Online-Shopping boomt. Trotzdem schießen neue Concept Stores wie Pilze aus dem Boden – ein urbanes Phänomen. Diese neuen Fashion- und Designtempel inspirieren mit ihren bunten Erlebniswelten, die mehr bieten wollen als nur bloßen Konsum. Ob Kaffeespezialitäten oder Maniküre, ob Bio-Menüs oder exklusive Designobjekte, ob Geheimkonzerte oder Ausstellungen – diese Concept Stores setzen Maßstäbe.

Schon Coco Chanel wusste: „Mode ist nichts, was nur in Kleidung existiert. Mode ist in der Luft, auf der Straße, Mode hat etwas mit Ideen zu tun, mit der Art wie wir leben, mit dem was passiert.” Die neueste Generation von Concept Stores möchte deshalb ganze Markenwelten kreieren. Aus den Metropolen dieser Welt sind sie nicht mehr wegzudenken, doch nur die besten heben sich von der Masse ab und überraschen den Verbraucher mit einmaligen Einkaufserlebnissen. Im Idealfall werden sie zu lebendigen Räumen, die einen Beitrag zum urbanen Leben leisten. Hier sind die besten Beispiele von Madrid bis New York.

El Paracaidista, Madrid

El Paracaidista befindet sich in einem Palais mitten im angesagten Viertel Malasaña. Sowohl für seine Schöpfer als auch für den neugierigen Besucher hat es etwas von einer Traumwelt. Denn dank eines Teams von Trendscouts finden sich in diesem Store kuriose Objekte aus der ganzen Welt. Dabei zeichnen sich die Produkte immer durch Nachhaltigkeit und nutzerfreundliches Design aus – und sie alle erzählen eine Geschichte.

Jede Etage ist einem anderen Thema gewidmet. So bietet der Space ein Café, einen Ausstellungsraum und ein Kino mit Vintage-Sesseln. Im 1. und 2. Stock ist der Shopping-Bereich untergebracht: Accessoires und Kleidung, Haushaltsartikel, Möbel, Kosmetik, Musik, Bücher, Magazine – von allem etwas, aber immer von ausgewählten Marken.

Eine Sitzecke im Concept Store El Paracaidista
Interieur und Sortiment von El Paracaidista wurde von Trendscouts kuratiert.
Foto: El Paracaidista
Eine Bar mit kubanische Spirituosen im El Paracaidista
Der inoffizielle Mittelpunkt von Madrids hipstem Concept Store: Die Cocktailbar.
Foto: El Paracaidista

Im 3. und 4. Stock gibt es eine Themenbar und eine traumhafte Terrasse mit Blick auf die Dächer von Malasaña und darüber hinaus. Das Besondere an diesem Konzept-Laden: Man muss keine Tasche mit sich herumschleppen. Über eine App kann man nach Herzenslust einkaufen und dann entscheiden, ob man sich die Einkäufe nach Hause liefern lassen möchte oder sie nach einem Cocktail in einer der Bars im Erdgeschoss abholt.

X Bank, Amsterdam

In einem ehemaligen Gebäude der KAS Bank, entworfen 1908 vom Architekten F.W.M. Poggenbeek, befindet sich die X Bank. Seit Ende Februar 2016 ist hier als Teil des Hotel W ein Kulturzentrum entstanden, das schon jetzt als Epizentrum der Kreativität in den Niederlanden gilt. Die 700 Quadratmeter große X Bank liegt im Stadtzentrum direkt im Vergnügungsviertel und steht für alles, was die holländische Kreativszene zu bieten hat.

Verkaufsfläche im Concept Store X Bank in Amsterdam
Eine der größten und exklusivsten Kollektionen holländischer Mode.
Foto: X Bank

Hier lässt sich eine der größten und exklusivsten Kollektionen holländischer Mode finden – darunter Stücke internationaler Kunst- und Designlabel und Produkte junger Talente. Dieser kreative Inkubator entstand mit einem klaren Ziel: die Künstler der Stadt zusammenzubringen. Er umfasst vier in unterschiedlichen Räumen verwirklichte Aspekte: einen Laden, einen Ausstellungsraum, eine Galerie und einen Treffpunkt, der sich durch Innovation und personalisierte Einkaufserlebnisse hervorhebt.

Denn für X Bank ist die Kommunikation mit den Kunden ein wichtiger Wert: Ein herausragender Service und kleine Aufmerksamkeiten sollen ein Gefühl der Wertschätzung vermitteln. Das äußere Erscheinungsbild des Geschäfts hat das Architekturstudio Winhov gestaltet, für das Interieurdesign waren Alon Baranowitz und Irene Kronenberg verantwortlich. Gemeinsam haben sie ein aufsehenerregendes Ergebnis erzielt, das sowohl die Geschichte als auch die ursprüngliche Struktur bewahrt und sich gelungen in die Stadtlandschaft einfügt. Ein echtes Schmuckstück der niederländischen Metropole.

