Städtischer Raum ist kostbar, daher werden Häuser kleiner. Studenten aus Georgia haben deshalb das SCADpad entwickelt – eine funktionale Mikrowohnung auf der Fläche eines Parkplatzes.

Die Nachfrage nach städtischem Wohnraum steht auf einem Allzeithoch. Nach Angaben der Vereinten Nationen wird sich die Zahl der Stadtbewohner bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Die Herausforderungen an eine intelligente urbane Architektur wachsen deshalb enorm.

Eine der innovativsten Ideen kommt aus Georgia: das SCADpad

Um den Bedarf an Wohnraum zu erfüllen, müssen Städte auf der ganzen Welt kreativer denken als bislang. In Tokio sind Mikroapartments, die früher ungenutzte Flächen besetzen, längst Standard. Und auch im SmartSpace Projekt in San Francisco experimentieren Designer mit kleinen, nur 20 qm großen Wohneinheiten. Auch platzsparende Möbeldesigns boomen, von Toiletten bis zu Klappbetten. Sie zeigen, was wir lange für unwahrscheinlich hielten: Klein kann auch stilvoll und komfortabel sein.

Eine der derzeit innovativsten Ideen kommt aus Georgia, USA. Ausgehend von der wachsenden Anzahl ungenutzter Parkplätze im städtischen Raum entwickelten die Studenten am Savannah College of Art and Design (SCAD) eine Idee für die Umnutzung von leerstehenden Parkhausetagen.

Denn diese grauen Giganten besitzen einen unschlagbaren Vorteil: ihre 1a-Lagen im Stadtkern – oft dort, wo die Wohnungsnot am größten ist. Weil der Trend zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing weiter wächst, schien hier der perfekte Ansatzpunkt gefunden. Die Idee des SCADpad war geboren.

 

 „Wie lässt sich ein Parkhaus in ein Wohnumfeld verwandeln?”

Hinter dem hippen Akronym verbirgt sich eine Mikrowohnung, die auf einen Parkplatz in einem Parkhaus passt. Jedes SCADpad besitzt so nur 12,5 qm Fläche – und bleibt mobil: Wenn ein Parkplatz benötigt wird, lässt sich die Struktur leicht verschieben. Die Einheiten sind dabei als vollständig autarke Module konzipiert – mit Küche, Badezimmer und einer wandelbaren Wohnfläche.

„Unsere Aufgabe war es, uns angesichts der wachsenden Generation Y in den Städten weltweit besser auf die örtlichen Wohnherausforderungen vorzubereiten“, sagt SCAD-Student Jerome Elder, der seit Beginn des Projektes dabei ist. „Dann haben wir angefangen zu forschen, zu reflektieren und zu entwickeln.“

Eine der größten Herausforderungen dabei, abgesehen von den offensichtlichen Platzgründen: den neuen Raum in der kargen Umgebung schnell zu einem lebenswerten Ort werden zu lassen. „Innerhalb ihrer eigenen Logik sind Parkhäuser ja geniale Bauwerke“, sagt Jerome. „Die große Frage war: Wie lässt sich diese kalte Ansammlung von Böden, Pfeilern und Rampen aus Beton und Stahl in ein Wohnumfeld verwandeln?“ Die Studenten fanden die Antwort im Aufbau einer Gemeinschaft. Sie sollte die Wärme erzeugen, die der Mensch braucht, um auf Level C, Box 431, gut zu leben.

Gemeinsamer Grün- und Kreativbereich: SCADpads haben eine Menge zu bieten

Das wichtigste Element für mehr Lebensqualität: eine gemeinsame Grünfläche für alle SCADpads mit Bio-Gemeinschaftsgarten und einen gemeinsamen Bereich für Recycling und Kompostierung. Zusätzlich wurde ein Kreativbereich eingerichtet. In diesem „Maker Space“ können die Bewohner mit einem 3D-Drucker verschiedene Objekte für ihre „Pads“ herstellen. Auch gegen die Dunkelheit half schlaue Technik – in Form eines Tageslichtkollektors auf dem Dach, der zusätzliches Sonnenlicht in die unteren Etagen leitet.

Jerome hat eine Woche lang in einem SCADpad gelebt. Er sagt, er wäre nach Ablauf dieser Zeit gerne geblieben. „Kommunizieren und teilen ist eines unserer Grundbedürfnisse. SCADpad hat uns dies ermöglicht: Wir haben viel zusammen gekocht und dabei Kräuter aus dem Gemeinschaftsgarten verwendet.“

Ein Alltag wie in einer Kommune urbaner Neohippies – der nur durch das herausragende Design dieser bezahlbaren, temporären Architektur möglich wurde. Unterm Strich bleibt allerdings Handfestes: Drei bereits gebaute Prototyp-Einheiten und das Angebot an alle Stadtplaner und Betreiber schlechtgehender Parkhäuser, weitere Exemplare zum Preis von je 40.000 USD (37.000 EUR) zu produzieren; Lieferzeit: schlanke zwei Monate.

Weitere Informationen auf der SCADpad Website oder vom Savannah College of Art and Design bei Facebook oder Twitter!

Alle Bilder inklusive Titelbild: SCADpad