Auszeit, anyone? Jeder, der schon mal auf einem Berggipfel stand, weiß, wie die Aussicht den Alltag in weite Ferne rücken lässt. Es muss aber nicht gleich der Gipfel eines Dreitausenders sein. Auch Städte bieten immer mehr Alternativen für den Blick von oben. Wir haben fünf urbane Empfehlungen für atemberaubende Ausblicke zusammengestellt.

THEKRANE – ein Kran für Kopenhagen

Fünfzehn Meter über dem Hafenboden schlafen und beim Duschen die Brücke betrachten, die Dänemark und Schweden über den Öresund verbindet – das sind nur zwei der Besonderheiten, die das kürzlich eröffnete „Ein-Zimmer-Hotel“ THEKRANE bietet. Der 1944 gebaute Kran wurde vom Architekten Mads Møller (Arcgency) für Klaus Kastbjerg umgebaut, der sich der Entwicklung des Kopenhagener Nordhavn angenommen hat.

 

Hotel THEKRANE an der Ostsee-Küste im Hafen von Kopenhagen
Das Ein-Zimmer-Hotel THEKRANE über dem Hafen von Kopenhagen.
Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST

Seit Sommer dieses Jahres thront daher der Kran majestätisch-erhaben über dem Hafen, ohne dabei sein industrielles Erbe als Kohlekran zu verschleiern. Im Gegenteil: Mads Møller hat dieses durch die Farbe Schwarz in Szene gesetzt, was laut dem Architekten zu „hunderten von Schwarzschattierungen“ geführt hat.

Minimalistisch von außen, setzt man im Inneren mit Textilien von Kvadrat oder Designer-Boxen von Bang & Olufsen ganz auf skandinavisches Design. Selbst ein eigens kreiertes Craft Beer steht in der Minibar zu Verfügung. Mit diesem lässt sich in der ehemaligen Fahrerkabine auf einer bequemen Recamiere entspannen – bei einzigartiger Aussicht.

Im THEKRANE: Aussicht auf das Meer
Stylish-minimalistische Inneneinrichtung des ausrangierten Baukrans.
Foto: Rasmus Hjortshøj – COAST

The Peckham Observatory – hohe Kunst für London

Wer London von oben betrachten will, kann natürlich auf den Hotelturm The Shard oder das London Eye, dem mit einer Höhe von 135 Meter größten Riesenrad Europas, zurückgreifen. Wer die Skyline der Themse-Metropole jedoch etwas entspannter betrachten und dabei auch noch Kunst genießen möchte, ist auf dem Peckham Observatory besser aufgehoben.

Als lässiger Hang-Out ist das Dach der Autogarage im Südosten der britischen Hauptstadt seit diesem Jahr ein Geheimtipp. Oliver Cooke und Francis Fawcett haben das Dach für die Kunst- und Architekturplattform Bold Tendencies umgestaltet.

Eine Plattform mit Holzboden und grünem Stahlgeländer bietet hervorragende Aussicht auf die Skyline der Stadt. Unten wartet eine blau gestrichene Box als Informationszentrum und Shop auf den Besucher. Das Low-Budget-Projekt wurde zu großen Teilen mit lokalen Zulieferern umgesetzt und befindet sich unweit des Bahnhofs Peckham Rye. Have a look!

Sonnenuntergang auf der Terrasse von Peckham Observatory
Entspannte Aussicht auf die Themse-Skyline.
Foto: Quintin Lake
The Peckham Observatory von oben mit der Londoner Skyline im Hintergrund.
The Peckham Observatory von oben.
Foto: Peter Landers Photography

Gardens by the Bay – Superbäume in Singapur

Während man Orte wie THEKRANE für sich alleine hat, aber dafür einiges auf den Tisch blättern muss, und wiederum viele kühne Architektur-Ideen über einen Schreibtischentwurf nie hinauskommen, bieten die Gardens by the Bay in Singapur das volle Programm: Erschwingliche Preise und eine Wahnsinnsaussicht. Gut, man muss diese mit anderen Besuchern teilen. Das vergisst man allerdings sofort, wenn man auf dem 128 Meter langen OCBC Skyway flaniert – in einer Höhe von 22 Metern.

