Kruella d’Enfer und AKACORLEONE sind zwei der angesagtesten Namen in der portugiesischen Street-Art-Szene. In ihrem Atelier erzählen sie uns, warum Lissabon zum weltweiten Mekka der Wandmalereien wurde – und wie unser smart forfour sie zu ihrem neuesten gemeinschaftlichen Projekt inspiriert hat.

Das Interview mit Kruella d’Enfer und AKACORLEONE ist unser zweites Treffen mit den Künstlern. Beim ersten Mal verzauberten sie mit wilden Ideen, bunten Farben und geheimnisvollen Symbolen einen neuen smart forfour in ein fahrendes Stück Street-Art. Heute haben sie die Sprühdosen aus der Hand gelegt, um uns in die Mystik hinter der Straßenkunst Lissabons einzuführen.

Kruella und AKACORLEONE, wer durch Lissabon fährt, entdeckt unglaubliche viele beeindruckende Wandmalereien. Bietet die Stadt zurzeit das heißeste Pflaster für Street-Art?
Kruella: Ja, im Moment sind Stimmung und Szene großartig. Deshalb kommen gerade total viele portugiesische und internationale Street Artists hierher, die wiederum neue Wände bemalen. Das beeinflusst die Atmosphäre enorm: Immer mehr Menschen fangen an, sich für Street-Art zu interessieren.

Warum ist Eure Kunstform gerade in Lissabon so hip?
Kruella: Zunächst einmal fördert die Stadtverwaltung Street Artists und Wandmaler. Hinzu kommen Galerien, die Künstler aus aller Welt einladen, hier Mauern zu bemalen. Dadurch entsteht eine sehr dynamische Szene.
AKACORLEONE: Es gibt leider auch einen negativen Grund: Sehr viele große und ehemals prächtige Gebäude in Lissabon stehen leer, selbst in bester Lage. Wir haben die Krise ja noch lange nicht überwunden. Immerhin gibt es jetzt einen Unterschied: Früher waren diese Bauten grau und deprimierend; jetzt sind viele von ihnen bemalt. Wenn diese historische Architektur und Street Art aufeinandertreffen, ergibt sich ein absolut einzigartiger Mix.

Wie verändert dies die Atmosphäre in der Stadt?
Kruella: Die Wandkunst verändert das Denken. Manche betrachteten Street-Art als eine Form von Vandalismus – doch wenn sie einen Künstler dabei beobachten, wie er eine riesige Wandmalerei erschafft, sehen sie, wie phantasievoll und arbeitsintensiv das ist. Und sie erkennen, dass Wandmalerei eben kein beliebiges Graffiti an der Wand ist. Die Menschen bekommen das Gefühl, dass das Kunstwerk auch ihnen gehört. So werden die Wandmalereien zu einem Bestandteil ihres Viertels und erscheinen plötzlich schützenswert. Ich finde, Street-Art macht die Menschen glücklicher.

Das Licht hier strahlt auch besonders intensiv …
AKACORLEONE: Ja, Lissabon hat ein ganz eigenes Licht. Die weißen Steine, aus denen ein Großteil der Stadt gebaut ist, reflektieren die Sonne und hellen alles auf. Vielleicht liegt es auch am Fluss und am nahen Meer. Auf jeden Fall trägt die Lichtstimmung viel zum Charme der Stadt bei und zieht viele Künstler an, hierher zu kommen und zu malen.

AKACORLEONE hat zwar das Graffiti weitgehend hinter sich gelassen, um sich Street-Art und Murals zu widmen – doch sein Stil ist nach wie vor laut, grell und chaotisch. Kruella d’Enfer hingegen mag es lieber mystisch und geheimnisvoll, ob sie nun auf riesigen oder minimalen Flächen arbeitet. Die Freude an tropischen Farbpaletten teilen beide. Und inspirieren sich als Team gegenseitig immer wieder neu.

