Wer im smart fährt, soll zum Teil der Stadt werden, sagt smart Interieur Designer Matthias Gottwald. Dafür hat er lange über das optimale Verhältnis innerer und äußerer Werte nachgedacht. Das Ergebnis: Der neue smart ist immer noch das kleinste Stadtauto, auch wenn es sich innen zwei Nummern größer anfühlt.

Um an Innovationen zu arbeiten, ist der Schreibtisch im smart Designstudio in Böblingen ein guter Ort. Auch, wenn Matthias Gottwald in manchen Phasen dort nur physisch anwesend ist. In seiner Vorstellung besucht der verantwortliche Interieur Designer von smart dann Orte mit besonderen bionischen Phänomenen: Gärten, Wälder und Berge, deren Pflanzen neue Formideen liefern können. Oder Island und dessen magische Vulkanformationen. Auch das wichtigste Detail des neuen smart Designs wurde von einer der stärksten natürlichen Symbiosen von Form und Funktion inspiriert: der Bienenwabe.

smart magazine: Herr Gottwald, die neuen smart sind als zweisitziger fortwo und als viersitziger forfour erhältlich. Wie haben Sie das Gefühl des Verzichts eliminiert, das man oft mit Kleinstwagen verbindet?

Matthias Gottwald: Bei den kleinen Außenmaßen wollten wir vor allem beim Raumgefühl keine Kompromisse machen. Im neuen smart, vor allem im forfour, fühlt man sich nun wie in einem Mittelklassewagen. Unser Team hat es geschafft, dass die Passagiere ein echtes Gefühl von Freiheit erleben können.

Das smart Designstudio als guter Ort für Innovationen.
Photo: Daimler AG
„We really did not want to compromise on how spacious the interior felt.“ Photo: Daimler AG
„Im neuen smart, vor allem im forfour, fühlt man sich nun wie in einem Mittelklassewagen.“
„Im neuen smart, vor allem im forfour, fühlt man sich nun wie in einem Mittelklassewagen.“
Photo: smart magazine

smart magazine: Wie gewinnt man diese Freiheit auf einer Größe von nur 3,49 m Länge und 1,66 m Breite wie im smart forfour?

Gottwald: Wir haben zum Beispiel die Instrumententafel konkav ausgehöhlt, damit sie weniger schwer wirkt. Dieser „Loop“ bringt dem Beifahrer auch mehr Beinfreiheit. Auch praktischer Stauraum war uns wichtig: In den Türen kann eine 1,5-Liter-Flasche verstaut werden; in einer kleinen Schublade in der Mittelkonsole haben wir Getränkehalter integriert – das ist selbst in der Kompaktklasse kein Standard. Das Ergebnis all dieser kleinen Features: Innen hin fühlt man sich im smart nicht eingeengt, nach außen hin wird man Teil der Stadt.

„Auch praktischer Stauraum war uns wichtig.“
Matthias Gottwald

smart magazine: Die Architektur und das Material im Interieur fallen sofort auf. Von welchem Aspekt des Stadtlebens haben Sie sich da inspirieren lassen?

Gottwald: Von Beginn an haben wir eng mit unseren Kollegen der Abteilung Colour & Trim zusammengearbeitet. Das Armaturenbrett ist beim smart mit einem Mesh-Textil überzogen, einem Hightechmaterial, das man auch von Turnschuhen kennt. Unsere Kunden schätzen sehr, dass in einem bezahlbaren, kleinen Auto nicht nur schmucklose Plastikoberflächen eingebaut werden. Wir arbeiten hier bewusst mit diversen Texturen und Kontrasten. Von rauen Stoffen, über weiche Oberflächen bis hin zu glatten, harten Hochglanz-Designelementen. In Fachkreisen spricht man von „Fabric ID“, also einer Identität, die durch die gewählten Stoffe geschaffen werden kann. Das Resultat: Fast jeder, der sich in den neuen smart setzt, berührt erst einmal die Oberflächen.

Matthias Gottwald smart magazine
„Unsere Kunden schätzen sehr, dass in einem bezahlbaren, kleinen Auto nicht nur schmucklose Plastikoberflächen eingebaut werden.“
Photo: Daimler AG

Das Innendesign der neuen smart fortwo und forfour begann für Matthias Gottwald mit einer spielerischen Übung. Um einige neue Ideen auszuprobieren, fertigte er eine Testskulptur an. Als er nach einigen Tagen Abwesenheit wieder zurück ins Studio kam, hatte sein Team aus verschiedenen Entwürfen einen Favoriten gekürt: Gottwalds Testskulptur. Wegen seines Hohlraums, in den sich unterschiedliche Funktionen und Ablagen einbetten ließen, wurde sie zur Vorlage für den Armaturenträger der aktuellen Modelle.

smart magazine: Welche Rolle spielt für Sie die Funktionalität eines Designs?

Gottwald: Beim Design des Innenraums eines smart stehen Funktionalität, echte Freude und die Bedürfnisse der Passagiere im Zentrum meiner Arbeit. Auch hier folgen wir Vorlagen aus der Natur: Blumen, Pflanzen und Bäume sehen ja nicht nur schön aus, auch hier werden wichtige Funktionen durch die Form ermöglicht – und umgekehrt. Wir haben versucht, einen ausgewogenen Kontrast zwischen natürlichen, verspielten Formen und präzisen Details mit Premiumqualität herauszuarbeiten. Die Kunst dabei ist, immer an diesen Schnittstellen zu forschen und Neues zu entdecken. Aber der eine Aspekt kommt ohne den anderen nicht aus: Reine Funktion, ohne dass sie den Menschen anspricht, ist in der Produktwelt genauso sinnlos wie etwas Wunderschönes, das zu nichts zu gebrauchen ist. Eine ideale Schnittmenge stellt die Bienenwabe dar – deshalb hat das Designteam sie auch als prägendes Stilelement für Kühlergrill, Scheinwerfer und die Lautsprecherabdeckungen der neuen smart gewählt.

smart magazine: Empfangen Sie diese bionischen Inspirationen im Büro oder unternehmen Sie Feldversuche in der Natur?

Gottwald: Ich reise gerne und versuche, einmal im Jahr eine Auszeit zu nehmen. Wenn man in andere Kulturen und Landschaften eintaucht, finden sich Inspirationen oft da, wo man sie nicht erwartet. Es ist aber nicht so, dass ich nach einem Urlaub auf Island am Schreibtisch Vulkane in den Innenraum zeichne. Diese Inspirationen finden eher unterbewusst statt.

Titelbild: Daimler AG