Wenn innerhalb der Stadt kein Platz mehr für Grünflächen ist, muss man kreativ werden. So wie die Macher der „Lowline“ in New York – des ersten unterirdischen Parks der Welt.

1,6 Millionen Menschen leben in Manhattan. Jeder Quadratkilometer der Insel wird genutzt. Gebaut wird fast nur noch in der Vertikalen. Man könnte sagen: Manhattan platzt aus allen Nähten.

Da bleibt für eines immer weniger Platz: Natur. Doch die Menschen brauchen begrünte Stadtflächen: Um runterzukommen, auszuspannen, um der Hektik der Großstadt zu entfliehen. Aber wie holt man das Grün zurück an einen Ort, wo Platz Mangelware geworden ist?

Unterirdischer Baum in New York
Pflanzen wachsen im Untergrund: mit Lowline.
Foto: Lizzy Zevallos / The Lowline

Den Freunden James Ramsey, einem ehemaligen NASA-Ingenieur, und Dan Barasch, der bei Google im Marketing arbeitete, kam eine Idee: Wenn die Stadt keinen Platz mehr bietet, warum dann nicht einen unterirdischen Park bauen?

Ein Baum unter der Erde in New York
Ein Spiegelsystem bringt Tageslicht unter die Erde.
Foto: The Lowline
Konstruktion von Lowline in New York
Foto: Lizzy Zevallos / The Lowline
Menschen im unterirdischen Park in New York
Foto: Monzeeki / The Lowline
Das Labor von Lowline
Foto: Nina LoSchiavo
Botanischer Garten unter der Erde
Foto: The Lowline
Unterirdischer Park
Foto: Andrew Einhorn / The Lowline

Tiefergelegt

Die Idee zur Lowline war geboren. Der Name Lowline ist angelehnt an die High Line im Westen Manhattans. Diese zwei Kilometer lange, stillgelegte Güterzugtrasse wurde zu einem Park umfunktioniert und lockt seit 2014 jährlich fünf Millionen Besucher an.

Ramsey und Barasch fanden zufällig den perfekten Ort für ihr Projekt – unterhalb der Williamsburg Bridge: eine ehemalige Endhaltestelle der bereits 1948 stillgelegten Bahnverbindung zwischen Manhattan und Brooklyn. Insgesamt 5.500 Quadratmeter warten hier darauf, begrünt zu werden.

Unterirdische Ausstellung in New York
Wie eine andere Welt: der unterirdische Park.
Foto: Jami York

Mit Bäumen und Picknicktischen hat der erste unterirdische Park der Welt allerdings wenig zu tun. Die beiden Freunde haben die Vision eines botanischen Gartens, der das ganze Jahr grünt und blüht. Der 38-jährige Ramsey hat bereits ein innovatives Lichtsystem entwickelt, das über Sonnenlichtkollektoren das Tageslicht in das ehemalige Bahnterminal leitet. Dort wird das Licht über reflektierende, kuppelförmige Einbauten weiterverteilt.

Ramsey und Barasch sehen in der Technologie einen wissenschaftlichen Meilenstein – mit Potenzial für viele weitere Anwendungsmöglichkeiten. So können zum Beispiel karge Schulgebäude, große Hallen oder Kellerräume mit frischem Grün aufgewertet werden.

Lowline: Ein unterirdischer Park in New York
Die Vision für Lowline: ein großflächiger Park unter der Stadt.
Foto: RAAD / The Lowline

Das Lowline Lab

Doch bis zur geplanten Eröffnung im Jahr 2020 stehen den beiden noch viele Hürden bevor. Zurzeit testen sie ihr Vorhaben, zwei Blocks von der Williamsburg Bridge entfernt. Das Lowline Lab hat zwar nur ein Fünftel der angepeilten Gesamtfläche des geplanten Parks, doch seit Oktober 2015 können sich Besucher hier bereits einen Eindruck von den Möglichkeiten eines unterirdischen Parks machen. In dem roten Backsteingebäude wachsen mehr als 3.000 Pflanzen, von Efeutute über Gabelzahnmoos bis hin zu Breitblättrigem Pfeilkraut. Die Initiatoren probieren aus, was unterirdisch gut gedeiht und was nicht. Die Überraschung: Erdbeeren lassen sich den ganzen Winter über ernten.

Anwohner unterhalten sich beim Crowdfunding-Event von Lowline
Auf dem Crowdfunding-Event konnten die Anwohner das Projekt kennenlernen.
Foto: Monzeeki / The Lowline

Außerdem dient die Halle als Begegnungsstätte für die Bevölkerung. Dabei zieht das grüne Projekt vor allem junge Menschen an. Die meisten Besucher sind zwischen 19 und 34 Jahren alt. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist für die beiden Macher aktuell, die unmittelbaren Anwohner von dem Vorhaben zu überzeugen. Regelmäßig finden Workshops statt. Geplant ist, dass die New Yorker vor Baubeginn die Möglichkeit erhalten, über Designfragen der Lowline abzustimmen.

Bis Ende Februar hatte das Lowline Lab geöffnet. Jetzt geht es für das Team um Ramsey und Barasch in die nächste Phase.

Ausstellung von Lowline
Ausflüge, Yoga-Kurse, Urban Gardening …
Foto: The Lowline
Yoga im unterirdischen Park
… der unterirdische Park bietet viele Nutzungsmöglichkeiten.
Foto: Marlaina Lutz
Kinder im unterirdischen Park
Foto: Monzeeki / The Lowline
Kinder lernen im Park Lowline
Foto: Monzeeki / The Lowline

Zehn Millionen Dollar bis zum Sommer

Die Stadt gab im Sommer 2016 grünes Licht für die Lowline – mit der Auflage, innerhalb eines Jahres rund zehn Millionen Dollar zu sammeln. Dies entspricht einem Bruchteil der Gesamtkosten, die nach derzeitigem Stand auf 80 Millionen Dollar geschätzt werden. Dabei ist das Lowline-Team vor allem auf Spenden angewiesen – die Stadt selbst möchte sich nicht beteiligen. Eine Kickstarterkampagne hatte dem Projekt bereits 225.000 Dollar eingebracht.

Für Ramsey und Barasch ist die Finanzierung aber bisher kein Grund zur Sorge. Dem Stadtportal dnainfo.com gegenüber gaben sie sich optimistisch: „Wir werden ab jetzt einfach noch mehr Gas geben als bisher.“

Unterirdischer Park in New York
Die Zukunft ist grün – auch unterirdisch.
Foto: mike CC BY 2.0, via Flickr