Bis 2030 wird die Londoner Bevölkerung auf voraussichtlich 10 Millionen ansteigen. Für die britische Hauptstadt, die schon jetzt zu den hektischsten Metropolen der Welt zählt, bedeutet das Handlungsbedarf – vor allem hinsichtlich der Grünflächen.

Die gute Nachricht ist, dass London dank einer ganzen Reihe neuer Initiativen auf dem besten Weg ist, eine der grünsten und nachhaltigsten Städte weltweit zu werden. Tatsächlich wird die Metropole 2019 sogar zur ersten National Park City ernannt werden – ein Projekt, das darauf abzielt, Städte grüner zu gestalten. Bis 2050 sollen grüne und blaue Flächen – in Form von Parkanlagen und Gewässern – mindestens die Hälfte des Stadtgebiets ausmachen. Derzeit sind es 47 Prozent. Die Kampagne war so erfolgreich, dass die Organisatoren eine weitere Initiative ins Leben gerufen haben, die zusätzlich neun Millionen Wildblumen in der Stadt pflanzen wird.

Skyline von London
Mehr Stadtnatur: Londons Zukunft ist grün.
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London soll auch in Zukunft lebenswert bleiben

Laut David Elliott, dem Leiter der Charity-Organisation Trees for Cities, geht es bei National Park City besonders darum, für mehr Aufmerksamkeit und ein neues Bewusstsein zu sorgen. „Es ist toll, dass das Thema endlich bei den Menschen ankommt“, sagt er. „Grünflächen werden oft als nice to have, aber nicht als essentiell angesehen, etwa wegen dringlicheren Bedürfnissen in der Wirtschaft.

Aber die Realität ist, dass immer mehr Verständnis dafür herrscht, dass Grünflächen und der Zugang zur Natur zu einer höheren Lebensqualität beitragen. Mit der stetig wachsenden Bevölkerung geht es vor allem darum, wie wir das Leben hier auch in Zukunft für alle lebenswert gestalten können.“

Grünflächen gegen soziale Ungleichheit

Die Charity-Organisation Trees for Cities pflanzt seit ihrer Gründung vor 25 Jahren Bäume in ganz Großbritannien und weltweit. Mit Fokus auf urbane Gebiete begrünen sie Straßen, Parks, Wohnsiedlungen und Schulen. „Mentale Gesundheit und der Zusammenhalt innerhalb einer Gemeinschaft können durch die Verbesserung des Umfelds positiv beeinflusst werden“, sagt er. „In London herrschen überall große Gegensätze. Das gilt auch für die Grünflächen. Viele der am stärksten von Armut betroffenen Gebiete haben auch das größte Defizit an eben solchen zu verzeichnen. Die Entwicklung muss deswegen vor allem in sozialen Brennpunkten gefördert werden.“

die Themse umgeben von grünen Bäumen
Alt trifft auf neu – mit vielen Parkflächen.
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Ein grünes Silicon Valley

David ist Mitglied der London Sustainable Development Commission, die den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan berät, wie die Stadt entsprechend ihres Wachstums nachhaltiger gestaltet werden kann. „Grünere Finanzierungswege und die Schaffung einer neuen nachhaltigen Technologieanlage sind einige unserer Themen – ein grünes Silicon Valley sozusagen – weil Green Tech auch in Zukunft ein Schlüsselelement der nachhaltigen Wirtschaft sein wird.“

Seit dem Amtsantritt des Bürgermeisters im Jahr 2016 stehen diese Themen ganz oben auf der Agenda. Das Hauptaugenmerk gilt der Initiative „National Park City“, die er mit seinem Greener City Fund unterstützt. 9 Millionen Pfund fließen in die Finanzierung solcher Initiativen. Dazu zählt gegenwärtig auch ein Gemeinschaftsgarten neben einer Schule, die nach dem Brand im Grenfell Tower 2017 verlegt wurde.

Vision eines Fahrrad-Highways in London
Londons Vision eines Fahrrad-Highways.
Foto: Foster & Partners

Die Stadt als emissionsarme Zone

Auch das Verkehrswesen spielt für ihn eine entscheidende Rolle bei der langfristig nachhaltigen Stadtplanung, vor allem wenn es darum geht, die negativen Auswirkungen auf die Luftqualität gering zu halten. Im März 2018 führte Khan die T-Charge ein – eine Gebühr in Höhe von 10 Pfund pro Tag für ältere Fahrzeuge im Zentrum Londons. Ziel ist es, so eine Zone mit möglichst geringer Emissionsbelastung in der Stadt zu schaffen, die bis 2021 auch auf umliegende Bezirke ausgeweitet werden soll.

Die Londoner werden außerdem dazu angehalten, wieder öfter Fahrrad zu fahren. Die Stadt verfügt bereits über ein gut ausgebautes Netz von eigens dafür angelegten Fahrradwegen von den Außenbezirken in und durch das Stadtzentrum. Derzeit werden zwei weitere Routen gebaut, die jeweils von Norden nach Süden und von Osten nach Westen verlaufen. Die bestehenden Wege werden viel und gerne genutzt – die Bevölkerung macht das Beste aus diesen neuartigen Verkehrsadern.

Lichtblick für eine positive und grüne Zukunft

Die Zukunft sieht vielversprechend aus, aber der Schlüssel dafür sind weitere Investitionen. „Die Millennials sind in Bezug auf ihr Bewusstsein einen gewaltigen Schritt vorwärts gekommen, das ist ein Lichtblick für die Zukunft“, sagt David. „Die nächste Zeit wird entscheidend sein.“