Die Architektur in Science-Fiction-Filmen fasziniert – und ist wegweisend als Inspirationsquelle für die modernen Stadtplaner und Architekten. Die Metropole der Zukunft sehen wir in Anfängen schon heute – auch dank visionärer Geschichtenerzähler und Designer.

Türme, Brücken, Schnellstraßen. Und Häuser bis zum Horizont. Das ist die ultimative Stadt im Star-Wars-Universum: Coruscant, eine Metropole, die den ganzen Planeten überwuchert hat, ja eins mit ihm geworden ist. Eine galaktische Schaltzentrale.

Was sollen irdische Städtebauer von solchen Extremen schon lernen? Hochhäuser in der Wüste haben wir ja bereits, dazu Straßenschluchten, die kaum mehr Tageslicht kennen und an düstere Szenen aus „Blade Runner“ erinnern.

Science Fiction Architektur: Marina One in Singapur
Sci-Fi-Architekur von Christoph Ingenhoven: Der Gebäudekomplex Marina One in Singapur.
Foto: Ingenhoven Architects / HGEsch

Wer schon heute die Stadt der Zukunft besichtigen möchte, reist am besten nach Asien. In China, Taiwan und Singapur entstehen ultradichte Metropolen im XXL-Format. Der deutsche Architekt Christoph Ingenhoven hat dort gerade einen gigantischen Hybrid aus Beton und Natur geschaffen: Vier 50-geschossige Wohn-Büro-Hochhäuser schirmen ein grünes Herz im Zentrum von Singapur ab.

Gartenanlage im Zentrum des Wohnkomplexes Marina One
Das grüne Zentrum des Komplexes ist von Wohnungen und Büroräumen umgeben.
Foto: Ingenhoven Architects / HGEsch

Marina One sieht aus, wie aus einem fernen Sonnensystem auf die Erde verpflanzt und ist doch ganz aus dem Geist der Nachhaltigkeit verpflichtet. Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums sah in solchen Bauten sogar eine Lösungen für die „hyper-density der urbanen Zukunft“.

Gartenanlage mit Palmen vor dem Marina One Gebäudekomplex
Das Gebäude soll als internationales Vorbild für Wohnen und Arbeiten dienen.
Foto: Ingenhoven Architects / HGEsch

Zwischen Hollywood und der modernen Metropole

Während Coruscant für den Sieg der Technologie über die Natur steht, zeigen irdische Stadtplaner, wie Metropole und Dschungel durchaus neben- und miteinander existieren können.

Der Amazon Campus in Seattle von oben
Spheres: Amazons futuristischer Campus in Seattle.
Foto: Amazon

Teilweise gibt es verblüffende Parallelen zwischen Science Fiction und Realität: Amazons „Spheres“ in Seattle etwa erinnert mit seinen kugelrunden Gewächshäusern an Ökoschiffe wie die Valley Forge aus „Silent Running“. Und Architekturvisionen für Schwimmstädte und Wasseroasen konkurrieren mit der wohl schönsten Stadt der Science Fiction, der Wolkenstadt Bespin des genialen Weltentwerfers Ralph McQuarrie.

Der einstige Boeing-Zeichner war derjenige, der die überbordenden Fantasiewelten eines George Lucas in greifbare Bilder übertragen konnte und so die Basis für faszinierende Welten auf Zelluloid schuf.

Innenansicht eines Gewächshauses auf dem Amazon Campus
Die runden Glasbauten erinnern an Ökoschiffe aus Fantasyfilmen.
Foto: Amazon

Bilder sind die Währung für Städtebauer und Science-Fiction-Fans gleichermaßen. Und es ist nicht immer ganz klar, wer nun von wem mehr gelernt hat.

Überwältigend groß und nicht von dieser Welt

Diese ultrarealistischen Bilder mit einem Dreh ins Technoide gehen kaum mehr aus dem Kopf. Selbst Steve Jobs gestand bei der Präsentation seines iPhone 4 im Juni 2010, wie sehr ihn Science Fiction beeinflusste: „Ich wuchs in den Staaten mit Raumschiff Enterprise und Kommunikatoren auf und träumte von Videotelefonie, und nun ist es Wirklichkeit!” Heute geht nichts mehr ohne den kleinen Computer in der Hosentasche.

Von Science Fiction inspirierte Architektur aus den Sechzigern
Einen futuristischen Anblick bietet auch dieses Projekt der sechziger Jahre: …
Foto: Flickr / m-louis (CC BY 2.0)

Umgekehrt waren es Architekten vom Schlage eines Kenzo Tange, die mit ihren megalomanen Projekten der Sechziger Jahre ein Gefühl dafür entwickelten, dass Architektur auch ganz anders aussehen könnte: überwältigend groß und nicht von dieser Welt. Megabauten aus Beton und Ikonen der modernen Architektur wirken wiederum in den Science-Fiction-Film – so wie Frank Lloyd Wrights Ennis House von 1923, das zum Apartment der Figur Rick Deckard in Blade Runner wurde.

Nahaufnahme der Gedenkhalle von Kenzo Tange
… die Gedenkhalle der Architekten von Kenzo Tange für im Krieg umgekommene Schüler.
Foto: Flickr / m-louis (CC BY 2.0)

Science Fiction: Inspiration moderner Architekten

Daher ist die Frage berechtigt: Welchen Einfluss hat Science Fiction eigentlich auf unsere heutige Städteplanung?

Das an Science Fiction erinnernde Ennis House in Los Angeles
Ein Gebäude als Hollywoodstar: Das exotische Ennis House in Los Angeles …
Foto: Flickr / evdropkick (CC BY 2.0)

Viele Architekten, die heute fünfzig oder sechzig Jahre alt sind, dem besten Alter für Baumeister, wuchsen eher mit fremden Zivilisationen und Bildern von exotischen Planeten auf, bevor sie selbst Fernreisen unternehmen konnten. Inzwischen bauen sie Hochhäuser und Städte, die in ihrer Größe und Komplexität selbst außerirdisch wirken. Die Dimensionen ihrer Bauwerke sprengen inzwischen das, was wir als normale Architektur ansehen.

Außenansicht des Ennis House in Los Angeles
…. war im Science-Fiction-Film „Blade Runner“ zu sehen.
Foto: Flickr / evdropkick (CC BY 2.0)

Wolkenkratzer wie der Burj Khalifa mit seinen 829,8 Metern oder Städte wie Shenzen oder Shanghai, die innerhalb von 20 Jahren den Sprung zur Megametropole vollzogen haben, schaffen ganz eigene Bildwelten. Hochhäuser werden zu vertikalen Städten mit Zigtausend Bewohnern und Städte zu Stadtlandschaften, die nach eigenen Gesetzen funktionieren.

Ab einer gewissen Größe verwirbeln Science Fiction und Bauwelt. Was früher undenkbar galt, ist längst normal. Da werden selbst extreme Stadtwelten wie Coruscant irgendwie Teil des kollektiven Bewusstseins, die sich an andere Stelle verwirklichen.

Die Zukunft ist also schon da, wir müssen uns nur noch an ihren Anblick gewöhnen.