Kreative Initiativen bringen spaßige Abwechslung in unser Leben in der Stadt. Ihre spielerischen Erlebnisse und Interaktionen können den Alltag aufpeppen. Mit diesen sieben Ideen für Spiele im urbanen Raum verändert sich dein Blick auf die Stadt.

Ryan Swanson glaubt an die Kunst des Spielens. Der Gründer und CEO des Designbüros „The Urban Conga” aus Florida will städtischen Raum durch interaktive Installationen aktivieren und vitalisieren.

„Um lebhafte Communities zu bilden, sind spielerische Auseinandersetzungen im Zentrum des städtischen Lebens essentiell”, sagt er. „Sobald Menschen miteinander spielen, bauen sie Grenzen ab. Es spielt keine Rolle, was dein sozialer oder ökonomischer Hintergrund ist oder welcher Herkunft du bist. Wir werden einfach zu Menschen, die miteinander spielen, voneinander lernen und einander vertrauen.”

Angesichts einer wachsenden urbanen Bevölkerung braucht es neue Wege, um die Monotonie in Städten zu durchbrechen. Die Forschung zeigt, dass sich unattraktive und langweilige Architektur negativ auf unser Wohlbefinden auswirkt. Die Herausforderungen des modernen Lebens lassen uns zudem weniger Verbundenheit mit unserer Umgebung spüren.

Doch es gibt Hoffnung: The Urban Conga und andere kreative Projekte bringen spielerische Ideen auch in Straßen ganz in deiner Nähe.

Musik im Park

Öffentliche Bänke – wir sitzen drauf, mit einem Kaffee oder während der Mittagspause. Doch wie oft kommen wir mit dem Fremden ins Gespräch, der neben uns sitzt? Die musikalische Bank hilft bei der Kontaktaufnahme.

Gestaltet im Stil von Marimbas sind die öffentlichen Sitzmöbel dazu gemacht, uns durch Sehen, Hören und Fühlen einander näherzubringen. Wer zusammen auf einer Bank sitzt, kann interagieren und gemeinsam eine Melodie kreieren. Vorbeilaufende Passanten werden so ins Geschehen mit einbezogen. Fremde begegnen sich und schaffen gemeinsam eine bleibende Erinnerung.

Gamification kurbelt die lokale Wirtschaft an

Ein weiteres von Swanson und seinem Team erdachtes Konzept nennt sich „Ping Pong im Park“. Für Swanson ist es mehr als ein Spiel. Um eine der schicken, knallbunten Tischtennisplatten nutzen zu können, kann man sich Bälle und Kellen von teilnehmenden Unternehmen in der Nachbarschaft ausleihen und unterstützt so direkt die lokale Community.

Eine erste Tischtennisplatte – verziert mit der örtlichen Skyline – steht im Zentrum von Tampa im US-Bundesstaat Florida. Dem Aufruf „Come out and play” (zu Deutsch: Komm raus zum Spielen) folgte sogar Bürgermeister Bob Buckhorn für ein Match an der Platte.

Zwei Männer spielen Pingpong im Park
Pingpong im Park von Tampa.
Foto: The Urban Conga

Recycling gegen Belohnung

Um spielerische Projekte erfolgreich umsetzen zu können, ist die Zusammenarbeit mit kleinen, lokalen Unternehmen oft sehr vorteilhaft. Denn diese können helfen, Städte nicht nur offen und erlebbar, sondern auch sauber und nachhaltig zu machen, nicht zuletzt aus Eigeninteresse.

Das Projekt „Wasted“ geht in Amsterdam das Thema Recycling an – mithilfe eines Belohnungssystems. Einwohner entsorgen Plastik im Austausch gegen eine virtuelle Währung. Mit dieser kann wiederum an ausgewählten Orten in der Nachbarschaft für Einkäufe, Kaffee oder Fahrradreparaturen bezahlt werden.

Mit dem gesammelten Plastik experimentierte das Projekt auch zum Thema Upcycling: Aus neu geformten Quadern sollen nun Outdoor-Möbel und Ausstattung für Spielplätze entstehen.

