Südkorea setzt Zeichen in Sachen kühner Architektur und Nachhaltigkeit. Wir werfen einen Blick auf herausragende Beispiele, die in die Zukunft weisen, ohne die kulturellen Wurzeln des Landes zu vergessen.

Minimalistisch leben

Im Februar hieß die südkoreanische Stadt Pyeongchang Athletinnen und Athleten aus aller Welt zu den Olympischen Winterspielen willkommen. Im Vorfeld der Spiele gab es jedoch Befürchtungen, dass es nicht ausreichend Unterkünfte für die Besucher geben könnte.

Das Tiny House of Slow Town in Pyeongchang
Eins mit der Landschaft: das Tiny House of Slow Town.
Foto: Moobum Jang

Die Design-Teams von The+Partners und DNC Architects fanden rechtzeitig eine Lösung: ein überschaubar großes Wohnkonzept, das zugleich einfach und funktionell ist. Das Projekt, bekannt als „The Tiny House of Slow Town“ (dt: „Das kleine Haus der langsamen Stadt“), macht vor, wie sich Bauwerke mühelos und im Einklang mit der Natur in umliegende Landschaften einfügen können.

Der besagte Komplex, unweit des Gangneung Olympiaparks, umfasst nur 213 Quadratmeter, verfügt aber über großzügige Fenster, die für ausreichend Tageslicht sorgen und die Räumlichkeiten größer erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind.

Hier kommt die Sonne

Südkorea war lange Zeit ausschließlich von Kohle und Atomkraft abhängig. In den letzten Jahren setzte das Land jedoch immer mehr auf erneuerbare Energien. Es wurden erhebliche Bemühungen unternommen, um die Olympischen Winterspiele so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten, einschließlich der Nutzung von Wind- und Solarenergie an den jeweiligen Veranstaltungsorten.

In der Zentrale von Südkoreas größtem Energieversorger Posco in Incheon haben HG-Architecture eine öffentliche Skulptur errichtet, die als Solarenergiequelle dient. Die Oberfläche der geometrischen Konstruktion erinnert an die eines Tannenzapfens und verfügt über ein geneigtes Dach, um so viel Sonnenlicht wie möglich zu absorbieren. Mit der daraus gewonnenen Energie wird am Abend die Beleuchtung des umliegenden Parks sichergestellt.

Die Skulptur trägt den Namen „Solar Pine“ und ist ein gutes Beispiel für die vielseitigen Möglichkeiten biophiler Architektur. Diese hat es sich zum Ziel gemacht, die Natur nachzuahmen, um die Erscheinung urbaner Landschaften und damit langfristig die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Bewohner zu verbessern.

Die Solar Pines beleuchten den Weg in Incheon
Stylische Energiequelle: Solar Pine in Incheon.
Foto: Kyungsub Shin

Bauen im Einklang mit der Natur

Ein weiteres Beispiel für biophile Bauweise ist der schwimmende Fährhafen Yeoui-Naru. Die Idee stammt vom belgischen Öko-Architekten Vincent Callebaut, allerdings ist die Idee vorerst nur ein Plan.

Mit baumartigen Windturbinen, Solarmodulen auf dem Dach und einer Form, die einem Mantarochen gleicht, ist die Anlage so strukturiert, dass sie sich im Falle von Hochwasser mit dem Wasserspiegel anheben und schwimmen würde. Das Konzept von Callebaut soll auch dazu beitragen, die unbeständigen, nahe gelegenen Flussufer und damit Flora und Fauna zu schützen – ein Paradebeispiel dafür, was eine widerstandsfähige Architektur zu leisten vermag.

Das Baukonzept des Fährterminals gleicht der Form eines Rochen
Inspiriert von der Rochenform: Das Konzept des Fährterminals …
Foto: Vincent Callebaut
Die Unterseite des zukünftigen Fährterminals
… könnte schon bald in Seouls Yeouido Han River Park realisiert werden.
Foto: Vincent Callebaut

Hoch hinaus

Wer sich fragt, wie Piloten ihre freie Zeit auf festem Boden verbringen, könnte mit dem Flying House in Incheon die Antwort finden. Das Gebäude mit der leicht angehobenen Bauweise wurde entworfen vom südkoreanischen Architekturbüro IROJE KHM und wirkt, als sei es bereit zum Abflug. Die Außentreppe und der Dachgarten, der als zusätzlicher, offener Raum zwischen Straße und Himmel fungiert, vermitteln den Bewohnern – einem jungen Piloten und seiner Familie das Gefühl, in der Luft zu sein, ohne dafür das Haus verlassen zu müssen.

Den Architekten ist es gelungen, einerseits Elemente der klassisch-koreanischen Architektur, wie  einen Madang-Innenhof und traditionell geschwungene Dächer, zu integrieren und gleichzeitig aufzuzeigen, wie modernes, zeitgenössisches Design zwischen der vom Menschen gestalteten Umwelt und der Natur vermitteln kann.

Das "Fliegende Haus" in Incheon
Das war klar: Der Besitzer dieses Hauses arbeitet als Pilot.
Foto: Sergio Pirrone
Das "Flying House" vor der Skyline von Incheon
The Flying House: Tradition und Moderne treffen aufeinander.
Foto: Sergio Pirrone

In Bewegung

Inspiriert von traditioneller Architektur wird der Übergang zu neuartigem Design geebnet. Urbantainer verwenden bereits seit 2009 Fertigbaumethoden, um urbanen Landschaften neues Leben einzuhauchen. Eines ihrer jüngsten Projekte ist Common Ground – eines von Südkoreas größten Einkaufszentren, erbaut aus 200 Schiffscontainern auf ungenutztem Land.

Durch die Herstellung der einzelnen Module in einer Fabrik, den Transport und die einfache Montage vor Ort reduzieren Urbantainer nicht nur die Bauzeit, sondern möglicherweise auch die Belastung für die Umwelt – Neubau und Abriss von Gebäuden gehen mit einer enormen CO2-Belastung einher.

Südkorea hat das Ziel, seine Emissionen bis 2030 um 37 Prozent zu reduzieren. Mobile Schiffscontainer sind aufgrund ihrer temporären Einsatzmöglichkeiten ideal für Pop-up-Restaurants, Nachtclubs und Geschäfte. Sobald ein Gebäude seinen Zweck erfüllt hat, kann es auseinander genommen und woanders neu aufgebaut werden.

Das Restaurant auf dem Deck des Urbantainers
Lunch mit Aussicht: die Terrasse der weltgrößten Container-Mall.
Foto: Kyungsub Shin