Der Ideenwettbewerb smart urban pioneers rief Stadtvisionäre auf, innovative Ideen für den urbanen Raum zu entwickeln. Wir stellen sieben Projekte vor, die von Heidelberg bis Bremen unsere Städte lebenswerter gestalten.

Als Stadtbewohner genießen wir die tägliche Vielfalt und Abwechslung. Aber bei zunehmender Urbanisierung wird der städtische Lebensraum für seine Bewohner immer enger. Der Ideenwettbewerb smart urban pioneers richtete sich an Stadtvisionäre, die mit sozialen, digitalen, technischen und kreativen Konzepten den Lebensraum Stadt innovativ gestalten und neu denken. Welche inspirierenden Ideen unser städtisches Leben bereichern können, zeigen die Pioniere einer neuen Stadtentwicklung auf beeindruckende Weise.

Urban Space lebenswerter gestalten

Städte platzen aus allen Nähten. Kein Wunder, Urbanisierung ist einer der Top-Trends von heute. Bedenkt man, dass im Jahr 2050 70% aller Menschen in Städten leben werden, kommt der Ideenwettbewerb smart urban pioneers genau zur richtigen Zeit. Schon heute stellen wir die Weichen für eine lebenswerte Zukunft in den Megacities der Zukunft. 39 innovative Projekte wurden dafür eingereicht. Neben den drei Finalisten, die in der Crowdfunding-Phase eure Unterstützung bekommen haben, gibt es noch viele weitere inspirierende Ideen. Sieben Projekte in verschiedenen Entwicklungsstadien rund um den Themenbereich Urban Space stellen wir hier vor.

Wie man in Heidelberg vom Raumfänger zum Begeisterhaus kommt

Die urbane Intervention „Raumfänger“ lässt Stadtbewohner produzieren statt konsumieren. „Raumfänger“ ist eine 15 Meter lange, durchsichtige PVC-Blase und bietet bis zu 80 Menschen Raum und Entfaltungsmöglichkeiten. Als Ideenwerkstatt, kooperative Bühne und mobiler Knotenpunkt in der Stadt ist das Projekt ein sozialräumlicher Prototyp für Gemeinschaft und Kollaboration. Hier wird das Entwicklungspotenzial der Stadt buchstäblich transparent gemacht. Die Menschen werden ermutigt, urbane Räume eigenständig zu erobern und Kultur selbst zu gestalten. Nächster Entwicklungsschritt: eine gemeinschaftlich geplante Werkstatt für zeitgenössische Kulturtechniken: das „Begeisterhaus“.

Anhänger von Raumfänger
Raumfänger schafft neuen Raum für Kreativität.
Foto: Raumfänger
Kinder auf einem Raumfänger Workshop
Foto: Raumfänger
Teilnehmer am Workshop Raumfänger
Foto: Raumfänger

Soviel Fluxus muss sein

Die zündende Idee kam Hannes Stein bei einem Gang durch die entmietete Calwer Passage in Stuttgart im September 2014. „Wie gut wäre es, wenn hier überall individuelle, kleine Shops wären?“, fragte sich der Agenturinhaber. Gedacht, gemacht – keine zwei Monate später eröffnete die Temporary Concept Mall Fluxus. Das Konzept versammelt seit Ende 2014 unter dem Motto „Fashion, Vintage, Design, Zeitgeist“ Concept Stores, Boutiquen, Cafés und Bars. Neben einem neuartigen Einkaufserlebnis bietet Fluxus auch Raum für Kunstausstellungen, Theater, Konzerte, sowie ein Urban-Gardening-Projekt auf dem Dach.

Maultaschen Laden
Eine Chance für kleine Läden: die Temporary Concept Mall Fluxus.
Foto: Fluxus
Eisladen
Foto: Fluxus
Garten auf dem Dach
Foto: Fluxus
Pop-Up Laden
Foto: Fluxus
Klamotten
Foto: Fluxus
Temporary Concept Mall Fluxus von innen
Foto: Fluxus

Im platzWERK wird nicht nur gedacht – sondern auch gemacht

platzWERK ist ein experimentelles Labor in Hannover, eine Werkstatt für Holz, Metall und Kunststoffe. Die Einrichtung bietet Interessenten die Möglichkeit, marktreife Produkte ganz ohne Druck herzustellen. Neben der Werkstatt verfügt platzWERK über vier Projekträume, in denen man Antworten auf Fragen zu Themen wie Kunst, Zukunft, Kultur, Technologie, Nachhaltigkeit oder Upcycling finden kann. Die Containerburg platzWERK ist Teil der Initiative PLATZprojekt in Hannover, einem Forschungsvorhaben des Bundes im Bereich experimenteller Stadtentwicklung. Betreut wird das Projekt von einem siebenköpfigen Kernteam aus jungen Designerinnen und Designern aus dem Bereich Produktdesign – ideale Voraussetzungen für einen urbanen Think- und Make-Tank.