Der Gedanke dahinter: Es ist wahrscheinlicher, dass wir handeln, wenn wir im Gegenzug etwas bekommen. Spielerische Erlebnisse geben uns das Gefühl, teilzuhaben und die Zukunft unserer Stadt aktiv mitgestalten zu können.

Blöcke aus recyceltem Plastik von the Wasted project
Recyceltes Plastik als potenzieller Baustoff.
Foto: Cities Foundation

Tetris aus der Tonne

Dieser Abfalleimer ist ein Hingucker: TetraBIN optimiert Müllverwertung und fördert Nachhaltigkeit durch Technologie und interaktives Spielen. Ein helles LED-Display garantiert der Mülltonne die Aufmerksamkeit der Passanten.

Der Hit: Der TetraBIN verfügt über eingebaute Videospiel-Klassiker wie Tetris. Indem sie Müll einwerfen, können Fußgänger eine Runde spielen.

Sencity, die Firma hinter der verspielten Tonne, installierte ihre Erfindung zuerst in Sydney und ist gerade dabei, ein Modell für New York zu entwickeln.

Die Tonne gibt übrigens auch an, wenn sie voll ist – perfekt für Stadtplaner und Datensammler, die auf diese Weise mehr über die Müllgewohnheiten der Stadtbewohner erfahren und daraus Anregungen für Verhaltensänderungen ableiten können.

TetraBIN: Eine Mülltonne mit der man im öffentlichen Raum Tetris spielen kann
TetraBIN: Eine Runde Zocken beim Müllwegbringen.
Foto: TetraBIN

Neugier wecken

Ein anderes von Tetris inspiriertes Projekt kommt aus Tel Aviv. Das Spiel wurde während des DLD Tel Aviv Innovation Festivals im vergangenen September an die Wand eines israelischen Regierungsgebäudes projiziert. 480 LED-Lichter verwandelten dafür die Hauswand in einen 3.000 Quadratmeter großen Bildschirm.

Auf dem Platz vor dem Haus wurden zwei überdimensionale Joysticks installiert, mit denen neugierige Passanten gegeneinander antreten konnten.

Öffentliches Tetris in Tel Aviv
Ein Joystick und ein Haus: Tetris ganz groß.
Foto: Dave Shahar

Durchschnittliche Architektur aufpeppen

In London belebte vor zwei Jahren der 70er-Jahre-Spieleklassiker Snake den öffentlichen Springbrunnen am Bahnhof King’s Cross. Die Installation mit dem Namen Granary Squirt kann man nach einer Pause 2016 in diesem Sommer erneut erleben.

Nach dem Download der eigens entwickelten App können bis zu acht Personen zeitgleich gegeneinander spielen. Durch das Kippen des Telefons kontrolliert jeder Spieler einen Wasserstrahl, seine „Snake“ (zu Deutsch: Schlange). Natürlich, ohne mit den anderen zu kollidieren.

Ein Handy mit dem Spiel Snake, das mit einem Springbrunnen in der Stadt verbunden ist
Snake im Springbrunnen – per App gesteuert.
Foto: Granary Squirt

Gemeinsam Ideen schmieden und umsetzen

Also: Spiele wie Tetris und Snake sorgen in der Öffentlichkeit für soziale Interaktion und Kontaktaufnahme. Just Add People (JAP) geht noch einen Schritt weiter und fördert die gemeinsame Fantasie und Teamarbeit.

JAP ist ein spielerischer Ansatz, durch den wir unsere Umgebung mal ganz anders erleben können. Das Berliner Projekt kann für Events und Festivals gebucht werden und ermöglicht Gruppen von Spielern, erdachte Strukturen mithilfe von Stäben und neonfarbenen Bällen zu erbauen. Die luftigen Gebilde und Objekte regen die Fantasie an und lassen die Menschen urbane Strukturen anders wahrnehmen. Teams bekommen eine architektonische Aufgabe gestellt. Um die Lösung zu finden, sind gute Kommunikation und Teamwork gefragt.

Also los – raus auf die Straße. Wir garantieren: Mit diesen Inspirationen lassen sich in jeder Stadt ungeahnte spielerische Elemente entdecken oder selbst Ideen entwickeln, an welchen Ecken man neue Spiele beginnen lassen könnte.