Beim Ideenwettbewerb smart urban pioneers eröffnen innovative Denker und Macher neue Perspektiven für eine lebenswerte Stadt. Einer der Top-Trends: Urban Farming. Wir stellen vier Projekte vor.

Wir leben gerne in den Städten dieser Welt. Hier pulsiert es, hier erleben wir kulturelle, soziale und kulinarische Vielfalt. Hier treffen wir Menschen aus aller Herren Länder, tauschen uns aus, inspirieren einander, feiern gemeinsam. Aber wie kann man diesen Lebensraum noch besser gestalten? Wie können wir selbst  den Asphaltdschungel mit sozialen, digitalen, kreativen, technischen Ideen aufblühen lassen? Antworten darauf gibt der Ideenwettbewerb smart urban pioneers.

Urbanisierung vs. Urban Farming

Hintergrund des innovativen Wettbewerbs ist einer der Megatrends unserer Tage: die Urbanisierung unserer Städte und die damit einhergehende Veränderung der städtischen Umgebung. Denn seit 2008 leben erstmals in der Geschichte der Menschheit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Bis zum Jahr 2050 werden sogar 70% der Weltbevölkerung Städter sein. Werden diese Megacities überhaupt noch lebenswert sein und was können wir tun damit die Stadt zur Spielwiese neuer Ideen wird? Eine Bereicherung sind innovative Projekte aus dem Bereich Urban Farming.

In Minden ist Pflücken erlaubt

New York, Detroit und Minden haben es gut. Hier kommen die Lebensmittel nicht nur aus dem Supermarkt. Sie wachsen und gedeihen auf Feldern und Gewächshäusern – mitten in der Stadt. Zum Beispiel im berühmten High Line Park im New Yorker Stadtteil Manhattan. Oder auf Brachflächen der „Motor City“ Detroit. Und bald vielleicht auch schon in sogenannten „Speiseräumen“ in Minden – innerstädtischen Flächen, bepflanzt mit Gemüse, Kräutern und essbaren Blumen. Das Team der Bürgerinitiative „Essbare Stadt Minden“ – mit dabei sind eine Gärtnerin und ein Landschaftsarchitekten – will damit die Wertschätzung für Lebensmittel wiederherstellen, Orte der Kommunikation und der Begegnung schaffen und ein gesünderes Stadtleben fördern. Denn auch die Liebe zur Stadt geht durch den Magen. Und selbstverständlich kann sich jeder selbst und kostenlos in den Speiseräumen bedienen: Pflücken erlaubt statt Betreten verboten.

Auf dem Pflaster wächst der City Tree

City Tree ist ein umweltaktives Stadtmöbel zur Luftverbesserung. Das vertikale Pflanzendisplay säubert verschmutzte Stadtluft, reduziert Lärm und fungiert als ungewöhnlicher Blickfang ebenso wie als Treffpunkt, WLAN-Hotspot oder E-Bike-Ladestation. Die freistehende vier Meter hohe Konstruktion enthält spezielle Mooskulturen, die auf einer Pflanzfläche von insgesamt 14,5 Quadratmetern und in Kombination mit modernster Internet-of-Things-Technologie die Stadtluft effektiver von Feinstaub und Oxiden filtert als 275 urbane Bäume. Mit jedem City Tree wird darüber hinaus der CO2-Footprint pro Jahr um bis zu 240 Tonnen vermindert. Der kompakte City Tree benötigt dafür sogar 99% weniger Fläche und ist 95% günstiger als Stadtbäume – bei zunehmender Urbanisierung wesentliche Faktoren, denn sowohl Platz als auch städtische Haushaltsmittel sind begrenzt. Konzipiert wurde City Tree von einem vierköpfigen, interdisziplinären Team aus Dresden, das eine mehr als 15-jährige Freundschaft verbindet. Als Green City Solutions entwickeln die vier Gründer das Konzept weiter. 2015 konnten bereits mehrere Anlagen verkauft werden.

Stadt mit City Trees
City Tree vergrünert die Straßen.
Foto: Green City Solutions
Green City Solutions
Foto: Green City Solutions
City Tree in der Nacht
Foto: Green City Solutions
Das Team von Green City Solutions
Foto: Green City Solutions

Der moderne Stadtfarmer baut mit Plants & Machines an

Über tausende von Jahren hat uns die Natur mit allem Nötigen versorgt – höchste Zeit, etwas davon zurück zu geben: mit Plants & Machines. Das kleine automatisierte Do-it-yourself-Gewächshaus ermöglicht es jedem Großstadtbewohner, leckeres Gemüse und Kräuter zu Hause ganz einfach selbst zu produzieren. So erfüllt das innovative Projekt Städtern den Wunsch nach mehr Natur und frischen Lebensmitteln. Ganz zeitgemäß wird Plants & Machines per Smartphone, Tablet oder PC gesteuert und reduziert den Anbauaufwand der Hobby-Landwirte auf ein Minimum. Dabei ist das System auch noch hocheffektiv. Durch den Einsatz von Aqua- bzw. Hydroponik, optimierten Bedingungen wie Nährstoffversorgung, Temperatur, Luftfeuchte, CO2-Konzentration und Licht, wachsen die Pflanzen bis zu viermal schneller bei bis zu 50% höherem Ertrag. Die Vorteile des vollautomatischen Gewächshauses: frische, biologisch angebaute Lebensmittel in unmittelbarer Nähe des Verbrauchers. Quasi von der Hand in den Mund. Das Team von Plants & Machines aus Weimar plant schon weiter: ein Design-Indoor-Garten als Lifestyle-Produkt und größere Systeme für Supermärkte und Restaurants. Wir wünschen heute bereits guten Appetit.

 DIY-Gewächshaus
Guten Appetit: Dank des kleines DIY-Gewächshauses kann jeder sein Gemüse selbst anbauen.
Foto: Plants & Machines

Wie foodresQ erst Lebensmittel und dann die ganze Welt rettet

Das kommt einem irgendwie bekannt vor: Man plant ein Essen für Freunde, kauft jede Menge ein, der Termin verschiebt sich – das Essen vergammelt. Das muss nicht sein, zumindest solange foodresQ per Smartphone Lebensmittel rettet und Müll vermeidet. Denn die Zahlen rund um Lebensmittelverschwendung sind erschreckend: 28% des weltweiten Obst- und Gemüseanbaus landen im Müll. 6-10% der Treibhausgase entstehen alleine durch Lebensmittelmüll, der hauptsächlich in den Städten anfällt. Die drei Pioniere hinter foodresQ aus Frankfurt wollen das ändern – auf smarte Art per App. foodresQ überwacht über ein Smart-Home-System bzw. einem zusätzlichen Smart Device die eingekauften Lebensmittel, teilt suboptimale Lagerbedingungen mit, erinnert an das Mindesthaltbarkeitsdatum und gibt Tipps zur optimalen Lagerung der verschiedenen Lebensmittel. Der intelligente Küchenhelfer hilft so effizient bei der Müllvermeidung und sorgt ganz nebenbei für einen gesünderen Lifestyle mit frischen Lebensmitteln.

Gründer von foodresQ
Die Lebensmittelretter von foodresQ.
Foto: foodresQ