Original Unverpackt“ ist der erste Berliner Supermarkt, in dem Waren ohne Einwegverpackungen verkauft werden. Die Gründerinnen Sara Wolf und Milena Glimbovski bedienen damit immer mehr Kunden und haben gleichzeitig weltweite Aufmerksamkeit erregt.

Eine große Bandbreite alternativer Lebensstile gab es in Berlin-Kreuzberg schon immer. Manche funktionieren nur hier. Andere besitzen das Potenzial, zu Lösungen für die urbanen Herausforderungen auch anderer Metropolen zu werden. Zum Beispiel „Original Unverpackt“, ein kleiner Supermarkt, der komplett ohne Einwegverpackungen auskommt. Die Lebensmittel werden einfach in mitgebrachte oder im Laden erhältliche Glasflaschen oder Einmachgläser abgefüllt – von Olivenöl, Gewürzen und Algen-Tofu bis hin zu Reinigungsmitteln oder Hygieneartikeln. Auch die Zeiten, in denen Singles 500-g-Familienpackungen kaufen mussten, sind hier vorbei. Abgefüllt wird nur nach persönlichem Bedarf. So landen weder Plastik noch unverbrauchte Lebensmittel auf dem Müll.

smart magazine: Original Unverpackt dürfte der einzige deutsche Supermarkt sein, über den selbst in den USA regelmäßig berichtet wird. Was macht ihr anders als die Konkurrenz?

Sara Wolf: Wir sind der erste Supermarkt in Deutschland ohne Einwegverpackungen. Das Besondere an unserem Konzept ist, dass wir wirklich versuchen, von der Herstellung des Produkts bis zum Kunden nach Hause, also auf der ganzen Lieferkette, keinen Abfall entstehen zu lassen.

smart magazine: Geht es dabei nur um die umweltverträglicheren Verpackungen oder sind auch die Produkte nachhaltig?

„Unverpacktes Einkaufen verursacht erheblich weniger Müll und weniger Lebensmittel, die weggeschmissen werden.“
Sara Wolf

Sara Wolf: Natürlich stellen wir den Anspruch an Nachhaltigkeit auch an unsere Produkte. Diese sind überwiegend fair gehandelt, biologischen Ursprungs und möglichst von lokalen Erzeugern. Das ist relativ schwer zu garantieren bei den Bananen aus Übersee, aber leicht sicherzustellen bei der „Rosenrot & Feengrün“-Marmelade aus dem Spreewald oder dem Bio-Honig aus Berlin.

smart magazine: Ihr verwahrt Reis, Nüsse oder Hülsenfrüchte in großen Spendern auf. Eure Kunden können sich dann beliebige Mengen „zapfen“. Selbst das Olivenöl verkauft ihr nicht abgefüllt. Gibt es bei euch gar keine Einwegverpackungen?

Sara Wolf: Nein, denn diese sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Wir glauben generell, dass Einkaufen nach jetzigem Modell nicht zukunftsfähig ist. Deshalb finden sich in unserem Store keine endlos langen Regale mit Überangebot und aufgebauschtem Verpackungstamtam. Wenn sich jeder mit Mehrweggefäßen abfüllen kann, was er an Menge benötigt, dann verursacht unverpacktes Einkaufen erheblich weniger Müll und weniger Lebensmittel, die weggeschmissen werden.

smart magazine: Aber sind Verpackungen nicht sehr praktisch und hygienisch?

Sara Wolf: Verpackungen aus Plastik sind superpraktisch, aber auch supermühsam. Nicht nur, weil man immer den Müll rausbringen muss. Sondern weil sie unsere Umwelt unglaublich stark belasten. Ein sehr großer Teil landet über die Wasserwege in den Ozeanen. Ich glaube, jeder sieht ein, dass das ein Problem ist. Außerdem befinden sich im Plastik der Verpackungen verschiedene Stoffe, etwa Weichmacher und Gifte, die dann direkt in unsere Lebensmittel übergehen. Das heißt, wir nehmen das direkt über die Nahrung in den Körper auf. So gesehen ist auch die vermeintliche Hygiene der herkömmlichen Verpackungen nur oberflächlich.

smart magazine: Wer zählt denn zu euren Kunden?

Sara Wolf: Das ist total gemischt. Original Unverpackt zieht vor allem ganz normale Leute an. Bei uns kaufen Menschen aus allen sozialen Schichten und allen Bezirken der Stadt ein: die progressiven Kreuzberger, aber auch die eher konservativen Wilmersdorfer. Ich glaube, dass die Problematik des zunehmenden Wohlstandsmülls jeden anspricht.

Hier geht es zu unserem Film „One fine day in Berlin“ mit Original Unverpackt, Ralf Steeg und Philipp Geist.

Alle Bilder, inkl. Titelbild: Markus Altmann