Ein Leben ohne Technik ist für uns mittlerweile kaum noch vorstellbar. Sie hilft uns, ist bequem und man kommt so selbstverständlich mit ihr klar, als wäre sie ein Teil von uns. Meistens, auf jeden Fall.

Mit dem sanften verführerischen Leuchten mobiler Helfer und Gadgets ist auch unser Alltag komfortabler geworden. Informationen aus aller Welt sind sofort abrufbar. Nicht zu vergessen all die supersüßen Katzenvideos, die wir blitzschnell mit unseren Freunden teilen.

Aber manchmal ist es auch keine schlechte Idee, der ständigen Stimulation und unersättlichen Tyrannei des Likens für ein paar Momente zu entkommen. Zum Beispiel mit White Spots.

Nein, wir reden hier nicht von einem Teenie-Hautproblem, sondern von all den Gebieten und Grauzonen auf der Landkarte, die keine Netzabdeckung besitzen. Orte, an denen man einfach nur sein kann, ohne anderen mitzuteilen, wie großartig es uns gerade geht oder was wir gleich essen werden. In anderen Worten: Wie in den 1970ern, nur mit weniger Abba.

White Spots App zeigt Funkmasten in der Umgebung
Wo ist der nächste weiße Fleck?
Foto: White Spots

Eine Reise ans Ende des Internets

Die App, die aktuell für iOS und Android verfügbar ist (sogar als coole VR-Version!), zeigt alle Funkmasten in unmittelbarer Umgebung samt ihrer Signalstärke an. Gleichzeitig weist sie Nutzer auf den nächsten „weißen Fleck“ hin, inklusive Routenplaner.

Gerade in Großstädten ist so ein White Spot möglicherweise hunderte Kilometer weit entfernt – was uns die enorme Dichte digitaler Netzwerke im Alltag zeigt.

Mann versucht Handyempfang zu finden
Verweilen statt teilen.
Foto: Getty / Westend61

White Spots ist eine Zusammenarbeit des holländischen Informationsdesigners Richard Vijgen, der Künstlerin Jacqueline Hassink und der Dokumentarfilmerin Bregtje van der Haak.

Letztere wurde vor allem beim zweiten Teil der App aktiv: einer Reihe von Kurzfilmen, die das Leben in nicht-digitalen Gegenden dokumentieren, von Cafés mit Handysignalblocker bis hin zu einem spanischen Dorf, das so schlecht vernetzt ist, dass seine Bewohner für Gespräche lieber das Münztelefon im Rathaus nutzen.

Dabei geht es den Machern gar nicht darum, Digitaltechnologien zu verteufeln – schließlich läuft die App selbst auf Mobiltelefonen – sondern sie möchten uns bewusster machen, wie uns diese ständige Erreichbarkeit verändert.

Unter Digital Natives könnte White Spots wahrscheinlich als eine Art glorifizierte Selbstkasteiung durchgehen, aber wer sich noch daran erinnern kann, wie sich das Leben vor dem mobilen Internet angefühlt hat, findet hier vielleicht genau den richtigen Taktgeber, um die eigenen Batterien (auch wortwörtlich) wieder ein bisschen aufzuladen.

Mehr Informationen zu White Spots gibt es hier.

Preis: kostenlos
System: iOS 9.0 oder höher, Android 4.4 oder höher
Größe: 109 MB