Öffentliche Plätze in Städten sind oft wenig einladend. Mit WikiBlock hat die gemeinnützige Organisation Better Block aus Dallas eine Open-Source-Lösung entwickelt, mit der Menschen ihre eigenen Straßen und Viertel neu gestalten können. Initiator Jason Roberts erklärt die Idee.

Die Ladengeschäfte vernagelt, die Fassaden farblos, die Bürgersteige schmal – wir alle kennen diese Teile der Stadt. Wenn ein Stadtgebiet aufgrund wirtschaftlicher oder stadtplanerischer Umstände seine Fußgänger und Radfahrer verliert, wird es dort schnell ungemütlich.

Jason Roberts hat diese Entwicklung in seiner eigenen Nachbarschaft im texanischen Dallas beobachtet und sich entschieden, etwas zu unternehmen. Er initiierte Better Block. Die gemeinnützige Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, leblosen Stadtgebieten neues Leben einzuhauchen. So erhalten die Bewohner vernachlässigter Viertel die Möglichkeit, sich auszuruhen, zu plaudern, zu spielen, bummeln zu gehen oder einfach einen Kaffee zu trinken.

Doch wie belebt man leere öffentliche Räume mit einfachen Mitteln? Laut Roberts braucht es Pflanzen, Pop-Up-Shops und entsprechende Möbel: Sitzgelegenheiten, Tische, Kioske, Fahrradständer. Dann ging der Texaner noch einen Schritt weiter: Mit der Gründung von WikiBlock möchte er Menschen auf der ganzen Welt dazu befähigen, diese Veränderung selbst herbeizuführen.

Möbel und Pop-Up-Geschäfte hergestellt nach der Anleitung von WikiBlock
Neues Leben auf altem Beton.

Eine Open-Source-Bibliothek

Die Website der Open-Source-Bibliothek WikiBlock bietet nun eine große Auswahl an Mobiliar für den urbanen Raum. Bänke, Stühle, Blumenkästen, Kleinbühnen, Biergartenzäune, Kioske. Allerdings: Kaufen kann man die Objekte nicht – nur selber bauen. Entwürfe und Anleitungen können kostenlos heruntergeladen werden.

Mit einer CNC-Fräse lassen sich die Einzelteile unkompliziert aus Sperrholz ausschneiden. Wie bei industriell vorgefertigen Produkten aus Selbstabholer-Möbelhäusern können dann alle Komponenten einfach und ohne zusätzlichen Kleber, Nägel oder komplexes Werkzeug zusammengebaut werden.

Damit rüttelt die Idee nicht nur an tristen Straßenzügen, sondern auch an alten Strukturen. Denn die Verantwortung für die Gestaltung unserer Umgebung liegt nun nicht länger bei der Gemeinde oder bei Stadtplanern – wir können selbst tätig werden.

Als offenes Archiv für Mobiliar im urbanen Raum gibt WikiBlock Städtern zudem die Mittel, ihre eigene Community zu reaktivieren und Freunde und Nachbarn zum Mitmachen zu animieren.

Eigene Ideen und Beiträge zum Katalog sind deshalb erwünscht. So können dann Stadtbewohner aus aller Welt das geteilte Wissen, wie man urbane Räume verschönern und vielseitig nutzbar machen kann, aufgreifen – eine der praxisorientiertesten Ideen der Sharing-Economy.

Urbane Themen aus der IT-Perspektive

Die Idee für WikiBlock kam dem ehemaligen IT-Berater Jason Roberts, während er durch eine von Blumenkästen gesäumte Straße in Vancouver radelte.

„Ich wollte sowas unbedingt in meiner eigenen Straße haben“, erinnert er sich. „Ich dachte, es wäre doch eigentlich leicht, die Kästen zu vermessen, das Design zu analysieren und sie dann nachzubauen. Ich nenne das ‚reverse engineering’ – umgekehrtes Bauen.”

