Wachsende Städte benötigen originelle und kreative Lösungen – denn nur so können urbane Infrastrukturen und Ressourcen geschont werden. Diese fünf Erfindungen beweisen, dass sowohl anspruchsvolle, als auch ganz simple Technologien hierzu einen Beitrag leisten könnten.

Gehwege, die Schritte in Energie umwandeln

Ein ausgedehnter Spaziergang eröffnet immer neue Perspektiven der Stadt. Nun lässt sich beim Flanieren auch Energie erzeugen: Das britische Clean-Tech-Start-up PaveGen hat kürzlich mitten in London einen zehn Quadratmeter großen „smarten Gehweg” verlegt.

Die intelligenten Platten verwandeln Schritte in Elektrizität, indem die Passanten mit ihrem Gewicht einen Generator unter der Oberfläche antreiben. Dieser erzeugt dann durch elektromagnetische Induktion Strom, der sich zum Beispiel in die Straßenbeleuchtung einspeisen lässt.

Die Fliesen von PaveGen sammeln darüber hinaus in Echtzeit Daten und zeichnen auf, wie viele Schritte an welcher Stelle anfallen. Diese Daten werden dann über eine App an Passanten übermittelt. So kann man nicht nur die Anzahl seiner getätigten Schritte im Auge behalten, sondern seinen energiegeladenen Gang auch als eine digitale Währung verwenden, um in lokalen Läden Rabatte zu erhalten.

Zwar sollte es keiner besonderen Anreize bedürfen, unsere Städte zu Fuß zu erkunden – dennoch ist es ein willkommener Bonus, für einen Spaziergang ein kleines Dankeschön zu erhalten. Noch dazu wird so ein aktiver Beitrag zur Quote der erneuerbaren Energien geleistet.

Intelligente Bäume, die unseren Städten atmen helfen

In so mancher Stadt mangelt es an Grünflächen. Da Parks und Stadtwälder einen wesentlichen Beitrag zu sauberer Luft leisten, spürt man deutlich, wenn sie fehlen. Der CityTree soll dem nun abhelfen.

Der Baumersatz ist circa vier Meter hoch und ähnelt einem elektronischen Plakatdisplay – mit einem Unterschied: Seine Oberfläche ist mit dichtem, grünen Moos bedeckt, das Staub und andere unsichtbare Schadstoffe, wie zum Beispiel Stickoxid aus der Luft herausfiltert. Die Wirkung eines einzigen CityTree entspricht der von bis zu 275 echten Bäumen.

Green City Tree auf einem öffentlichen Platz
Der CityTree bringt gesundes Grün in den urbanen Dschungel.
Foto: Green City Solutions

Und wer steckt hinter der Erfindung? Bei den Gründern des Berliner Start-ups Green City Solutions handelt es sich um einen Architekten, einen Gartenbauingenieur, einen Maschinenbauingenieur und einen IT-Spezialisten: Zusammen wollen sie Stadtbewohnern helfen, wieder frei atmen zu können.

Das innovative Unternehmen kennt man bereits vom smart urban pioneers Ideenwettbewerb. Der CityTree ist noch dazu intelligent – er kommuniziert mit Smartphones und Tablets, um Daten und Analysen über den Zustand seiner unmittelbaren Umwelt zu übermitteln.

Temporäre Gebäude mit zehn Minuten Aufbauzeit

Je mehr die Bevölkerungsdichte in unseren Städten zunimmt und Vororte in die umliegende Natur vordringen, desto häufiger müssen wir leider auch mit unerwarteten Naturkatastrophen rechnen. Waldbrände, Fluten und Erdbeben können auch über die modernste Metropole hereinbrechen. Doch manchmal ist selbst die ausgetüfteltste Technologie überflüssig, wenn Betroffene nichts weiter brauchen als ein temporäres Dach über dem Kopf, bevor die Nacht anbricht.

Pop-Up-Gebäude von Ten Fold in grüner Landschaft
Die Vision von Ten Fold: Pop-up-Gebäude wie dieses.
Foto: Ten Fold Engineering

Die britische Firma Ten Fold hat eine Methode entwickelt, mit der Behelfsgebäude ohne großen Aufwand aufgebaut werden können. Ihre mobilen Objekte lassen sich in nur zehn Minuten errichten. Alles, was man dazu braucht, ist ein batteriebetriebener Handbohrer.

Dank modularem Design können Zimmergröße sowie die Anzahl der Fenster und Türen beliebig variiert werden – je nach dem jeweiligen Verwendungszweck. Im Ernstfall könnten sie so etwa als medizinische Stützpunkte oder Notunterkünfte dienen.

Die Parkbank-Bubble als Ruhepol im Stadtdschungel

Das Stadtleben bringt zwar zahlreiche Annehmlichkeiten mit sich – dennoch steht man als Städter oft ziemlich unter Strom. Um einen Ruhepol inmitten der Betonwüste zu schaffen, will ein niederländischer Designer Parkbänke in private Kokons verwandeln.

weißer Wohnkokon auf einer Parkbank
Eine Parkbank wird zur Unterkunft.
Foto: Thor ter Kulve

Thor ter Kulve, der regelmäßig öffentliche Orte neu denkt und definiert, gab seiner „Park Bench Bubble” alles mit, was zur Grundausstattung eines Zuhauses gehört – inklusive eines obligatorischen USB-Anschlusses und einer wetterfesten Hülle.

„Die Materialien und Arbeitsweisen habe ich dem Möbelkunstwerk, der Schreinerei, dem Nähen aufblasbarer Objekte und der Elektroinstallation entlehnt”, so ter Kulve auf seiner Website. Seine Bank-Blase bezeichnet er poetisch als „Gedankenprototypen”.

ein weißer Wohnkokon von innen
Der Wohnkokon von innen.
Foto: Thor ter Kulve

Abschalten mit vollem Empfang

Je mehr die Konnektivität im Stadtraum zunimmt, desto mehr verlassen wir uns darauf, wichtige Informationen und Neuigkeiten jederzeit abrufen zu können. In Parks ist es jedoch um das WLAN-Signal meist schlecht bestellt. Was ja auch deren Sinn und Zweck ist – sie wurden als Orte konzipiert, in denen man in ruhiger Atmosphäre abschalten kann. Einen Haken gibt es aber: Passanten oder Touristen müssen unter Umständen ohne wichtige Informationen auskommen, wie zum Beispiel aktuelle Nahverkehrsupdates oder die Wettervorhersage.

In einem Park auf der New Yorker Insel Governor’s Island gibt es dank eines mobilen Pop-up-Hotspots des Architekturbüros Studio KCA jetzt jederzeit volle Balken. Die innovative Lösung beinhaltet sogar eine Sitzgelegenheit und lässt sich bequem auf dem Fahrrad mitnehmen – ideal für alle, die selbst in der Natur nicht auf die neuesten Informationen verzichten wollen.