Mit dem smart lab betreibt Daimler einen hauseigenen Thinktank für die Entwicklung digitaler Angebote rund um die smart Modelle. Denk-Grenzen werden dabei vorerst keine gesteckt. Jakob Luickhardt, Chief Portfolio Officer des smart lab, organisiert die Arbeit des Teams in Deutschland und darüber hinaus.

Als wir Jakob Luickhardt treffen, steht er in einer Menschenmenge vor einer kleinen Outdoorbühne. Er ist Teil der Jury des Future Cities Pitch, einem Start-up-Wettbewerb des Tech Open Air 2017 (TOA). Auf der Bühne präsentierten junge Innovatoren ihre Ideen für die urbane Welt, die Luickhardt mit seinen Jurykollegen bewerten muss. Danach legt ein DJ auf dem Dach eines alten Busses auf und schickt Elektroklänge über das direkt an der Spree auf dem Areal des alten DDR-Radio-Sendehauses gelegene Festival. Bevor Luickhardt am Mittag in einem eigenen Vortrag die smart „ready to“-Services präsentiert, erzählt er uns im Interview vom Weg des smart lab von der ersten Idee bis zu den aktuell laufenden Betatests.

Herr Luickhardt, früher haben sich Automarken hauptsächlich auf die klassischen Automessen konzentriert, heute sind Sie auch auf allen wichtigen Festivals der Tech- und Internetbranche präsent. Fühlen Sie sich hier auf dem Tech Open Air genauso wohl wie auf einer IAA?
Jakob Luickhardt: Ich gebe zu, ich besuche gerne auch klassische Autoshows. Ich mag schöne Autos. Aber hier auf dem TOA herrscht noch einmal eine ganz andere Dynamik und Energie. Es macht Spaß, ein Teil davon zu sein.

Die Jurymitglieder des „Future Cities“ Pitch-Wettbewerbs
In der Jury des „Future Cities“ Pitch-Wettbewerbs.
Jakob Luickhardt in der Jury
Die Jurymitglieder diskutieren

Sie haben gerade in der Jury des Future Cities Pitch junge Start-ups bewertet. Eines startete seinen Pitch mit der Aussage, die Autoindustrie stecke noch in der Vergangenheit. Was entgegnen Sie auf einen solchen Vorwurf?
Jakob Luickhardt: Daimler und smart arbeiten bewusst zukunftsorientiert. Wir sind uns der Herausforderung bewusst, schneller auf sich verändernde Kundenbedürfnisse reagieren zu müssen und besser mit der zunehmenden Vernetzung und ganz neuen Informationsflüssen umzugehen. Wir arbeiten daran, auch über die nächsten 130 Jahre der individuellen Mobilität nachhaltig und innovativ zu gestalten.

Was bedeutet diese Strategie konkret für smart?
Jakob Luickhardt: Wir entwickeln den smart zum ultimativen urbanen Assistenten. Eins steht fest: Er wird customized sein. Wir vom smart lab gehen jetzt die ersten Schritte. Unsere Ideen und die bisherigen Services wie smart „ready to drop“, smart „ready to share“ oder smart „ready to park+“ bringen wir jetzt mit unserem Betatest in die nächste Phase. Dabei muss sich jede Idee vor dem Kunden beweisen und sich ihre Region erkämpfen.

Jakob Luickhardt vom smart lab während seiner Präsentation beim Tech Open Air
Jakob Luickhardt auf der Innovation Stage des Tech Open Air.

In Italien haben Sie erst kürzlich die Arbeit an den smart „ready to“-Services begonnen. Welche Impulse erwarten Sie sich von dort?
Jakob Luickhardt: Italien ist einer unserer stärksten Endkundenmärkte und Rom die smart Stadt schlechthin. Der smart prägt das Stadtbild, es gibt mehr als 100.000 smart allein in dieser Stadt. Allerdings: Man kann in Rom so gut wie nicht parken. Ein guter Freund aus Italien vergleicht Parken in Rom mit Wasser in der Wüste. Wer da eine Lösung anbietet, ist King. Da wollen wir tiefer mit einsteigen. Wir haben deshalb ganz bewusst das italienische smart lab eröffnet – von Italienern für Italiener. So werden wir den Besonderheiten und Facetten eines südländischen Marktes gerecht. Von unseren italienischen Kollegen können wir noch das eine oder andere lernen. Zum Beispiel, dass es beim Sharing weniger darum geht, rational Kosten zu teilen, sondern auch um ein bisschen mehr Amore. Es geht um ein gemeinschaftliches urbanes Leben. Das Teilen steht im Vordergrund.