Sind Wandmalereien also eine Art hochwertigeres Graffiti?
AKACORLEONE: Nein, überhaupt nicht. Es nervt mich schon ein bisschen, wenn Graffiti und Street-Art zusammengewürfelt werden. Graffiti ist illegal, ein rebellischer Akt und deshalb nichts, das den Leuten gefallen will. Während sich Graffiti an eine exklusive Gruppe wendet, sind Street-Art oder Wandmalerei dagegen für alle zugänglich. Wir wollen, dass eine Wechselwirkung zwischen Künstlern und Publikum entsteht. Das ist weder höher- noch minderwertiger – nur eben anders, und beides ergänzt sich. Für mich ist eine Stadt ohne Street-Art und Graffiti langweilig, trist. Es muss nicht immer alles schön und sauber sein – ideal ist, wenn man machen kann, was man will, und nicht für das eine gelobt und für das andere kritisiert wird.

Kruella D'Enfer und Akacorleone in den letzten Zügen
Die Utensilien
Kruella D'Enfer bereitet den smart forfour vor.
Akacorleone trifft die letzten Vorbereitungen.
Kruella D'Enfer bemalt der smart forfour
Fast fertig: der von Kruella D'Enfer und Akacorleone bemalte smart forfour
Kruella D'Enfer begutachtet ihr fertiges Werk

Was können Street-Art und Wandmalerei besser als andere Kunstformen ausdrücken?
AKACORLEONE: Das Schöne an Street-Art sind zunächst einmal die Dimensionen. Man erzielt einen riesigen Effekt, ob das Werk nun gut oder schlecht ist. Man hat die Gelegenheit, mit den Leuten zu kommunizieren – sie bleiben stehen, geben Meinungen ab. Sie wollen wissen, wer du bist, was du schon gemacht hast. Street-Art inspiriert die Leute auch dazu, eine Stadt zu erkunden. Sie kommen dann extra hierher, nur um sich die Wandmalereien anzuschauen. Aus Städten werden Galerien, die allen offen stehen. Das ist eine tolle Art, eine Stadt zu entdecken.

Habt Ihr unseren smart forfour mit der gleichen Haltung gestaltet?
Kruella: Ja, ich habe viele Farben und Symbole meines Stils verwendet, in dem ich auch Häuser bemale. Um einen Kontrast zu der glänzenden Oberfläche des Autos herzustellen, habe ich vor allem geometrische Formen und matte Töne eingesetzt. Das Kernmotiv auf der Fahrerseite ist ein Mädchen, das herumfährt und die Stadt entdeckt. Genau wie ich, genau wie ihr …

… und am Schluss sagt das Mädchen dann „Yeah!”, wie Ihr es auf die rechte Flanke des Autos geschrieben habt?
Kruella: (lacht) Genau. Was soll man sonst zu dieser Stadt sagen?

Lief der Arbeitsprozess mit dem Auto anders als bei einer Wandbemalung?
Kruella: Ja, aber weil ich immer neue Wege suche, mich künstlerisch auszudrücken, hat mich genau das gereizt. Ein so gestaltetes Auto ist ja weiterhin Street-Art, nur jetzt eben mobil.

Was genau war anders?
Kruella: Ich habe vorher noch nie mit dieser Art Farbe, einer Sprühkreide, gearbeitet. Das war schon eine Herausforderung, weil die Farbe am glatten Lack natürlich ganz anderes haftet als an einer rauen Mauer. Weil sich meine Ideen beim Malen ständig weiter entwickeln, habe ich auch ein bisschen improvisiert. Das war alles ziemlich anstrengend, hat aber am Ende gut geklappt. Es war auch wieder toll, mit AKACORLEONE zusammenzuarbeiten, der viele Ideen geliefert und sich um viele Details gekümmert hat.

Kruella d’Enfer und AKACORLEONE sind Künstler und Illustratoren und kommen aus Lissabon, Portugal.

Hier geht es zu unserem Film „One fine day in Lisbon“ mit Kruella d’Enfer und AKACORLEONE, dem Profi-Inlineskater Rodrigo Braz Texeira und Mariana Duarte Silva, Unternehmerin und Mitgründerin von Village Underground.

Mehr Infos zu Kruella d’Enfer gibt es auf ihrer Webseite oder auf Facebook!
Mehr Infos zu AKACORLEONE gibt es auf seiner Webseite oder auf Facebook!

Alle Bilder inkl. des Titelbilds: broken bloke Production