Das World Architecture Festival kürt regelmäßig die besten Gebäude und urbanen Strukturen des Jahres. Wir haben uns die sieben aufregendsten Projekte und Visionen für 2017 genauer angesehen.

Das Manifest des World Architecture Festivals fasst die wichtigsten Herausforderungen zusammen, auf die Städte in der nächsten Dekade Antworten finden müssen: Im Fokus stehen vor allem das nachhaltige und ethische Management von Klima, Energie, Wasserversorgung, Recycling und kultureller Identität.

Wie sich Städte auf diese Punkte vorbereiten, beweisen Architekten und Designer aus aller Welt, die ihre Projekte bei dem internationalen Festival eingereicht haben. Ein roter Faden: Urbane Gebäude werden inklusiv und nachhaltig. Diese Visionen und Projekte setzen den Menschen wieder in den Mittelpunkt – und verzichten dabei nicht auf Natur.

Architektur für alle

Ob wogender Bambus oder sattes Gras: Chinas wachsende Großstädte brauchen Grünflächen. Die Chengdu City Music Hall, entworfen vom Architekturbüro Aedas, besteht aus einem Komplex korrespondierender Stufenpyramiden, deren Dächer zu einem begehbaren Park verwachsen.

Fußgängerbrücken überspannen grüne Canyons zwischen den einzelnen Gebäuden. Ihre abgerundeten Ecken sind programmatisch. Andrew Bromberg von Aedas zitiert traditionelle Landschaftsbilder, die Architektur und Natur, Berge und Flüsse in eine perfekte Harmonie bringen.

Den Bewohnern von Wuhou, eines Stadtteils von Chengdu in der chinesischen Provinz Sichuan, wird mit der neuen Konzerthalle nicht nur Musikgenuss beschert, auch Chigong-Freunde und Jogger erhalten einen neuen Park.

 

Die Chengdu City Music Hall
Die Chengdu City Music Hall von Aedas.
Bild: Andrew Bromberg/ Aedas

Voller Leben

NærHeden ist ein neuer Planbezirk in der Kopenhagener Vorstadt. Ein Masterplan der Architekten von Arkitema sieht für das 68,5 Hektar große Gebiet eine Öko-Siedlung mit viel Platz für Kinder und Senioren vor. In dem Entwurf durchziehen Kanäle, geklinkerte Gehwege und mäandernde Radrouten das Areal.

Dazu kommt viel, viel Grün. Satteldachhäuschen formen kleine Dörfer oder stehen in Landschaftsparkanlagen. Notebook-User, Kinderwagenschieber und erweiterte Großfamilien treffen hier auf idyllische Weise aufeinander.

Schwimmende Felder

Die Niederlande sind schon länger dabei, mit großen Deichanlagen und Gewächshäusern dem Meer neues Land abzuringen. Thomas Chung, Associate Professor für Architektur an der Chinese University of Hong Kong, setzt stattdessen auf schwimmende Plattformen.

Die Vision des Cambridge-Absolventen: „floating fields“ – kleine grüne Fabriken, die Salat und Kräuter produzieren, das Wasser säubern und der Stadt ein Stück Natur zurückgeben. Chungs Vorhaben ist eine Antwort auf den Klimawandel und den steigenden Meeresspiegel, aber gleichzeitig auch eine symbolische Versöhnung von Land und Wasser.

Schwimmende Plattformen in Hong Kong
Thomas Chungs Projekt richtet sich gegen den Klimawandel.
Foto: Thomas Chung / Floating Fields Team
Floating Fields: Projekt des World Architecture Festival
Seine schwimmenden Module bieten Platz zum Gemüseanbau.
Foto: Thomas Chung / Floating Fields Team
Floating Fields von Thomas Chung
Die Idee verspricht, der Stadt etwas Natur zurückzugeben.
Foto: Thomas Chung / Floating Fields Team

Grünes Denkmal

Ein hölzerner Steg führt zum Wangari Muta Maathai House, vorbei an Birken und sorgfältig gepflanzten Büschen. Das Monument ist als lebendiger Ort des Gedenkens angelegt – zu Ehren von Wangari Maathai, der kenianischen Veterinärmedizinärin und ersten afrikanischen Trägerin des Friedensnobelpreises.

