Rodrigo Braz Teixeira betrachtet Lissabon anders als alle anderen – weil er auf Rollen durch die Stadt navigiert. Wir haben den Inlineskate-Profi abgefangen und mit ihm über Perspektiven gesprochen, die aus der Bewegung entstehen.

Lissabon, Stadt des magischen Lichts, der sieben Aussichtspunkte, an denen man sich für das abendliche Bier trifft und der Straßenbahnen, die sich über das historische Kopfsteinpflaster des Bairro Alto hinaufwinden. Wer zu Fuß vom Hafen nach hier oben gelaufen ist, ruht einen Moment aus. Entdeckt man dann Rodrigo Braz Teixeira, der auf seinen Inlinern über die buckligen Straßen gleitet, als wären sie spiegelglatt, über steile Treppen hüpft und über Geländer rutscht, als wäre die Stadt aus Gummi, dann fühlt sich auch der Wanderer trotz schwerer Füße federleicht.

Profi-Inline-Skater Rodrigo Braz Teixeira am Ufer des Flusses Tejo
Profi-Inlineskater Rodrigo Braz Teixeira am Ufer des Flusses Tejo

Rodrigo, nehmen Skater eine Stadt anders wahr als Menschen, die zu Fuß unterwegs sind?
Rodrigo: Wenn ich auf Rollen unterwegs bin, betrachte ich generell jede Stadt aus einem anderen Blickwinkel. Was für andere ein Hindernis ist, ist für mich eine Herausforderung: Alles wird zu einem großen Spielplatz. Es ist aber nicht so, dass ich eine Stadt ausschließlich danach scanne, ob sie sich zum Skaten eignet – ich weiß schöne Architektur durchaus zu schätzen! Manchmal aber denke ich: „Ganz hübsch hier, aber kein guter Spot für ein paar Sprünge oder Tricks.“ Und dann gibt es Orte, an denen andere Menschen einfach vorbeigehen, die ich wiederum gut finde, weil ich da skaten kann.

Ist Lissabon genau das? Ein großer Spielplatz für Skater?
Rodrigo: Nein, Lissabon ist zwar wunderbar, aber nicht wirklich für Skater gemacht. Skaten ist auch gar nicht überall erlaubt. Die Stadt ist ja größtenteils sehr alt und gerade an historischen Plätzen und Gebäuden ist die Polizei ziemlich streng und verbietet einem das Skaten oft.

Profi-Inline-Skater Rodrigo Braz Teixeira macht seine Tricks auf dem Skatepark
„Es ist aber nicht so, dass ich eine Stadt ausschließlich danach scanne, ob sie sich zum Skaten eignet – ich weiß schöne Architektur durchaus zu schätzen!“

Und wie findest du dann die besten Orte?
Rodrigo: Ich finde sie, wenn ich im Auto mit meinem Bruder durch die Stadt fahre. Wir sind quasi immer auf der Suche nach guten Spots. Und Lissabon macht es einem echt nicht leicht, die zu finden. Außerdem ist der Untergrund meistens sehr uneben und kaum dazu geeignet, einen Trick zu stehen. Wenn man einen Ort ein bisschen besser kennt, wenn man die Angst vorm Fallen überwunden hat und wenn dann ein Trick funktioniert, dann ist das sehr schön. Ich würde sagen: Wer es hier schafft, der schafft es überall.

Du hast es hier geschafft. Seit wann skatest du eigentlich?
Rodrigo: Seit acht Jahren. Seit drei Jahren ist das alles ein bisschen ernsthafter – da habe ich meinen ersten Rollensponsor bekommen. Ein Freund von mir hat ihnen ein Video von mir gezeigt und seitdem unterstützen sie mich.

Und wo ist der europäische Hotspot für Inlineskater?
Rodrigo: In Deutschland gibt es eine sehr große Szene, aber der beste Ort ist definitiv Barcelona. Ich war dieses Jahr dort und das ist schon was ganz anderes. Da kann man wirklich überall skaten!
Toll war auch das Winterclash-Festival in Eindhoven, was in einer Halle stattgefunden hat. Und vor zwei Jahren war ich auf dem Summerclash in Berlin. Oh man, das war einfach gigantisch – um einen herum waren nur Menschen auf Rollen!

Könntest Du Dir denn vorstellen, in eine andere Stadt zu ziehen, weil man dort besser skaten kann?
Rodrigo: Hmmm, vielleicht. Barcelona ist schon toll; es gibt einen Strand, alles ist so schön nah. Aber nur wegen des Sports dahin ziehen? Ich weiß nicht. Vielleicht ziehe ich ja auch eines Tages aufs Land, wenn ich älter bin und Kinder habe. Aber jetzt noch nicht.

Portrai von Profi-Inline-Skater Rodrigo Braz Teixeira
„Wenn ich auf Rollen unterwegs bin, betrachte ich jede Stadt aus einem anderen Blickwinkel.“

Rodrigo Braz Teixeira kommt aus Lissabon, ist Student und Profi-Inlineskater.

Hier geht es zu unserem Film „One fine day in Lisbon“ mit Rodrigo Braz Teixeira, Mariana Duarte Silva, Unternehmerin und Mitgründerin von Village Underground, und den Street-Art-Künstlern Kruella d’Enfer und AKACORLEONE

Alle Bilder inkl. Titelbild: broken bloke Production