Gardens By the Bay ist ein langfristig angelegtes Projekt mit dem Ziel, den asiatischen Stadtstaat nachhaltiger zu gestalten: Elf der „Superbäume“, künstliche Strukturen, die als vertikale Gärten dienen, sind mit Photovoltaik-Zellen ausgestattet.

Der Biomüll wird zur Energiegewinnung verwendet, Regenwasser wird gespeichert und für die Bewässerung genutzt. Vielleicht kein Rückzugsort aus dem urbanen Alltag, aber ein imposanter Blick in eine Zukunft, in der Natur und Technik in der Stadt verschmelzen.

"Superbäume" am Ufer in Gardens by the Bay an einem sonnigen Tag
Eine nachhaltige Lösung für Singapur.
Foto: Gardens by the Bay
zahlreiche futuristische "Superbäume" in Singapur
„Superbäume“ in den Gardens by the Bay.
Foto: Gardens by the Bay

Central Park Tower – eine Nadel für New York

Das Jacqueline Kennedy Onassis Reservoir – New Yorkern schlicht bekannt als Central Park Reservoir – ist ein stillgelegter Wasserspeicher, der vor allem für seine ca. 2,5 Kilometer lange Joggingroute bekannt ist, die um die Anlage herumführt.

In zahlreichen Filmen und TV-Serien wie „Frühstück bei Tiffany“, „Marathon Man“, „Sex & the City“ oder „Gossip Girl“ wurde das 1994 zu Ehren der ehemaligen First Lady umgetaufte Reservoir verewigt. Wenn es aber nach den Planern des Architekturbüros DFA gehen soll, haben diese Filmaufnahmen bald historischen Wert.

Mit dem 217 Meter hohen Central Park Tower würden die Architekten das Gebiet völlig transformieren, und das nicht nur optisch. Ausgestattet mit einem Filtersystem und hauseigener Windenergiegewinnung könnte das geplante Gebäude auch nachhaltige Maßstäbe setzen.

Der Entwurf achtet auch darauf, dass der Turm so wenig Schatten wie möglich auf die umliegenden Häuser wirft. Ein 360-Grad Panoramarundgang an der Spitze ist selbstverständlich. Innerhalb von sechs Monaten könnte der Turm realisiert werden.

Nadelförmiger Central Park Tower am Hudson River
Ein zukunftsweisendes Filtersystem für den Central Park.
Bild: DFA, Gründer: Laith Sayigh
Menschen im Panorama-Aussichtspunkt
Der Panorama-Aussichtspunkt oberhalb des The Jacqueline Kennedy Onassis Reservoirs.
Bild: DFA, Gründer: Laith Sayigh

Botanic Center – Brüssel sehen und schwelgen

Weitere visionäre Bauvorhaben lassen sich auf der Website des belgischen Architekten Vincent Callebaut entdecken. Auf den Darstellungen schrauben sich, als wären sie einem Science-Fiction-Film entsprungen, futuristische Bauten und geschwungene Objekte in den Himmel.

Die Entwürfe haben dabei eines gemeinsam: Sie sind von einem ansteckenden Glauben an grüne Architektur und die Relevanz von nachhaltigem Bauen durchzogen. Callebauts Enthusiasmus schreckt auch vor mutigen Ideen nicht zurück: So plant er, im Meer vor Rio de Janeiro eine Stadt aus Algen, Plastikmüll und Strukturen aus dem 3D-Drucker zu errichten.

Etwas realistischer kommt da sein Entwurf für das Brüsseler Botanic Center daher. Dieses 1977 errichtete Gebäude, das an den Botanischen Garten angrenzt, besteht aus 274 identischen Modulen aus Beton, denen Callebaut mittels Begrünung Leben einhauchen will. Obenauf plant er eine „Chrysalis“ getaufte Plattform aus Holz und Stahl, die Besuchern einen einzigartigen Ausblick und Atmosphäre bieten soll.

Grüne Fassaden: Vincent Callebauts Vision für Botanic Center in Brüssel
Vincent Callebauts jüngstes Architekturvorhaben.
Bild: Vincent Callebaut Architectures
Zukunftsvision für Brüssel mit futuristischen grünen Gebäuden
Eine beeindruckende Transformation des Brüsseler Botanic Center.
Bild: Vincent Callebaut Architectures