„Error 404 – Sun not found”: Seattle ist für sein verregnetes Klima berüchtigt – doch die „Rainworks“ von Street-Artist Peregrine Church lassen die Schlechtwetterlaune schnell vergessen

Regen nervt. Außer passionierten Gärtnern und gummistiefelbewehrten Kindern freut sich wahrscheinlich niemand über den nächsten Nieselregen oder Wolkenbruch. Doch wenn man das Wetter schon nicht beeinflussen kann, hilft vielleicht ein Perspektivenwechsel – und US-Künstler Peregrine Church geht hier mit gutem Beispiel voran.

Seine cleveren „Rainworks“ verwandeln Seattles Bürgersteige und Straßen mit viel Fantasie – und wasserabweisendem Spray – in faszinierende Street-Art, die nur bei Regen sichtbar wird. „Regnen wird es sowieso. Warum also nicht etwas Cooles daraus machen?”, scheint Churchs Credo zu sein, denn seine „Rainworks“ „sollen unsere Schlechtwettertage verschönern.”

Kunst aus der Dose

Die eigentliche Idee kam dem 22-Jährigen, als er in einem Online-Tutorial über  super-hydrophobes, d. h. extrem wasserabweisendes, Spray stolperte – ein faszinierendes Medium, das Flüssigkeiten von absolut jeder Oberfläche abperlen lässt, sogar von Stoffen oder Haut. Dieser sogenannte Lotuseffekt ist vielseitig nutzbar – und das dafür verantwortliche Spray völlig unbedenklich und biologisch abbaubar.

Rainworks Seattle smart magazine

Für Street-Artist Church war ganz klar, dass dieser Effekt auf die Straße gehört: Hier schützt das Spray den Asphalt vor Regen und sorgt damit für einen schönen Kontrast zwischen trockenem Straßenbelag und dem etwas dunkleren, regengetränkten Asphalt daneben.

Church war sofort begeistert, kaufte Spraydosen und verwandelte seine Slogans und Grafiken in Schablonen, um gemeinsam mit zwei Freunden sein allererstes „Rainwork“ vor einer Bushaltestelle zu realisieren. Natürlich heimlich, bei Nacht und ohne Zeugen, damit niemand vorab die erst bei Regen sichtbare Pointe verraten konnte.

Beim nächsten Gewitter war es dann soweit: Passanten und Passagiere freuten sich über sein liebevolles „Stay Dry Out There“ („Bleibt trocken da draußen“, Anm. d. Red.), umrahmt von stilisierten Regentropfen.

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Mehr als 30 „Rainworks“ allein in Seattle

Mittlerweile hat sich der Street-Artist mit mehr als 30 Werken in der Stadt verewigt, u. a. mit einem Hüpfspiel, Slogans wie „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung” und direkten Aufrufen wie „Wieviel Wasser können Sie sparen?.” Wer Lust auf eine kleine Kunst-Schnitzeljagd hat, findet auf der „Rainworks“-Website eine Kartenübersicht aller Werke und kann so Seattle auf eigene Faust als temporäres Museum erleben – bei Regen, versteht sich.

„Seattle liegt geografisch in einer Regenschneise“, erklärt Church. „Das macht die Stadt als Standort für diese Technik so ideal.“ Gleichzeitig bleiben die „Rainworks“ vergänglich wie das Wetter: Nach spätestens einem halben Jahr zersetzen sich das Spray und damit auch die Kunst.

Hier sorgen Church – und enthusiastische Nachahmer – für ständigen Nachschub an lustigen Ablenkungen für Regentage. „Wenn alle mitmachen, können wir vielleicht sogar weltweit eine positivere Einstellung erzielen“, fügt er hinzu.

Demnächst wird Church ein ausführliches Tutorial-Video zu seiner Methode veröffentlichen – und macht damit gleichzeitig Hoffnung auf weitere VeränderungenIdeen. Denn wenn es bereits eine Formel gibt, um Regen in etwas Schönes zu verwandeln, sind sicher noch ganz andere Dinge möglich.

Wenn Peregrine Church (rechts) aktiv wird, ist Xack Fischer (links) oft mit von der Partie.
Wenn Peregrine Church (rechts) aktiv wird, ist Xack Fischer (links) oft mit von der Partie.

 

 

Alle Bilder inklusive Titelbild: Rainworks