Sie wurde 1977 durch ihr Aufforstungsprojekt „Green Belt Movement“ bekannt. Das Haus greift Maathais Ideen auf. Der Steg schlägt einen Halbkreis durchs Grün. Auch das Gebäude selbst ist als großer, begrünter Ring angelegt, der mit seiner Umgebung verschmilzt.

Hinter der Umsetzung des Baus stecken die südafrikanischen Architekten von Boogertman – ausgewiesene Experten für nachhaltige Architektur.

Grünes Projekt vom World Architecture Festival
Das Wangari Muta Maathai House von Boogertman.
Foto: Boogertman and Partners
Wangari Muta Maathai House
Foto: Boogertman and Partners
Wangari Muta Maathai House von Boogertman
Foto: Boogertman and Partners
Project von Boogertman
Foto: Boogertman and Partners

Klangkörper

Auf nach Malmö, wo eines der Projekte bereits gebaut wurde: Ein Hochhaus-Ensemble, das aussieht, als hätte jemand einen Barcode auf die Fassade geklebt. Bei näherem Hinsehen entpuppen sich die dunklen, vertikalen Streifen als Fenster unterschiedlicher Größe.

Die roten, gelben und grauen Bauten der Malmö Live Gebäude beherbergen zwei Konzertsäle und bilden das neue Gesicht für die gleichnamige Initiative für neue Musik in der südschwedischen Stadt. Die Planer von Schmidt Hammer Lassen Architects wollten den Gebäudekomplex so entwickeln, dass er einen Beitrag zum öffentlichen Leben der Großstadt leistet.

Hochhaus-Ensemble in Malmö
Malmö Live – ein Gebäudekomplex von Schmidt Hammer Lassen.
Foto: Schmidt Hammer Lassen Architects
Projekt von Schmidt Hammer Lassen Architects
Foto: Schmidt Hammer Lassen Architects
Malmö Live Gebäude
Foto: Schmidt Hammer Lassen Architects
Konzerthalle in Malmö
Foto: Schmidt Hammer Lassen Architects
World Architecture Festival: Malmö Live
Foto: Schmidt Hammer Lassen Architects
Malmö Live Gebäudekomplex
Foto: Schmidt Hammer Lassen Architects

Pink, schnell, schräg

Der 600 Meter lange „LightPathAKL“ von Monk Mackenzie mutet auf den ersten Blick futuristisch an. Der pinkfarbene Fahrradkorridor im neuseeländischen Auckland überbrückt die stark befahrene Stadtautobahn und schafft eine für Radfahrer und Fußgänger optimale Verbindung zwischen zwei Stadtteilen.

Nachts strahlen 300 LED-Strahler im selben Magenta wie die Fahrbahn selbst. Da leuchten auch die Gesichter der Stadtplaner, die bereits im März 2016 den hunderttausendsten Radler zählten.

LightPathAKL von Monk Mackenzie Architects in Auckland
„LightPathAKL“ von Monk Mackenzie.
Foto: Monk Mackenzie + LandLAB
Pinkfarbene Fahrradkorridor LightPathAKL
Der pinkfarbene Pfad führt Radler und Fußgänger sicher durch Auckland in Neuseeland.
Foto: Monk Mackenzie + LandLAB
World Architecture Festival Projekt: LightPathAKL
LED-Beleuchtung erhellt den Weg bei Nacht.
Foto: Monk Mackenzie + LandLAB

Leuchtender Strand

Palmen sind schon etwas Tolles, besonders für Nordländer. Und weil man von ihnen eigentlich nicht genug bekommen kann, wollen Stephen Pimbley und sein Team des Architekturbüros Spark eine ganze Reihe künstlicher Palmen aufstellen. Als riesengroße, begehbare Lampions sollen sie den Strand von Singapur beleuchten.

Die eigentlichen Leuchtschirme bestehen aus recycelten Ozeanabfällen. Spark bezieht sich bei diesem Projekt auf die Tradition viktorianischer Strandhäuser in England und Südafrika.

Das World Architecture Festival ist ein Event für Architekten und Interieurdesigner. Es findet im November in Berlin statt. Als einziges Festival weltweit vereint es Preise, Konferenzen und Networking und vermittelt so architektonisches Wissen und Inspiration auf innovative Weise.