Die Mieten steigen. Mikrohäuser sind eine Alternative für gestresste Großstädter auf Wohnungssuche. Viele Projekte werden vorfabriziert und genau auf die Wünsche ihrer Bewohner angepasst.

Eine kleine Revolution bahnt sich an: Häuser sind nicht mehr an aufwendige Fundamente und gemauerte Wände gebunden. Stattdessen ähneln sie immer öfter Autos – in der Fabrik maßgefertigt, kompakt und flexibel einsetzbar. Mikrohaus statt Hypothek. Diese spannenden Konzepte machen Lust auf ein kleines Eigenheim.

Quadratisch, praktisch – KODA

Das Mikrohaus des estnischen Designkollektivs Kodasema kommt gänzlich ohne Fundamente aus. So lässt es sich innerhalb eines Tages versetzen. Möglich machen das vor allem die kompakten Maße des geradlinigen Wohnwürfels. Gerade einmal 25 Quadratmeter groß ist das Haus, das innen aus einem offenen Wohnzimmer mit Galerie besteht. Dazu kommt noch eine Terrasse vor der großzügig verglasten Fassade. Küche, Bad und Schlafzimmer sind geschützt auf der Rückseite des Raumes untergebracht. „KODA“ wird auf Wunsch direkt in der Fabrik konfektioniert und lässt sich so an fast alle Wohnbedürfnisse anpassen.

Ab in die Kiste: Bert’s Boxes

Ein schmaler Flur. Geradeaus das Bad, rechts ein luftiges Schlafzimmer und links ein großzügiger Wohnraum mit Küchenblock und Terrasse. Mehr braucht es kaum zum Leben. Das beweisen gerade die Londoner Gestalter von Bert & May, die in Zusammenarbeit mit den Architekten von Box 9 ein cleveres Miniaturhaus entwarfen, das keinerlei Abstriche beim Komfort zulässt. Geradezu luxuriös wirken die Maße des 13,5 Meter langen Wohncontainers, der – je nach Vorliebe der Bewohner – rustikal oder chic gestaltet werden kann. Die Zeit der Minimalisten ist hier definitiv vorbei.

Miniaturhaus Bert’s Boxes in London
„Bert’s Box“ …
Foto: Bert & May
Esszimmer im Mikroloft Bert’s Boxes
… ist ein cleveres Minihaus …
Foto: Bert & May
Schlafzimmer im Mikrohaus Bert’s Boxes
… der Londonder Designer …
Foto: Bert & May
Badezimmer gestaltet von von Bert & May
… Bert & May.
Foto: Bert & May
Inneneinrichtung im Mikrohaus
Foto: Bert & May
Bert’s Boxes Flur
Foto: Bert & May

Saugute Lage

Zugegeben, die Vorstellung von zwei grunzenden Schweinen vor dem eigenen Fenster ist etwas gewöhnungsbedürftig. Der „Magnificent Container“ zeigt den augenzwinkernden Geist der Londoner Carl Turner Architects. Denn das Mikrohaus mit den orangefarbenen Flügeltüren entstand zugunsten einer gemeinnützigen Kinderhilfsorganisation auf der Hackney City Farm in East London. In seiner Essenz ist der Container ein schönes Arbeitszimmer im Grünen.

Magnificent Container in London
Tierisch gut: …
Foto: Tim Crocker
Farm vor dem Magnificent Container
… der Magnificent Container …
Foto: Tim Crocker
Mikrohaus in London
… auf der Londoner …
Foto: Tim Crocker
Hackney City Farm in London
… Hackney City Farm.
Foto: Tim Crocker

Das Schwesterprojekt „Slip House“ ist ebenso luftig wie urban und experimentell. Das einfache Konzept: Wohnraum wird gestapelt, wie in einem Containerterminal. Eine Box für das Wohnen, eine für das Schlafen und eine als Arbeitsraum. Seinen besonderen Look erhält das Slip House durch grünes Industrieglas, das die Kisten zu einem Ganzen verbindet.

Das "Slip House" in London
Das Slip House …
Foto: Tim Crocker
Innenraum des "Slip House" in London
… bietet flexibel stapelbaren …
Foto: Tim Crocker
Der Wohnraum des Mikrohaus "Slip House"
… Wohnraum.
Foto: Tim Crocker

Herausragendes Design

Eine etwas andere Studentenbude konzipierten angehende Architekten der Fay Jones School of Architecture and Design in Little Rock, Arkansas. Das „Cantilever House“ besteht einfach aus zwei vorgefertigten Modulen. Die beiden originell gestapelten Elemente geben der holzverkleideten Struktur einen einzigartigen Look. Das kompakte, aber vollwertige Haus ist lichtdurchflutet und bietet eine geräumige Terrasse. Ihr Semesterprojekt verhalf den Architekturstudenten zum Honor Award des American Institute of Architects von Arkansas. Vielleicht auch aufgrund der Ähnlichkeit zur berühmten Vision des Wolkenbügels des russischen Avantgardisten El Lissitzky von 1924.

Mikrohaus Cantilever House
Das Cantilever House besticht mit …
Foto: Fay Jones School of Architecture and Design
Die Räume des Cantilever House
… lichtdurchfluteten Räumen …
Foto: Fay Jones School of Architecture and Design
Außendesign des Cantilever House
… und einer holzverkleideten Fassade.
Foto: Fay Jones School of Architecture and Design

Harmonischer Dreiklang

Neue Häuser braucht das Land. Und zwar solche, die in jeder Umgebung eine gute Figur machen. Wie das „Futteralhaus„, das eben nicht nur eine verrückte, durch und durch designte Kiste ist, sondern ein ausgefeiltes, energetisches und logistisches Konzept enthält. Von der solaren Energieversorgung bis hin zu ausgefeilten Lieferservices durch Drohnen. Schön ist es noch dazu – mit seinen klaren Profilen und seinem aufgeräumten Inneren. Hier ist der Dreiklang aus Schlafzimmer, Bad und Wohn-/Essraum angenehm komponiert. 2011 entwarf Maxim Kurennoy das erste Modul des Hauses. Seither hat sich das Konzept immer weiter verfeinert und wartet nun auf Querdenker, die sich den Traum vom flexiblen Wohnen erfüllen wollen.

Das Mikrohaus Futteralhaus
Das Futteralhaus …
Foto: Futteralhaus / Dmitry Yagovkin
Inneneinrichtung im Futteralhaus
… von Maxim Kurennoy …
Foto: Futteralhaus / Dmitry Yagovkin
Terrasse des Mikrohauses Futteralhaus
… wartet auf Querdenker.
Foto: Futteralhaus / Dmitry Yagovkin