Mit ihrem Blog „Trash is for Tossers“ („Müll ist für Idioten“) dokumentiert Lauren Singer ihr so gut wie abfallfreies Leben. Mit Geschichten und DIY-Anleitungen begeisterte sie rasch eine Vielzahl internationaler Anhänger. Jetzt überträgt sie ihre Philosophie in die reale Welt: Der Pop-up-Shop „Package Free“ in Brooklyn verkauft nachhaltige Produkte ohne Verpackung.

Den Müll rauszubringen ist für die meisten Menschen eine alltägliche Angelegenheit – nicht so für Lauren Singer. Die 26-Jährige aus Brooklyn produziert seit vier Jahren keinen Abfall mehr. In ihrem Blog „Trash is for Tossers“ berichtet sie von ihrem Leben und ihren Recyclingideen.

Nach ihrem großen Erfolg online transportierte Singer ihr Engagement kürzlich in die reale Welt – mit ihrem Ladenkonzept Package Free in Williamsburg. Hier verkauft sie hunderte Produkte, die Menschen dabei unterstützen, ihre eigene Müllproduktion einzudämmen. Der Shop ist eine bedeutsame Veränderung für die Bloggerin, die sich nun statt mit digitalen Avataren auch mit echten Gesichtern unterhalten kann.

„Wenn man einen Blog schreibt, gibt es Menschen, die einem folgen – aber eigentlich sind das nur Namen und Nummern auf einem Bildschirm“, sagt Singer. „Wenn aber Tausende in deinen Laden kommen, dann spürst du, dass da echte Leute sind, die sich Gedanken machen und wirklich handeln.“

Der Laden Package Free in Brooklyn
Kunden können eine Welt verpackungsfreier Produkte entdecken.

Vom Blog nach Brooklyn

Geplant war der Shop als temporäres Pop-up von Mai bis August. Motiviert durch den großen Erfolg erweiterten Singer und ihr Partner, der Modedesigner Daniel Silverstein, den Shop jedoch zu einem US-weiten Konzept. Ihre eigenen Prognosen haben die beiden schon jetzt weit übertroffen. Um mit der Nachfrage Schritt zu halten, haben sie zusätzlich einen Online-Shop ins Leben gerufen.

Singer betont, dass es keinen allgemeingültigen Startpunkt für ein Leben ohne Müll gebe. Ihr zufolge beginnt der Weg mit einer einfachen Bestandsaufnahme der eigenen Müllproduktion. Auch der totale Verzicht sei nicht notwendig, denn schon kleine Veränderungen helfen.

„Ich schlage eigentlich kein Produkt vor, mit dem man anfangen sollte. Mein erster Rat ist, das eigene Leben und den eigenen Müll unter die Lupe zu nehmen, um zu sehen, was man da alles wegschmeißt. Dann weiß man eigentlich schnell, wo man ansetzen kann“, sagt Singer.

Produkte aus Plastikflaschen sind natürlich einfach zu vermeiden. Jedoch wären laut Singer die meisten Menschen überrascht, für wie viele alltäglich genutzte Produkte sich grüne Alternativen finden lassen. Eines der Produkthighlights ist das schicke Skateboard von Bureo. Die chilenische Initiative bereinigt das Meer von alten Fischnetzen und presst aus diesem Abfall seine Skateboards.

Lauren Singers Pop-Up-Laden Package Free
Die Botschaft an der Wand: Stell dir vor, es gäbe keinen Müll.

Verpackungslose Produkte, die man wirklich haben will

„Das gängigste Vorurteil gegenüber einem nachhaltigen Lebensstil ist, dass er ausschließlich teuer ist“, weiß Singer. „Dabei kostet das günstigste Produkt bei uns im Laden gerade mal einen Dollar und keins ist teurer als 200 Dollar. Nachhaltigkeit bedeutet nicht, unnötig Geld auszugeben. Jeder kann mitmachen – egal, wer man ist oder wieviel man verdient.“

Durch ihren Blog hat Singer Kontakte zu den führenden Recycling-Firmen der Branche geknüpft. Für sie sind die Marken, die sie führt, keine gesichtslosen Unternehmen, sondern Freunde, mit denen sie viel verbindet. Zu den beliebtesten Produkten gehören Bambus-Zahnbürsten, wiederverwertbare Kaffeebecher und biologisch abbaubare Zahnseide, aber auch Produkte, die schwerer zu finden sind, wie verpackungsloses Make-up.

Eine der größten Herausforderungen ihres Zero-Waste-Lebensstils ist es, die richtige Kleidung zu entdecken. Auf der Suche nach einem Outfit für ihren 23. Geburtstag nahm sie Kontakt zu Modedesigner Daniel Silverstein auf, Gründer der Marke „Zero Waste Daniel“ und Finalist der US-amerikanischen Show „Fashion Star“ auf NBC. Aus dem ersten Treffen wurde eine Freundschaft. Und wie so viele gute Ideen entstand auch die von Package Free bei Drinks in einer Bar.

„Daniel verkaufte seine Kleidung an Orten, an denen alle möglichen Designer vertreten waren“, erinnert sich Singer. „Er machte nachhaltige Kleidung, aber die Leute interessierten sich nicht wirklich für Nachhaltigkeit.“ Zusammen gründeten sie Package Free. Heute nennt Singer Silverstein scherzhaft „Arbeits-Ehemann“. Seine Kleidung, von Jogginghosen bis zu Sweatshirts mit den Namen „waste’d“ und „trash-ey“ (Wortspiele aus den englischen Begriffen „waste“ und „wasted“ – Verschwendung und betrunken sein bzw. und „trash“ und „trashy“, die mit Müll und billig zu übersetzen sind), füllen die Regale im Shop.

Daniel Silverstein und Lauren Singer sitzen auf dem Boden mit Produkten von Package Free
Eröffneten den Pop-up-Shop: Daniel Silverstein und Lauren Singer.

Einfach selbermachen

Für die meisten Konsumenten ist es dennoch eine Überwindung, nachhaltig hergestellte Kleidung zu kaufen, obwohl es einfach ist, seinen ökologischen Fußabdruck mit der entsprechenden Kleidung zu verringern. Second-Hand zu kaufen oder mit Freunden zu tauschen sind zwei gute Beispiele, unnötige Verpackungen zu vermeiden.

Eine der besten Do-It-Yourself-Ideen sei laut Singer hausgemachte Zahnpasta. Die reduziert nicht nur den Verpackungsmüll, sondern kommt auch ohne gefährliche Chemikalien wie Schäumungsmittel aus. In nur 30 Sekunden ist sie aus Kokosnussöl, Backpulver, ätherischem Pfefferminzöl und Stevia angemischt – überraschend einfach.

„Die größte Herausforderung ist die Annahme, es sei schwierig“, fügt Singer hinzu. „Nichts an diesem Lebensstil ist kompliziert, nur glauben die Menschen, sie müssten verzichten. Meiner Erfahrung nach gewinnt man allerdings nur.“