmengelände. Wie etwa Kadawittfeld Architekten mit dem Gebäude der Versicherung AachenMünchener: Wege, Treppen und Verbindungen statt geschlossener Tore.

Vollständig verglaster Konferenzraum
… wie offene Sichtachsen und lichtdurchflutete Räume.
Foto: Jens Kirchner / kadawittfeldarchitektur

Im Dschungel: das grüne Büro

Wenn schon alles anders wird, dann bitte auch grün. Das heißt, nicht nur Ficus benjamina samt Hydrokultur auf den Boden stellen und Veilchen auf den Schreibtisch, sondern so richtig. Ins Büro ziehen begrünte Wände ein, die das Auge beruhigen, Schadstoffe filtern und gleich noch für etwas zusätzlichen Sauerstoff sorgen.

Aufenthaltsraum eines Bürogebäudes mit begrünter Wand
Eine begrünte Wand im Büro wirkt Wunder fürs Arbeitsklima.
Foto: iStock / ismagilov

Gamification: das verspielte Büro

Warum soll Arbeit nicht Spaß machen? Psychologen predigen das seit Langem: Nicht die Aussicht auf Beförderung und der dicke Dienstwagen allein sorgen für aufgeräumte Stimmung, sondern kleine Anreize, Lob und Herausforderungen, die ganz spielerisch erledigt werden.

Bunte Fahrräder auf dem Firmengelände von Google
Die bunten Fahrräder bringen Mitarbeiter über den Google-Campus.
Foto: Google

„Freude ist der wichtigste Motivationsfaktor“, sagt Zukunftswissenschaftler Horst W. Opaschowski und folgert: „Arbeit muss Abwechslung, Herausforderung und Erfolgserlebnisse bieten.“ 

Zwei Frauen stehen an Spielautomaten
Abschalten – und eine Runde zocken? Kein Problem.
Foto: Google

Aufträge werden eben nun als Challenges begriffen, und Mitarbeiter sammeln Punkte für ein Büro-Ranking. Und wenn eh alles so lässig ist, können Arbeitslandschaften eben auch Lümmellandschaften bieten wie die Google-Vertretung in London. Auf riesigen Polstern ist gut abhängen, wenngleich mancher Raum einer Gummizelle ähnelt.

Arbeitende Menschen in asymmetrischen, farbigen Sitzmöglichkeiten
Arbeite mal ungewöhnlich: persönliche Arbeits-Pods bei Google.
Foto: Google

Alles wie zu Hause: das Co-Working-Studio

Mit Freunden abhängen und nebenbei geniale Ideen ausbrüten: Co-Working kennt inzwischen alle Spielarten. Vom professionellen Anbieter, der gleich noch Yoga und Fitness-Studio inkludiert, bis zum selbst gezimmerten Arbeitstisch mit Stromanschluss.

Co-Working Arbeitsplatz durch große Vorhänge abgetrennt
Wärmere Atmosphäre: Vorhänge statt fester Wände.
Foto: Esse Studio / Francisco Nogueira

Was viele verbindet: Hier wird alles auf die lange Bank geschoben, an der Freunde und Kollegen sitzen und gleichberechtigt arbeiten. Das sieht oft aus wie eine Party oder wie zu Hause – nicht zufällig. Die portugiesischen Architekten Sílvia Rocio und Mariana Póvoa von Esse Studio schufen für die Betreiber einer Dating-App in Lissabon ein recht wohnliches Office. Wände wurden hier durch Vorhänge ersetzt, für flexible Raumeinteilung und schallschluckenden Effekt.

Heller Arbeitsplatz mit hellen Möbeln
Flexible Raumtrennung ermöglichen die Vorhänge ebenfalls.
Foto: Esse Studio / Francisco Nogueira
Konferenzraum mit großer Couch und hellen Holzschränken
Wohnlich meeten: Dieser Konferenzraum wirkt wie Zuhause.
Foto: Esse Studio / Francisco Nogueira

Voll verdrahtet: digitales Mindset

Bürotür, Stechuhr, Pförtner – alles vorbei. Wir arbeiten immer und überall. Unser Pop-up-Arbeitsplatz kann eine Lounge sein, ein Café oder auch ein vernetztes Büro 4.0. Die Foresight-Studie „Digitale Arbeitswelt“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales macht klar, dass die digitale Disruption keinen Stein auf dem anderen lässt.

Cloud-, Crowd- und Clickworker lösen „normale” Arbeitsplatzverhältnisse ab. Büros folgen diesem Trend. Orte mutieren zu Durchgangsstationen auf dem Weg zum nächsten Projekt. Und irgendwann wird auch dem Teilzeit-Digitalnomaden klar, dass Jean-Paul Sartre Recht hatte: „Wenn Sie sich einsam fühlen, wenn Sie alleine sind, sind Sie in schlechter Gesellschaft.“