Wasted ist eine Initiative aus Amsterdam. Ihr Ziel: die Einwohner der Stadt zum Recyceln zu animieren. Dafür rief das Start-up eine eigene Währung ins Leben, die Teilnehmern im Gegenzug Rabatte bei Unternehmen in der Nachbarschaft gewährt. Unsere holländischen Freunde von Pop-Up City haben das Schritt-für-Schritt-System ausprobiert und mit Projektmanager Sietse Gronheid über den Erfolg des Start-ups gesprochen. 

Die Initiative Wasted ist das Ergebnis einer Studie zur aktuellen Müllsituation in Amsterdam. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass vielen Amsterdamern die Motivation fehlt, ihren Müll zu recyceln, vor allem in der Nähe von Amsterdam-Noord“, erklärt Wasted-Mitgründer Sietse Gronheid. „Wir haben also nach einer bequemen Lösung gesucht, die es den Bewohnern ermöglicht, ihre Abfälle ohne viel Aufwand zu recyceln.“

Wir haben das Wasted-Projekt selbst getestet, indem wir den Plastikmüll aus unserem Büro gesammelt und nach dem standardisierten Vorgehen des Recycling-Programms entsorgt haben.

Das beginnt mit der Registrierung als „Recycling-Nachbar“ über die Wasted-Homepage. Sobald das geschehen ist, wird einem ein Starterpaket mit Infomaterial und Müllsäcken direkt an die eigene Haustür geliefert. Es ist wichtig, für die Trennung von Haushaltsmüll, Glas, Papier, Plastik und Textilien wirklich nur die dafür vorgesehenen Säcke zu verwenden, um die Menge an zu recyceltem Abfall später korrekt abwiegen zu können.

Mann an Laptop arbeitend, Benutzeroberfläche von Wasted Lab
Ari registriert sich, um ein „Recycling-Nachbar“ zu werden.
Mann nimmt Recycling-Müllsäcke von Wasted in Empfang
Kurze Zeit später werden die Wasted-Müllsäcke direkt geliefert.

Richtig recyceln

Plastik ist ein Problem, das besonders im urbanen Raum überhand nimmt. Unser Team von Pop-Up City füllt also den Wasted-Müllsack mit den Unmengen an Plastikmüll aus unserem Büro. Sietse weiß, wie sich dieser vermeiden lässt. „Alles in allem ist die nachhaltigste Option noch immer, weniger Müll zu produzieren“, erklärt er und plädiert darauf: „Bitte achtet vor allem beim Einkaufen darauf, nicht vorsätzlich in Plastik verpackte Dinge zu kaufen! Wir arbeiten derzeit auch an einem System, das Menschen dafür belohnt, Plastikverpackungen zu vermeiden.“

Mann mit Recycling-Müllsack von Wasted
Ob zu Hause oder im Büro: Wir produzieren jeden Tag viel zu viel Plastikmüll.
Mann auf Fahrrad bei der Entsorgung eines Recycling-Müllsackes
Unser Autor bringt seinen gefüllten Wasted-Müllsack zum nächstgelegenen Container.

Unser Kollege Ari bringt den gefüllten Sack zu einem der öffentlichen Container in der Nachbarschaft. Bevor er den Müllsack hinein wirft, scannt er den Wasted-QR-Code, der sich am Container befindet. Dieser führt ihn zu einer Website, auf der er sofort ein Foto von dem Müllsack machen und hochladen kann. Im Gegenzug erhält Ari kurz darauf einen digitalen Coin.

„Tatsächlich begannen wir mit echten Coins, um unser Belohnungssystem zu testen“, sagt Sietse. „Es war sehr erfolgreich und die Amsterdamer Gemeinde hat uns bei der Erweiterung unterstützt. Die Chips sind immer noch gültig, aber in der Zwischenzeit haben wir eine digitale Alternative entwickelt, damit die Leute noch einfacher teilnehmen können.“

Mann auf Fahrrad sitzend wirft Recycling-Müllsack von Wasted in einen Müllcontainer
Ein Aufkleber von Wasted und ein QR-Code machen den Recycling-Container kenntlich.

Coins sichern Vergünstigungen bei lokalen Unternehmen

Das Beste an dem System ist, dass jeder Sack mit recyceltem Müll direkt belohnt wird. Wir haben unseren Wasted-Coin direkt für eine Tasse Kaffee in einem Café um die Ecke getauscht. Die meisten Unternehmen bieten besondere Deals an. Ari hat sich ein Stück Kuchen gegönnt und dazu einen kostenlosen Cappuccino bekommen.

„Ohne die Mithilfe der lokalen Unternehmen, die Recycling in der Nachbarschaft unterstützen, wäre das Belohnungssystem nicht möglich“, sagt Sietse dankbar. „Gerade Geschäfte und Cafés profitieren natürlich auch langfristig davon – Menschen, die bei ihnen ihre Coins einlösen, kommen sehr wahrscheinlich und bleiben ihnen als zahlende Kunden erhalten.“

Mann mit Recycling-Coins von Wasted in der Hand
Mit den Wasted-Coins können Teilnehmer besondere Deals von teilnehmenden Unternehmen bekommen.
Recycling-Coins von Wasted Lab neben einem Kaffeeglas
Dank seiner Recycling-Bemühungen wird Ari mit einem kostenlosen Kaffee belohnt.

Die soziale Komponente beim Recyceln

Mit ihrer Recycling-Währung hat Wasted den Einwohnern von Amsterdam nicht nur bewiesen, dass Recycling Spaß machen kann. Wer seine Coins spart, kann sie zum Beispiel auch ein kostenloses Kinoticket tauschen. Auf diese Weise können auch Menschen mit geringerem Einkommen an kulturellen Veranstaltungen teilnehmen. Es lohnt sich also auch, die offensichtlich sozialen Auswirkungen des Programms zu thematisieren.

„Was Wasted einzigartig macht, ist unser Ansatz, Menschen für ihr Engagement zu belohnen“, erklärt Sietse lächelnd. „Das ist sehr viel effektiver, als sie für etwas zu bestrafen, das sie nicht tun.“

Frau und Mann Kuchen essend am Ufer in Amsterdam
Die Wasted-Initiative macht Recycling zum Kinderspiel.

Wir haben unseren Wasted-Test jedenfalls sehr genossen und sind gespannt, wie sich die Initiative in der nächsten Zeit entwickelt. Fakt ist: Es sind innovative, urbane Projekte wie Wasted, die dazu beitragen können, das Müllproblem in unserer Nachbarschaft und großen Städten weltweit langfristig zu bekämpfen.

Mehr Informationen über die Initiative Wasted, ihr Belohnungsprogramm und ihre bisherigen Errungenschaften gibt es hier.