Im Gegensatz zu Italien ist China ein relativ junger Markt für smart. Kürzlich waren Sie auch dort zu Besuch – welche Eindrücke haben Sie mitgenommen?
Jakob Luickhardt: Der chinesische Markt wird immer relevanter für smart, da unser Absatz dort stetig wächst. Auch die chinesischen Kunden geben uns viele wichtige Impulse, die Menschen dort sind mit der digitalen Vernetzung viel weiter. Man kann überall mit dem Smartphone bezahlen und digitale Dienstleistungen buchen. Das ist dort alles gelebte Realität. Hier die Verlinkung mit dem Auto hinzukriegen, wird sehr spannend.

Jakob Luickhardt spricht mit Besuchern des TOA nach seinem Talk
Jakob Luickhardt auf dem Berliner Tech Open Air …
Jakob Luickhardt diskutiert mit einem Besucher des TOA
… und im Austausch mit Zuhörern nach seinem Talk.

Wie nutzen Sie diese Erkenntnisse, um die smart „ready to“-Services lokal maßzuschneidern?
Jakob Luickhardt: Wir haben das Ziel, das Leben für die Menschen in den Städten weltweit zu vereinfachen. Das ist unsere große Vision. Natürlich hat jede Stadt, jede Region, ihre Besonderheiten. Berlin kann nicht mit Peking verglichen werden. Wir glauben deshalb, dass es ein Bündel braucht, ein Ökosystem an cleveren Lösungen rund um das Auto und die Mobilität. Am Ende muss der Nutzer in seinem urbanen Umfeld selber entscheiden, welche Features ihm Vorteile bringen. Habe ich Schwierigkeiten, Pakete zu erhalten, oder gibt es wie in Peking Kennzeichenbeschränkungen, die an bestimmten Tagen nur gerade oder ungerade Ziffern in die Stadt fahren lässt? Jeder Nutzer stellt sich das zusammen, was er braucht. So wie Apps auf dem Smartphone.

Ihr Vortrag auf der Innovation Stage des Tech Open Air heißt „Co-creating the mobility future now“. Mit wem wollen Sie die Zukunft gemeinsam entwickeln?
Jakob Luickhardt: Mit den Kunden. Die Kunden früh zu involvieren ist in unseren Augen die beste Art und Weise, um sicherzustellen, dass unser Produkt genau den Anforderungen der Zielgruppe entspricht. Das ist die neue Realität: Die Konsumenten und Nutzer emanzipieren sich, sie haben Lust auf Teilhabe. Wir sprechen hier nicht von kleinen Verbesserungen, es resultieren wirklich starke Features aus der Zusammenarbeit mit unseren Betatestern. Wir wollen uns nicht nur vom Autohersteller zum Mobilitätsdienstleister, sondern ganz allgemein zu einem urbanen Problemlöser 2.0. entwickeln.

Jakob Luickhardt im Interview
Jakob Luickhardt ebnet dem smart lab den Weg in internationale Märkte.
Jakob Luickhardt vom smart lab
Jakob Luickhardt, Chief Portfolio Officer des smart lab

Kann man diese Idee weiterdenken und die smart „ready to“-Services zukünftig als eine offene Entwicklerplattform betrachten?
Jakob Luickhardt: Wir stehen da am Anfang. Das Thema Connected Car ist noch relativ jung. Bei unseren Eigenprojekten smart „ready to drop“ oder smart „ready to share“ hatten wir den Vorteil unserer Kooperation mit car2go und über acht Jahre Erfahrung mit der Technologie der Connectivity-Box, einem digitalen Transmitter an der Windschutzscheibe des smart. Perspektivisch werden wir uns aber öffnen und auch Entwicklern von außen Zugang gewähren. Es werden auch weiterhin gute Ideen in unserer eigenen Küche entstehen. Gleichzeitig sind wir in regem Austausch mit Partnern, woraus sich sehr interessante Ideen ergeben.