PlatzWERK Containerhaus
Viel Platz für Innovatoren: platzWERK
Foto: platzWERK

Mit dem Prinzip Klappbett städtische Räume ideal nutzen

Designer und Markenentwickler Magnus Fischer aus Hamburg hat einen Traum: Räume, die ihren Charakter als transformierbare City Spaces flexibel der Tageszeit oder dem jeweiligen Nutzungsanspruch anpassen können. So wie ein Klappbett je nach Bedarf Bett oder Sofa sein kann, versinken nach Geschäftsschluss Ladeneinrichtungen und Waren im Boden und machen Platz für die Wandmöbel urbaner Overnight-Apartments. So zieht in Fußgängerzonen, leerstehenden Gewerbeimmobilien und Büros – zumindest über Nacht – wieder Leben ein. Magnus Fischer arbeitet mit einem interdisziplinären Team aus Designern, Journalisten, Trend-Forschern und Ökonomen daran, aus dem Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Schlafende Häuser aufwecken

Die Nachfrage nach günstigem städtischem Raum ist so groß, dass sie das verfügbare Angebot an Leerständen um ein Vielfaches übersteigt. Wie wäre es, wenn man diese schlafenden Häuser, also ungenutzte Gebäude, mit neuem Leben füllen könnte? Genau das schafft die ZwischenZeitZentrale (ZZZ) seit 2010. Als Kommunikationszentrale spürt die Organisation Objekte und passende Nutzer auf, berät Eigentümer, vernetzt Menschen, entwickelt Konzepte und initiiert entsprechende Umnutzungen. Die ZwischenZeitZentrale ist Ansprechpartnerin, Vermittlerin, Betreuerin und Initiatorin für temporäre Nutzungen auf Brachflächen und in leerstehenden Gebäuden. Seit der Pilotphase haben Anne, Daniel, Sarah und Oliver mit ihrer Initiative schon jede Menge schlafender Häuser geweckt und 90 Zwischennutzungsprojekte auf den Weg gebracht.

Graffiti malen
Eingeschlafene Orte erwachen zu neuem Leben: das Ziel der ZwischenZeitZentrale.
Foto: ZwischenZeitZentrale
tanzende Menschen
Foto: ZwischenZeitZentrale
DJ am auflegen
Foto: ZwischenZeitZentrale
bunt bemaltes Haus
Foto: ZwischenZeitZentrale

Hack your City

Wieviel Land braucht die Stadt? Wie grün werden unsere Städte sein? Wie ernähren und bewegen wir uns in der Stadt der Zukunft? Solche komplexen Fragen erfordern interdisziplinäre Antworten. Antworten, die die Initiative Hack your City im Wissenschaftsjahr 2015 gegeben hat. Bei Hackathons in fünf deutschen Städten entwickelten die Teilnehmer neue Mobilitätskonzepte, Ideen für besseres Zusammenleben und die Neugestaltung ganzer Nachbarschaften. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. So entstand Cycle Philly, eine App, die anhand von GPS-Daten die beliebtesten Fahrradrouten darstellt – wertvolles Wissen für Stadtplaner, auf dessen Basis Verkehrswege optimiert werden können. Oder das Open Water Project: Es gibt interessierten Bürgern die Möglichkeit, die Qualität von Gewässern zu messen, zu teilen und zu analysieren – mit einem günstigen und leicht nachzubauenden Do-it-yourself-Tool. 2016 geht es weiter, voran in Richtung Zukunftsstadt, konzentriert auf das Thema: Die Zukunft der Mobilität in der Stadt.

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Wie Urban Artists mit Sperling, Wildschwein und Hirsch den Stadtwald erobern

Moderne Großstädte gleichen oft Großbaustellen: Immer mehr Häuser verdichten den Raum und verdrängen Grünflächen. An deren Stelle treten wenig einladende künstliche Oasen, die schnell verkümmern und verkommen. Das Ergebnis: zunehmende Verwahrlosung im Stadtbild. Dass es auch anders geht, zeigt uns die Kreativität der beiden Graffiti-Künstler Philipp Kabbe aus Hamburg und Yves Thomé aus Lüdenscheid. Die Idee des „Stadtwaldes” bringt uns visuellen Naherholungsraum in die Innenstadt und verdrängt gleichzeitig die Schmierereien. Putzige Waldbewohner wie Sperling, Wildschwein und Hirsch können den Stadtraum zurückerobern – Füttern nicht nötig.

Graffiti
Mit Stadtwald kehren Waldbewohner in die Städte zurück.
Foto: Stadtwald