Moderne Städte sind für ältere Generationen schon jetzt kaum wiederzuerkennen. Die Visionen von gestern sind heute schon Realität – immer neue Innovationen machen es möglich. Ob High- oder Low-Tech – es gibt viele Ideen, die das Stadtbild funktioneller, nachhaltiger oder einfach cooler machen können. Hier sind die zehn interessantesten Erfindungen dieses Jahres und gute Gründe, sich auf morgen zu freuen.

Technische Universität Eindhoven – Betonbrücke aus dem 3-D-Drucker

Eine Fahrradbrücke aus einem 3-D-Drucker
Die Universität von Eindhoven steckt hinter der Fahrradbrücke aus dem 3-D-Drucker.
Foto: BAM Infra Nederland bv.

3-D-Druckverfahren verbinden schon länger Design- und Fertigungsprozesse in einem Schritt, jetzt schlägt die Technische Universität Eindhoven buchstäblich auch physische Brücken. Ihr Modul ist acht Meter lang, aus Stahlbeton und soll in der niederländischen Kleinstadt Gemert zukünftig vor allem Fahrradfahrer tragen. Als erste offizielle Anwendung der 3-D-Technik im Bauwesen sorgt sie dafür, CO2-Emissionen zu reduzieren und benötigt dank hoher Effizienz im Produktionsverfahren weniger Material als herkömmliche Brücken.

Studio Kota – 18 Peaks Pavilion

Das Studio Kota – ein Architekturbüro mit Sitz in Jakarta und Hongkong – findet, der effektivste Weg, Menschen im öffentlichen Raum zusammen zu bringen, besteht darin, sie unter ein Dach zu stecken.. Im Falle des 18 Peaks Pavilion im West Kowloon Cultural District von Hongkong ist das Dach offen und besteht aus einem symmetrischen Netz aus Kabeln, das die 18 Bezirke des Stadtstaats repräsentiert und gleichzeitig die Berge der Stadt symbolisiert.

Menschen stehen und spielen unter und um dem 18 Peaks Pavilion in Hong Kong
Der 18 Peaks Pavilion in Hong Kong bringt Menschen unter einem Dach zusammen.
Foto: Studio Kota

Teratoma – Plug a seat

Poller sind ein fester Bestandteil auf Straßen und Bürgersteigen – sie regeln den Verkehrsfluss, den Zugang zu Einfahrten und Gehwegen und sorgen für mehr Sicherheit. Dabei könnten sie so vieles mehr sein. Teratoma Productions aus Madrid entwickelten den Plug a Seat, einen Aufsatz aus Aluminium, der herkömmliche Sperrpfosten in temporäres Straßenmobiliar verwandelt – in Form von Bänken, Stühlen und Tischen.

ein Sperrpfosten mit einem ein Aufsatz aus Aluminium dient als Sitzmöglichkeit
Plug a seat von Teratoma: temporär nutzbar als Sitzgelegenheit oder Tisch.
Foto: Teratoma Productions

Gregory Quinn – Sheltair

In einer Zeit, in der Konflikte Hunderttausende Menschen dazu zwingen, ihr Zuhause zu verlassen, sind erschwingliche und mobile Unterkünfte gefragter denn je. Hier kommt Sheltair ins Spiel, das Dissertationsprojekt von Gregory Quinn von der Universität der Künste in Berlin. Der temporäre Pavillon wird mithilfe einer minimalistischen, flexiblen Gitterkonstruktion und luftgefüllten Polstern errichtet, die Kosten und Bauzeit erheblich senken und Bedürftigen vorübergehend hilft.

Sheltair: Ein temporärer Pavillio aus Gitterkonstruktion und luftgefüllten Polstern
Eine einfache Skelettstruktur und Luftkissen: Sheltair aus Berlin.
Foto: Jirka Jansch
Innenansicht des temporären Pavillons „Sheltair"
Die Idee zur Pop-up-Unterkunft stammt aus einer Doktorarbeit.
Foto: Jirka Jansch

Space10 – Algae Dome

IKEAs Innovationslabor Space10 bat die Architekten Aleksander Wadas, Rafal Wroblewski und Anna Stempniewicz mithilfe von sogenanntem coiled tubing (einem Röhren-Bausystem aus der Öl- und Gasindustrie) eine Kuppel zu entwerfen, die 450 Liter Mikroalgen fasst. Der dadurch gewonnene Sauerstoff dient – wie sie es selbst nennen – als „sanctuary of fresh air“ und bietet auch für die Bereiche des Urban Farming und der Biokraftstoffproduktion großes Potenzial.