Moderne Verkaufsfläche im X Bank
Die X Bank in Amsterdam ist Laden, Ausstellungsfläche, Galerie und Treffpunkt zugleich.
Foto: X Bank

LX Factory, Lissabon

Die LX Factory erhebt sich auf den Ruinen einer alten Fabrik am Fluss Tejo und repräsentiert perfekt den lebensfrohen und zugleich avantgardistischen Geist von Lissabon. Dieser Laden ist einer der besten Concept Stores der Welt. Schon seit einigen Jahren stehen junge, lokale Künstler und Designer im Mittelpunkt des Projekts.

Zahlreiche Graffiti und Street Art, die auch im Rest der Stadt omnipräsent ist, prägen das Innere des Backsteinkomplexes. Besonders zu empfehlen sind der Buchladen Ler Devagar sowie die hauseigene Eatery La Cantina, eine früher den Fabrikarbeitern der Umgebung dienende Kantine. Mit riesigen Tischen lebt hier der Gemeinschaftsgeist von damals wieder auf.

Ein Markt im Außenbereich der LX Factory
In einer alten Fabrik am Ufer des Tejo zu Hause: Die LX Factory in Lissabon.
Foto: Ricardo Junqueira

Upper Concept Store, Paris

Der Upper Concept Store befindet sich auf der Île Saint-Louis mitten in Paris zwischen der Pont Marie und der Pont de la Tournelle. Während er eine breite Auswahl an Designartikeln und Kleidung bietet, bringt er mit seiner Fläche für zeitgenössische Kunst Künstler und Kreative aus aller Welt sowie Pariser Nachwuchskünstler zusammen.

Darüber hinaus findet sich im modernen und gemütlichen Upper Concept Store ein Coworking-Space, ein Geschäft für Modeschmuck, Dekoration und Lederwaren, eine Cafeteria sowie ein Eventspace, in dem sogar Meisterklassen großer französischer Regisseure wie Olivier Mégaton („Transporter 3″) veranstaltet werden.

Essbereich im Upper Concept Store
Mit Laden, Cafeteria und Eventfläche …
Foto: Upper Concept Store
Die Inneneinrichtung des Cafés im Upper Concept Store
… lässt sich der Upper Concept Store vielfältig nutzen.
Foto: Upper Concept Store

Snickarbacken 7, Stockholm

In einem ehemaligen Stall aus dem Jahr 1800 ist heute Snickarbacken 7 untergebracht. Ein Konzept-Store, der zugleich Café, Galerie, Designshop und Restaurant ist. Mit seinen Steinwänden und extrem hohen Decken wirkt der Raum wie ein Klostersaal und bietet eine liebevoll kuratierte Auswahl von Haushaltsartikeln, Schmuck, Papierwaren, Büchern, Yogamatten oder Kaffee. Und das in den Ausstellungsbereich integrierte Café-Restaurant serviert ein leckeres Frühstück und Mittagessen in Bio-Qualität.

Brooklyn Grange, New York City

Hinter Brooklyn Grange steckt der Unternehmer Ben Flanner. 2010 gründete er das Geschäft mit einer klaren Vorstellung: die Förderung einer gesunden biologischen Ernährung. Heute gibt es zwei Niederlassungen in New York City. Hier werden jährlich über 18 Tonnen einheimischer Gemüsesorten und Kräuter biologisch angebaut, um Naturfreunden und Feinschmeckern eine kulinarische Oase zu bieten.

Menschen machen auf einem Dach neben dem einem Gemüsegarten Yoga
Open-Air-Yoga inmitten einer urbanen Farm: Brooklyn Grange in NYC.
Foto: Brooklyn Grange

Der Hauptsitz befindet sich im Bezirk Queens auf dem Dach eines Geschäftsgebäudes. Mit einer Fläche von mehr als 30.000 Quadratmetern gilt diese Farm als der größte Dach-Gemüsegarten der Welt. Hier wird mit innovativen, ausschließlich biologischen Methoden Obst und Gemüse angebaut.

Der für die Erde verwendete Kompost stammt aus den organischen Abfällen der Stadt. Brooklyn Grange hat außerdem einen Laden, in dem selbstgemachte Soßen, Honig und selbstverständlich umweltfreundliche Saisonprodukte verkauft werden. Ein Raum für Yogastunden kann für private Veranstaltungen sowie Urban-Farming-Kurse genutzt werden. Denn Urban Farming regt die lokale Wirtschaft an, schafft Arbeitsplätze und macht Nahrung für die meisten Bürger erschwinglicher.

der größte Dach-Gemüsegarten der Welt von Brooklyn Grange
Über 18 Tonnen Obst und Gemüse werden jedes Jahr hier angebaut.
Foto: Brooklyn Grange