Damals war Roberts bereits IT-Berater für die Better Block Foundation, bei der er an urbanen Lösungen arbeitete, die in unterschiedlichen Vierteln und unter verschiedensten Gegebenheiten einfach umzusetzen sein sollten: „Die Idee war, öffentliche Räume mit urbanen DIY-Elementen zu füllen.”

Ausschlaggebend für die Gründung von WikiBlock waren schließlich Open-Source-Initiativen wie Wikihouse oder Opendesk, die mit modularem Design urbane Gestaltung fördern.

Auf besonders viel Begeisterung stieß die Idee bei Brian Peters, Universitäts-Professor an der Kent State University im US-Bundesstaat Ohio. Er ließ seine Studenten eine Handvoll gebrauchsfertiger Open-Source-Designs für Menschen entwerfen, die in ihrem direkten Umfeld anpacken wollten und brachte darüber hinaus die CNC-Fräse für die Produktion der Designs ins Spiel.

„In der Vergangenheit haben wir alte Paletten oder Milchkästen benutzt, wirklich alles an Material, was wir finden konnten, um die Straßen aufzumöbeln“, erklärt Roberts die Zusammenarbeit mit der Universität. „Dafür war es wichtig, digitale Fertigungstechniken zu verstehen.“

Ein Kiosk hergestellt nach der Anleitung von Wikiblocks
Kleine Kioske haben vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.

 

Speed-Dating für Communitys

Sperrholz als Material ist nicht gerade für seine Wetterbeständigkeit bekannt. Einer der Gründe, der WikiBlock in Roberts Augen zum Pop-Up-Phänomen macht.

„Die Objekte sind nicht für die Ewigkeit gedacht. Ihr wahrer Wert liegt darin, soziale Verbindungen zu schaffen und die Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft darauf zu lenken. Der Einfluss lässt sich quantitativ schwer erfassen, aber ich glaube, die Art und Weise, wie wir Menschen zum gemeinschaftlichen Arbeiten bringen, ist erheblich.”

WikiBlock sei wie „Speed-Dating für Communitys”, scherzt Roberts. „Die Verbindungen, die entstehen, wenn man zusammen etwas erschafft, sind sehr nachhaltig. Unternehmer, Stadtmitarbeiter und Anwohner lernen sich in kurzer Zeit kennen und lernen auch, einander zu vertrauen”, betont er.

„Im Grunde ermöglichen wir gemeinschaftliches Engagement. Wir wollen neue Werkzeuge und Mittel schaffen, die Leute in ihren Städten oder Stadtvierteln zusammenbringen. Und im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Zukunft drucken.”

Verschiedene Pop-Up-Läden in einer Straße
Ehemals geschlossene Geschäfte öffnen für Pop-Up-Stores.

Mit WikiBlock wird jeder zum urbanen Designer

„Städte, Dörfer und Nachbarschaften weltweit sind mit den gleichen Problemen konfrontiert: mangelnde Zusammenarbeit, mangelnde soziale Verbindungen und mangelnder Gemeinschaftssinn. Unsere Tools können uns an unsere gemeinsamen Werte erinnern. Daran, worin wir uns doch alle einig sind: Wir alle brauchen Orte, an denen wir glücklich sein und uns mit anderen Menschen verbinden können”, so Roberts.

Pop-Up-Läden
Wer würde hier nicht innehalten?
Akron Coffee Roasters Schild
Eine Pop-up Bar

WikiBlock demokratisiert mit diesem Konzept hochwertige Qualität, Design und unkomplizierte Produktionstechnik – und gibt jedem Stadtbewohner die Chance, zum urbanen Designer zu werden.

Die große Idee dahinter: Die soziale Intervention für Nachbarschaften und Communitys kann nicht nur als Starthilfe für einen urbanen Erneuerungsprozess auf lokaler Ebene dienen – sie kann gleichzeitig sogar den Grundstein für eine internationale Bewegung legen.

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