Eine Kuppel mit einem Röhren-Bausystem, das Algen fasst
Spulenförmige Röhren enthalten 450 Liter Algen: der Algae Dome von Space10.
Foto: Space10/ Niklas Adrian Vindelev
Ein Mann macht mit einem Smartphone ein Bild von der Kuppel
Die Struktur produziert frischen Sauerstoff.
Foto: Space10/ Niklas Adrian Vindelev

Omri Revesz‘ Straßenkino

Wenige Kunstformen bringen Menschen so zusammen wie das Kino, besonders wenn die Filme außerhalb des traditionellen Vorführraums gezeigt werden. Die Installation Street Cinema von Omri Revesz für die Biennale 2017 in Venedig besteht aus einer klappbaren, modularen Holzstruktur mit variablen Außenvorhängen. Als immersives Pop-up Kino kommt der Entwurf des Designers aus Tel Aviv damit ganz ohne die obligatorische, umständlich aufzublasende Leinwand aus.

eine am Wasser gelegene, modulare Holzstruktur mit variablen Außenvorhängen
Omri Revesz’ Street Cinema für die Venice Art Biennale 2017.
Foto: Nicolo Zanatta

People’s Industrial Design Office – Bike Share Farm

Die Bike Share Farm vom People’s Industrial Design Office aus Peking ist ein erster Ansatz für einen mobilen, städtischen Gemeinschaftsgarten. Der pyramidenförmige Rahmen mit Solaranlage und Wasserversorgung aus Hydrokultur-Schläuchen ist für zwei miteinander verbundene Fahrräder ausgelegt. Dadurch ist er mobil und leicht zu transportieren – für eine nachhaltige Landwirtschaft überall dort, wo Menschen in die Pedale treten können.

Ein pyramidenförmige Rahmen mit Salat auf zwei Fahrrädern
Bike Share Farm – vielleicht der mobilste Ansatz für Urban Farming.
Foto: PIDO
Salat sprießt aus dem Rahmen
Solarzellen und Hydrokulturröhren lassen den Salat sprießen.
Foto: PIDO

Alan Nakagawas Straßenparfum

Einen Streifzug durch die Straßen von Los Angeles verbindet man nicht unbedingt mit den schönsten Gerüchen. Das will ein Artist-in-Residence ändern: Mit drei verschiedenen Düften vereint Alan Nakagawa die olfaktorischen Elemente der Stadt mithilfe einer Parfum-Maschine an einer Bushaltestelle zu einem Kunstprojekt. Das versprüht abwechselnd die Essenz „Into Town“, inspiriert vom kalifornischen Wüstensalbei, „Economic Development“ mit Lavendel und Kaffee oder „Hollywood Springtime“ mit einem Hauch frischer Blumen.

Eine gelbe Box, die an einer Bushaltestelle verschiedene Düfte versprüht
Der Künstler Alan Nakagawa komponierte drei Düfte für Fußgänger in L.A.
Foto: Alan Nakagawa

Good2Go

Obwohl es ein bisschen nach der fragwürdigen iToilet-App aus der US-Comedyserie „Lass es, Harry!“ klingt, hofft Good2Go zukünftig für saubere, moderne und öffentliche sanitären Anlage zu stehen. Das Pilotprogramm arbeitet in San Francisco bereits mit Cafés wie Peet’s zusammen. Online anstellen erspart das Warten vor verschlossenen Türen, Bewegungsmelder ermöglichen eine völlig händefreie Nutzung, vom Öffnen der Tür übers Spülen bis hin zum Händewaschen.

Eine Person trinkt eine Tasse Kaffee und nutzt die App Good2Go
Good2Go weist den Weg zu sauberen und modernen öffentlichen Toiletten.
Foto: Good2Go

Smart Palm

Palmen stehen symbolisch für einfachere, natürlichere Zeiten. Doch so wie sich die Bewohner einer Stadt verändern, tut es auch die Flora. Die digitalen Versionen von Smart Palm bestehen aus Metall und Solarzellen, die eine Ladestation, einen WLAN-Hotspot, eine Infrarot-Kamera und einen digitalen Touchscreen mit Strom versorgen.

Die Chancen stehen gut, dass die Strukturen auch bald außerhalb der Stadtgrenzen von Dubai – für das sie ursprünglich entwickelt worden sind – zu sehen sind. Denn im Gegensatz zum Original aus der Natur benötigt die Smart Palm kein Wüstenklima, um zu gedeihen.

Smart Palm: Eine Palme bestehend aus Metall und Solarzellen in einem Park
Die Smart Palm ist ausgestattet mit Ladestation, Hotspot, Kamera und Touchscreen.
Foto: D Idea