Ein Forscherteam des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat mit Streetchange ein spannendes Online-Kartenprojekt als Web-App realisiert. Mit der neuartigen Methode lassen sich Veränderungen von Straßen und Nachbarschaften messen.

Den Wissenschaftlern des Teams hinter Streetchange geht es vor allem um die zentrale Frage: Wie sicher fühlt sich ein Mensch in einer bestimmten Gegend? Um die Subjektivität des menschlichen Urteilsvermögens zu umgehen, basiert die Webanwendung Streetchange auf einem Algorithmus.

Hierfür haben die Forscher Bilder von Google Street View aus den Jahren 2007 und 2014 miteinander verglichen. 1,6 Millionen Straßenblocks in den Städten Baltimore, Boston, Detroit, New York City und Washington D.C. wurden so in einer interaktiven Karte zusammengefasst.

Das konkrete Erkenntnisinteresse: Wie haben sich die Blocks in dem Zeitraum von sieben Jahren verändert? Hat sich die Stadtentwicklung positiv entwickelt? Und: Wie sicher werden die dokumentierten Gegenden vor allem von Fußgängern wahrgenommen?

Ein Laptop-Bildschirm zeigt Manhattan in der Streetchange-Ansicht
Manhattan in der Streetchange-Ansicht.
Foto: Streetchange (das Bild wurde modifiziert)

Streetscore-Algorithmus simuliert das Sicherheitsempfinden

Hier kommt nun die eigens entwickelte Maßeinheit Streetscore ins Spiel. Der am MIT entwickelte Algorithmus simuliert auf Basis von Bildanalysen das menschliche Sicherheitsempfinden und soll dabei eine kalkulierbare Maßeinheit liefern. So wollen die Forscher verlässliche Zahlen ermitteln und nachweisen, wie sich z.B. eine Stadt wie Baltimore entwickelt hat.

Die Faktoren von Streetscore decken dafür unterschiedliche Aspekte ab. Es werden sowohl verkehrsspezifische Eigenschaften wie die Breite der Straße oder der Fußgängerwege untersucht. Und dazu Parameter wie etwa: Wie dicht ist eine Gegend bewohnt? Wie dunkel ist es bei Nacht? Fühlt sich hier ein Mensch vor Überfällen oder anderen kriminellen Übergriffen sicher?

Ein Laptop-Bildschirm zeigt den Streetchange durch unterschiedliche Färbung der Felder
Je dunkler das Feld, desto mehr Streetchange.
Foto: Streetchange (das Bild wurde modifiziert)

Urbane Veränderungen sichtbar machen

Seit Jahrzehnten diskutieren Stadtplaner, Wirtschaftswissenschaftler, Soziologen und Architekten, warum bestimmte Städte und Nachbarschaften sich positiv verändern und andere wiederum von Leerstand und Verfall bedroht sind.

Neben den bekannten Erfolgsgaranten wie attraktive Arbeitsplätze, bezahlbarer Wohnraum, nahe Einkaufsmöglichkeiten und ausreichend Grünflächen könnte so ein weiterer Index in die Untersuchung eingehen: ein objektiv messbares Sicherheitsempfinden als Faktor für die Stadtentwicklung im Allgemeinen.

Das Projekt Streetchange hat zunächst aber eine gute Nachricht zu vermelden: In einem Großteil der 1,6 Millionen untersuchten innerstädtischen Blocks an der US-Ostküste hat sich der Streetscore zwischen 2007 und 2014 verbessert.

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