Pavillons sind beliebte Treffpunkte in Parks und auf öffentlichen Plätzen. Mit unauffälligen Hütten haben sie allerdings längst nichts mehr zu tun. In diesem Herbst interpretieren gleich mehrere Stararchitekten die traditionsreichen Bauten neu – mit leichten Materialien und außergewöhnlichen Formen.

Pavillons sind kein außergewöhnlicher Anblick. Pavillons gibt es überall. Unauffällig ducken sich diese architektonischen Zwerge in die Landschaften von Parks und privaten Gärten, bieten meist gute Aussichtspunkte und ein schützendes Dach inmitten der Natur. Unlängst sind sie auch in den Fokus der Stadtentwickler gerückt. Als Orte der Zusammenkunft und Interaktion erleben sie eine Renaissance, angestoßen durch die Arbeiten führender internationaler Architekten und Designer.

Vom bescheidenen Konzept bis zur utopischen Struktur – Pavillons wandeln sich. Von Orten der Ruhe für Parkbesucher hin zu Mikrokosmen, in denen getestet wird, wie öffentlicher Raum nachhaltiger, kreativer und menschenfreundlicher genutzt werden kann. Hier sind einige der spannendsten Beispiele aus diesem Jahr:

Besonders insta-worthy: Der Ballon-Pavillon

Aus der Feder des Pariser Architektur- und Designstudios Town and Concrete stammt diese aufblasbare Burg aus Hunderten rosafarbener Ballons. Gedacht als erkletterbare, portable Installation für den öffentlichen Raum und für Events, ist die Ballon-Pyramide eines von vielen Projekten des Lead-Architekten Cyril Lancelin, der Besucher einlädt, ihre Beziehung zu Materialien und der erbauten Umgebung neu zu denken.

Eine Pyramide aus pinken Ballons
Ein Luftschloss? Die Pyramide besteht aus Ballons.
Foto: Town and Concrete
In der Pyramide aus pinken Ballons
Das Gebilde lädt zum Erklettern ein.
Foto: Town and Concrete

Besonders organisch: wHYs preisgekröntes Design des Ross Pavillons

Das US-amerikanische, interdisziplinäre Designstudio wHY ist Gewinner einer mit 25 Millionen Dollar dotierten Ausschreibung der Stadt Edinburgh. Es geht um die Neugestaltung des Ross Pavillons – eines Musikpavillons mit Gartenanlage entlang der Burganlage Edinburghs. Ihr Design ist eine Studie in Sachen Verknüpfung von öffentlichem Interesse und Hommage an die Geschichte. wHYs Design ist inspiriert von der Symmetrie und Eleganz von Schmetterlingen. Dies gibt dem Ort, der seit dem 18. Jahrhundert eine zentrale Rolle im kulturellen Erbe Edinburghs spielt, mehr Leichtigkeit und Schönheit. Elegant in die Parklandschaft eingebunden, wird der Pavillon ein Besucherzentrum und ein Café beherbergen.

ein in die Parklandschaft eingebundener Pavillon
Der Ross Pavillon von wHY fügt sich in die Landschaft ein.
Foto: Malcolm Reading Consultants / wHY
Der Ross Pavillons in Edinburgh
Das Design ist inspiriert von der Eleganz von Schmetterlingen.
Foto: Malcolm Reading Consultants / wHY

Besonders umweltfreundlich: 2017 London Serpentine Pavillon

Pate für die „atmende” Holzstruktur des Architekten Francis Kéré stand ein als Treffpunkt genutzter Baum in Kérés Heimatstadt in Burkina Faso. Der in den Kensington Gardens entstandene Pavillon wurde von der Londoner Serpentine Gallery in Auftrag gegeben, die jedes Jahr einen neuen Pavillon ausschreibt. Kérés Struktur umfasst einen Innenhof, eine Anlage zum Sammeln von Regenwasser und zur Bewässerung. Noch bis zum 8. Oktober 2017 sind zahlreiche Events und Aufführungen für die Community geplant.

the Serpentine Pavilion in London
Kérés luftige Holzstruktur in London.
Foto: Flickr/ Harry Wood

Besonders einfallsreich: Der Pavillon im Schicksalsgarten von Koknese, Lettland

Zum Anlass der Hundertjahrfeier Lettlands hat ein Zusammenschluss lokaler Architekturstudios eine Aussichtsplattform und einen Pavillon entworfen, der in die Landschaft rund um die historische Stadt Koknese und den dortigen Schicksalsgarten gebaut ist. Über einem majestätischen See gelegen, bieten die einzigartigen Materialien und Strukturen des Pavillons Schutz vor den Elementen und darüber hinaus einen besonders schönen Ausblick.

Aussichtsplattform und Pavillon eingebettet in die Landschaft Lettlands
Naturnah gelegen: Pavillon im lettischen Koknese.
Foto: Maris Lapins
Holzbrücke neben einem See
Unschlagbar: der Ausblick.
Foto: Maris Lapins

Besonders modular: Runaway in Santa Barbara, Kalifornien

Der Design-Sieger des diesjährigen Wettbewerbs „takepart | makeart” des Museums für zeitgenössische Kunst im kalifornischen Santa Barbara ist eine Serie von drei modularen, farbigen Konstrukten. Die drei Figuren in leuchtenden Farben stammen von SPORTS, einem Design- und Architekturstudio aus Syracuse, New York. Durch die Verwendung von Drahtmatrizen wollten die Macher die „ästhetische Qualität” der Luft Santa Barbaras einfangen. Die Installation – genannt Runaway – tourt durch Santa Barbara und bringt Besucher dazu, mit dem Kunstwerk, der Stadt und einander zu interagieren.

Ein pink-blauer Pavillon aus Draht
Drahtig, bunt, anders: Runaway fasziniert.
Foto: Elliot Lowndes, im Auftrag vom Museum of Contemporary Art Santa Barbara

Besonders beeindruckend: CoFuFun in Nara, Japan

Die Gerüchte über riesige, fliegende Untertassen in der kleinen japanischen Stadt Nara sind wahr. Es sind allerdings keine außerirdischen Raumschiffe, sondern die neuesten Designs von Studio Nendo aus Tokio. Die Bauten wurden erdacht, um Bewegung in die lokale Community zu bringen und ein besonderes Erlebnis für Touristen zu schaffen. Der Standort am Tenri Bahnhof macht die Pavillons nicht nur architektonisch interessant, sondern gleichzeitig zur Destination für urbane Ausflüge. CoFuFun vereint Amphitheater, Spielplatz und Café sowie Schallschlucker und Aussichtspunkt – und kommt ganz sicher in Frieden.

Inneneinrichtung des CoFuFun in Nara, der wie eine fliegende Untertassen geformt ist
Innen behagliche Begegnungsstätte …
Foto: Takumi Ota
Pavillon, der wie eine fliegende Untertassen geformt ist
… außen muten die Pavillons wie UFOs an.
Foto: Takumi Ota