Ein Sommer in der Stadt ist gefüllt mit Tagträumen von tropischen Inseln am Ende der Welt, Infinity Pools oder idyllischen Häuschen am See. Einige glückliche Stadtpflanzen unter uns mussten in diesem Jahr aber gar nicht weit reisen. Spektakuläre Kunstwerke verwandelten Parks und Plätze in kleine Oasen und Orte zum Träumen. Weil’s so schön war, werfen wir nochmal einen Blick zurück.

Parthenon der Bücher, Kassel

Wer ein bisschen Athen-Luft schnuppern wollte, ohne unter der griechischen Sommerhitze zu leiden, konnte diesen Sommer nach Kassel fahren. Dort war das Parthenon – in Originalgröße nachgebaut – zu bestaunen. Nur nicht aus Marmor, sondern aus verbotenen Büchern.

Die Installation reist um die Welt und wurde in Kassel im Rahmen der Kunstmesse documenta 14 von der argentinischen Künstlerin Marta Minujín nachgebaut. Die Säulen der luftigen Struktur bestehen aus Büchern, die in unterschiedlichen Ländern von der Zensur betroffen sind.

Panthenon aus Büchern bei Nacht
Säulen – verkleidet mit verbotener Literatur.
Foto: Roman Maerz

No Such Things Grow Here, München

Das von der Stadt München finanzierte Projekt verwandelte für einen Monat öffentliche Orte in kleine Tropenparadiese. Unter dem Titel „No Such Things Grow Here” wurden drei Münchner Plätze mit nicht-heimischen Pflanzen wie Palmen oder Bananenstauden begrünt.

Ziel der Künstlerin Susi Gelb war es, den öffentlichen Raum unter neuem Blickwinkel erlebbar zu machen. Und so hatten Besucher das seltene Vergnügen, es sich mitten in München unter einer Palme bequem machen zu können.

Descension, Brooklyn

Der visionäre Künstler Anish Kapoor steckt hinter der Installation „Descension”: einem (scheinbar) endlosen Wasserstrudel. Kapoor inszenierte das Kunstwerk bereits zum dritten Mal, diesmal am Ufer des East River in Brooklyn – als thematische Erweiterung des Flusses. Ursprünglich sollte das Werk ein schwarzes Loch darstellen, wurde für den Standort jedoch als Strudel mit natürlichem Wasser inszeniert.

unendlicher Wasserstrudel "Descension"
Unwirklich? Nicht ganz!
Foto: James Ewing
Menschen stehen um den Wasserstrudel herum
Der riesige Strudel fasziniert.
Foto: James Ewing

Unterirdische Zisternen, Kopenhagen

Wer sprichwörtlich auf neuen Pfaden wandeln möchte, sollte sich in Kopenhagens Unterwelt begeben. Die Zisternen unter dem bekannten Søndermarken Park, die einst als Trinkwasserspeicher genutzt wurden, sind von Hiroshi Sambuichi in einen besonderen Ausstellungsort verwandelt worden.

Sambuichis Arbeiten reflektieren nicht nur die Umgebung, sondern feiern auch das 150-jährige Bestehen diplomatischer Beziehungen zwischen Dänemark und Japan.

Pflanzen in der unterirdirdischen Zisterne
Platz für eindrucksvolle Kunst unter der Stadt.
Foto: Jens Markus Lindhe, www.cisternerne.dk

Pinwheel Flower Garden, Brooklyn

Der volle Zauber der wunderbaren Windmühlen-Installation im Prospect Garden von Brooklyn offenbarte sich erst auf den zweiten Blick. Das spielerische Kunstwerk ähnelte einem leuchtend gelben Blumenfeld. Anlässlich des 150. Jubiläums des Prospect Park lud das Projekt eine Community von Anwohnern und Besuchern dazu ein, eigene Kunstwerke einzureichen.

Aus den Bildern wurden Windrädchen gefaltet – allesamt auf der Außenseite knallgelb. Die gemeinschaftliche Installation mit 7.000 Windmühlen war vom 12. bis 25. August zu bewundern.

Gelbe Stühle umgeben von kleinen gelben Windrädern
Ein Gemeinschaftskunstwerk: die Windrädchen im Prospect Garden.
Foto: Area4 Amanda Gentile

Open House, New York City

Für alle, die noch nie in den Genuss kamen, in einer luxuriösen viktorianischen Villen lustwandeln zu können – Liz Glynns Installation Open House machte es möglich: auf einem New Yorker Bürgersteig.

Bestehend aus verschiedenen Stühlen und Eingangsportalen am südöstlichen Ende des Central Parks, kritisierte das Kunstwerk auf clevere Weise Klassenunterschiede im öffentlichen Raum. Wie? Mit antikem Luxusmobiliar – aus Beton.

Möbel aus Beton auf der Straße
Viktorianische Möbel – aus Beton.
Foto: James Ewing, mit freundlicher Genehmigung von Public Art Fund, New York

Support, Venedig

Wer im Wasser Venedigs ein Paar riesige Hände entdeckte – keine Panik. Es handelt sich nicht um ein pastahungriges Meeresungeheuer, sondern um eine Skulptur des italienischen Künstlers Lorenzo Quinn.

Das Werk mit dem Titel „Support” soll die Aufmerksamkeit auf die Gefahren des steigenden Meeresspiegels lenken – eine aktuelle Thematik für Venedig, den Gastgeber der Biennale, des zweijährlich stattfindenden Kunstfestivals. Durch ihre beeindruckende Größe reichen die Hände bis zum dritten Stockwerk des Ca’Sagrado Hotels, als wollten sie das Gebäude stützen.

weiße Hände langen zum Ca'Sagrado-Hotel in Venedig
Übergroße Hände in Venedig.
Foto: Lorenzo Quinn 2017
weiße Hände stützen scheinbar das Hotel
Die Skulptur scheint das Gebäude zu stützen.
Foto: Lorenzo Quinn 2017