Die Welt fiebert bei der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland mit. Abseits der reinen Begeisterung für die Mannschaften und ihre Stars vergessen wir oft, dass sich im Fußball einiges in Sachen Nachhaltigkeit tut. Wir stellen euch fünf innovative Projekte vor, die zeigen: Auch die Weltmeisterschaft kann ganz grün über die Bühne … äh, über den Platz laufen.

Jeder Schuss ein Watt: Rio de Janeiro auf dem Weg in die Zukunft

Morro da Mineira, eines der ärmsten Viertel Rio de Janeiros, war früher berüchtigt für Gewalt und Drogenhandel. Heute ist die Favela bekannt für einen der innovativsten Fußballplätze der Welt. Wer hier kickt, ist nicht nur Sportler, sondern Motor. Jeder Schritt, jeder Schuss erzeugt Energie. Möglich wird diese Bewegungsmaschine durch 200 Kinetik-Platten, die unter dem Kunstrasen versteckt sind. Tritt einer der Spieler auf eine dieser Platten, entsteht Strom. Der wiederum treibt sechs Flutlichtmasten an, die für die nötige Beleuchtung sorgen.

Jungs spielen Fußball auf einem Sportplatz in Rio de Janeiro
Kein gewöhnlicher Bolzplatz: Die Energie der Spieler wird zu Strom umgewandelt.
Foto: Pavegen

Energie, die nicht verbraucht wird, wird gespeichert. Hinter dieser Technik steckt die britische Firma Pavegen. Wie genau die Technik im Detail  funktioniert, verrät die Firma nicht. Erfolgreich ist sie aber allemal: In Nigeria gibt es mittlerweile einen ähnlichen Platz und auch an rund 150 anderen Orten der Welt, wird mit der Pavegen-Technologie grüne Energie erzeugt. An Flughäfen, Schulen und Bahnhöfen.

Hier ist nicht nur das Trikot grün: der nachhaltigste Verein Englands

Veganes Essen, Ökostrom und Biodünger. Das ist nicht unbedingt das erste, was einem zum Thema Fußball einfällt. Beim englischen Amateurclub Forest Green Rovers, dem ganzen Stolz der kleinen Stadt Nailsworth, ist diese fußballerische Ausnahme jedoch Alltag. Das Flutlicht wird mit Ökostrom betrieben, der Rasen wird mit Seetang gedüngt und mit Regenwasser bewässert. Und während in anderen Stadien Hot Dogs und Burger über die Theke gehen, servieren sie in Nailsworth vegane Kost.

Die Anlage der Forest Green Rovers aus der Vogelperspektive
Die Anlage der Forest Green Rovers ist im wahrsten Sinne des Wortes „grün“.
Foto: Forest Green Rovers
Vegane Stadion Snacks
Das vegane Catering bietet leckere Alternativen zu Currywurst und Pommes.
Foto: Forest Green Rovers

Auch die Spieler machen mit bei der grünen Welle der Rovers. Statt aufgemotzten Rennschlitten fahren sie Elektroautos. Sogar der Rasenmäher der Rovers fährt mit Elektroantrieb – und das nächste Projekt ist bereits in Planung: ein Stadium aus Holz, umweltfreundlich und möglichst klimaneutral. Ein Bau, der die Rovers endgültig an die Weltspitze katapultieren wird. Vielleicht nicht im Fußball, aber in Sachen Nachhaltigkeit auf jeden Fall.

Wo das Gras immer grüner ist: künstlicher Rasen im Stadion

Die Top-Fußballplätze dieser Welt sehen nicht nur gut aus, auf ihnen lässt sich auch hervorragend spielen. Eine neue Generation Rasen ist herangewachsen. Vor allem auf dem Mist der niederländischen Firma Tarkett. Ein Kunstrasen, aus recyceltem Plastik, der nicht gegossen werden muss und auch bei Regen nicht zur Rutschpartie wird. Er braucht keinen Dünger und keine Rasur. Vorteile, die große Clubs wie der FC Barcelona, Paris Saint-Germain, der FC Liverpool und rund 80 weitere Vereine bereits für sich nutzen.

Fußballstadion vor Abendhimmel
Rasen aus Autoreifen? Recycling macht’s möglich.
Foto: Flickr / Michael Holdsworth (CC BY 2.0)

Das Konzept inspirierte jüngst den britischen Club Manchester United dazu, selbst im Recycling-Business tätig zu werden. Gemeinsam mit einem Reifenhersteller installierte der Verein einen Platz, dessen Belag aus rund 2.000 alten Autoreifen besteht.

Hier wird Wind gemacht: wie ein Stadion zum Energieerzeuger wird

In Amsterdam produzieren sie ihren eigenen Strom, zumindest beim Fußball. Auf dem Dach der Amsterdam Arena warten 4.200 Solarpaneele auf einen Sonnenstrahl und eine Windturbine auf ein Lüftchen. Die Fahrstühle der Arena dienen nicht nur als Transportmittel, sondern als Energieerzeuger.

Die gewonnene Bewegungsenergie fließt in den Stadionbetrieb und was nicht gebraucht wird ins hauseigene Stromsystem. Ein System, das aus gebrauchten Autobatterien besteht und auch als Notstromaggregat funktioniert – und das nicht nur für die Arena, sondern auch für die angrenzende Nachbarschaft. Weltweit das erste System dieser Art, zumindest in einem Stadion.

Die menschenleere Amsterdam Arena mit bunten Sitzplätzen
Die Sonne als zukunftsfähiger Energielieferant der Amsterdam Arena.
Foto: Flickr / Enrique Blasco (CC BY 2.0)

Von der Flasche zum Shirt: Sportbekleidung mal anders

Der Trend geht zum recycelten Produkt, auch bei großen Sportartikelherstellern. Während Adidas jüngst einen Schuh aus recyceltem Mikroplastik aus dem Meer vorgestellt hat, setzt Nike seit einiger Zeit auf Fußballtrikots aus gebrauchten PET-Flaschen. Ein Produktionsprozess, in dem aus geschmolzenen Flaschen neue Garne für Trikots entstehen. 13 Flaschen pro Spieler, so die grobe Rechnung.

Drei Outfits der Nike Kollektion aus recycelten PET-Flaschen
Innovatives Design aus PET-Flaschen.
Foto: Nike Inc. (Bild wurde modifziert)

Bisher wurden rund 16 Millionen PET-Flaschen verbraucht, ungefähr soviel wie auf 28 Fußballfelder passt. Wer jetzt neugierig geworden ist auf diese ungewöhnlichen Trikots, der sollte während der Fußballweltmeisterschaft 2018 einschalten. Teams wie Brasilien, England und Portugal werden in den Recycling-Trikots auflaufen. Vielleicht bringen sie ja sogar Glück.