Das junge Start-up Recup will den Coffee-to-go-Markt revolutionieren und kämpft mit einem deutschlandweiten Pfandbecher-System gegen überflüssigen Verpackungsmüll. Eine nachhaltige Mission.

Hätte sich Fabian Eckert 2015 leicht entmutigen lassen, gäbe es Recup heute vermutlich nicht. Damals, als Student in Schweden, soll der 28-Jährige für ein Seminar ein Nachhaltigkeitsprojekt entwickeln. Als ihm die Idee für ein Mehrwegbecher-Pfandsystem kommt, lehnt sein Professor ab – die Idee sei uninteressant.

Wiederverwendbare Recup-Becher mit lokalen Motiven
Wiederverwendbare Recup-Becher mit lokalen Motiven.

Aber Fabian Eckert lässt nicht locker und wendet sich mit seiner Idee an die Münchnerin Julia Post, die sich schon lange gegen Einwegbecher engagiert. Diese verbindet Eckert mit Florian Pachaly, der BWL in der Nähe von Freiburg studiert und eine ähnliche Idee hatte. Nur wenige Monate später gründen Pachaly und Eckert zusammen Recup. Das Start-up bietet über ein wachsendes Netzwerk an Partnergeschäften hübsch designte Mehrwegbecher an.

 Recup-Gründer Fabian Eckert und Florian Pachaly
Zwei Macher, eine Idee: Fabian Eckert und Florian Pachaly von Recup.

Coffee to go: die unbewusste Umweltverschmutzung

Coffee-to-go-Becher haben eine traurige Bilanz. Laut der deutschen Umwelthilfe werden allein in Deutschland 2,8 Milliarden Einwegbecher im Jahr benutzt. Das sind 320.000 Becher pro Stunde. Da diese innen mit Plastik beschichtet sind, ist es fast unmöglich, sie zu recyceln. So entstehen 40.000 Tonnen Abfall im Jahr, für den mehr als 43.000 Bäume gefällt, 1,5 Milliarden Liter Wasser verbraucht und 3.000 Tonnen Rohöl benutzt werden. Von den weltweiten Zahlen erst gar nicht zu sprechen.

Kaffeebecher von Recup und Siebträgermaschine
Kaffee zum Mitnehmen – im Pfandbecher.

Für den Kaffeegenuss von der Länge einiger Straßenblocks nehmen viele Menschen den entstandenen Müll in Kauf. „Das Problem ist“, sagt Fabian Eckert, „dass vielen einfach nicht bewusst ist, wie viel Schaden die Coffee-to-go-Becher anrichten. Sie denken einfach nicht darüber nach. Für sie ist der Coffee to go der Versuch, für einen kurzen Moment Ruhe zu kaufen. Auf dem Weg zum Stress.“

Recups Kampf gegen den Pappbecher beginnt im November 2016 mit einem Pilotprojekt in Rosenheim. Mittlerweile gibt es Recup in München, Berlin, Hamburg, Köln und vielen anderen deutschen Städten. Insgesamt 978 Cafés und Bäckereien umfasst das Netzwerk. Und täglich werden es mehr.

Recup: die App zeigt den Weg

Das Prinzip von Recup ist so simpel, dass die beiden Gründer manchmal selbst kaum glauben können, dass es vorher noch niemand umgesetzt hat. Cafés und Bäckereien bekommen von Recup Mehrwegbecher aus Kunststoff und bezahlen dafür einen Euro Pfand pro Becher sowie eine Teilnahmegebühr von einem Euro pro Tag. Spülen müssen sie die Becher selber.

Person nutzt die App von Recup
Die App weist den Weg zum nächsten Partner-Café.

Die Kunden hingegen zahlen pro Getränk einen Euro Pfand für den Becher, den sie nach dem Kaffeegenuss bei jedem teilnehmendem Laden zurückerstattet bekommen. Natürlich gibt es eine eigene App, die anzeigt, wo sich der nächste Recup-Laden befindet.

Und es läuft so gut, dass Recup Pläne schmiedet. „Kurzfristig“, so Eckert, „wollen wir bis Ende Mai 2018 rund 1.000 Läden erreichen.“ Und langfristig? „Natürlich die Pappbecher endgültig loswerden!“ Er lacht. „Was denn sonst?“

Mehr Informationen zu Recup findest du hier.