Überall auf der Welt steigen Wohnpreise – und damit auch die Obdachlosigkeit. Hier setzt Andrew Heben an: Sein Opportunity Village Mikro-Wohnprojekt erleichtert Wohnungslosen in Eugene, Oregon, die Rückkehr in die Gesellschaft.

Viele Obdachlose scheitern schon am ersten Schritt zurück in die Gesellschaft, da private Wohnangebote schlicht nicht erschwinglich sind. Hier setzt das Opportunity Village Eugene auf aktive Zusammenarbeit – zwischen Wohnungslosen und Menschen mit einem Dach über dem Kopf.

In den insgesamt 30 Mikro-Wohneinheiten des Oregoner „Dorfs” finden ehemalige Obdachlose, die auf dem regulären Immobilienmarkt sonst chancenlos wären, ein neues Zuhause.

„Damit reagiert unser Projekt vor allem auf die offensichtliche Lücke zwischen einem Leben auf der Straße und konventionellen Wohnangeboten”, so Mitgründer Andrew Heben. „Das Opportunity Village Eugene kann Menschen aus der Obdachlosigkeit holen und ihnen wichtige Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Stabilität, Privatsphäre und ein eigenes Zuhause garantieren.“

„Man muss auch etwas zurückgeben”

Aktuell leben im Opportunity Village Eugene etwa 35 Menschen in 30 Einzel- oder Doppel-„Mikrohäusern“ von 6-8 Quadratmetern. Manchmal helfen die Bewohner sogar beim Bau ihrer eigenen Unterkunft. Während der eigentliche Wohnraum privat bleibt, werden Küche, Bäder und Waschmaschinen von allen „Einwohnern“ gemeinsam genutzt.

Doch wer ein Teil dieser Dorfgemeinschaft werden will, wird vorab geprüft und muss sich bewerben: Das Opportunity Village setzt auf eine starke, enge Gemeinschaft, die Motivation, Engagement und eine soziale Ader voraussetzt.

Denn laut Heben erfordert dieses Wohnmodell „einen gewissen Grad an Kooperation und Beteiligung. Eine Grundregel des Opportunity Village Eugene lautet, dass man auch etwas zurückgeben muss.“

Selbst anpacken motiviert

Unter anderem ist jeder Bewohner des Mikrohaus-Dorfs zu 10 Stunden ehrenamtlicher Arbeit pro Woche verpflichtet – von Schreibtischarbeit und Führungen bis hin zur Teilnahme an offiziellen Dorfversammlungen. Ein Konzept mit überraschendem Nebeneffekt: Die unbezahlte Arbeit fördert und stärkt das Verantwortungs- und Gemeinschaftsgefühl; ein Aspekt, der sonst oft übersehen wird.

„Man könnte denken, dass 30 Obdachlose nur Probleme machen, dass sie kriminell oder gewalttätig werden, aber das Gegenteil ist der Fall. Wenn man einer Gruppe das Gefühl gibt, dass ihnen ein Ort ‚gehört‘, dann haben sie auch ein klares Interesse an einem harmonischen Miteinander – vor allem, wenn es ihre einzige Chance ist. Genau wie wir alle, schätzen sie eine sichere, angenehme Nachbarschaft“, ergänzt Heben.

Pragmatische Gründe für Micro Living

Ausschlaggebend für den Start des Opportunity Village Eugene waren die lokale Occupy-Bewegung – und die nicht zu übersehenden Zeltstädte.

Direkt nach Occupy – und angesichts der verbreiteten Obdachlosigkeit – etablierte die Stadt eine Taskforce zur Beseitigung der Ursachen, um Menschen ohne Wohnung ein Dach über dem Kopf zu geben. So entstand auch das Opportunity Village Eugene und das ursprünglich nur für kurze Zeit ausgelegte Graswurzelprojekt erhielt schon bald weitere, umfangreiche Unterstützung.

Auf den ersten Blick wirken solche kleinen Mikrohaus-Dörfer ähnlich wie Zeltstädte, doch eins sollte man dabei laut Heben nicht vergessen: „Zeltstädte sind illegal und müssen hart für ihr Bestehen kämpfen. Mikrohaus-Dörfer werden toleriert und müssen von ihren Bewohnern nur in Schuss gehalten werden.“
Und während demokratisch organisierte Zeltstädte vor allem im pazifischen Nordwesten der USA zu finden sind, findet das Mikrohaus-Dorf-Prinzip schon auf dem ganzen Kontinent anklang, von Utica (New York) bis zum texanischen Austin.

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Das Mikro-Wohnprojekt Opportunity Village erleichtert Wohnungslosen in Eugene, Oregon, die Rückkehr in die Gesellschaft.

Interesse aus Kanada und Australien

Auch internationale Interessenten melden sich bei Heben: Im kanadischen Victoria und in mehreren australischen Städten sind ähnliche Initiativen in Planung oder zumindest angedacht. „Mikro-Wohneinheiten verdeutlichen die klare Nachfrage nach einer größeren Wohn-Bandbreite: Unterschiedliche Menschen haben einfach ebenso verschiedene Bedürfnisse. Die „Tiny House“-Bewegung steht für den Wunsch nach schlichteren Wohnmöglichkeiten, die auch ohne größere Investitionen funktionieren und mehr persönliche Freiheit bieten.“

Wohnen auf kleinstem Raum gewinnt immer mehr an Popularität. Ob Zeltstädte, Mikrohaus-Dörfer, Minilofts, oder Luxus-Rückzugsorte – Leben auf (relativ) kleinem Raum geht oft mit geringeren Lebenshaltungskosten und mehr persönlicher Freiheit einher.

Die „Tiny House”-Bewegung, dokumentiert u. a. auf Blogs wie thetinylife.com, konzentriert sich dabei auf die architektonischen und sozialen Aspekte und Vorteile kompakter, minimalistischer Unterkünfte.

Und auch wenn der eigentliche Wohnraum winzig ist, so hat dieser Ansatz doch riesiges Potenzial für ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen: Obdachlose, Geflüchtete und andere Menschen in Not.

Alle Bilder inkl. Titelbild: SquareOne Villages