Während immer mehr Menschen weltweit in die Städte ziehen, ist das private Fleckchen Grün immer schwerer zu finden. Mit diesen technisch hochmodernen Indoor-Gardening-Systemen holen wir die Natur ins Haus und bauen unsere Lebensmittel selbst an.

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der urbane Gesellschaften wachsen, werden wir 2050 ganze 70% mehr Nahrung produzieren müssen als heute. Es wird immer schwerer, Lebensmittel in der Stadt anzupflanzen. Schon heute ist ein eigener Garten in der Stadt ein Privileg – die meisten Stadtbewohner könnten nicht selbst gärtnern – selbst wenn sie wollten.

Aber einige erfinderische Firmen haben sich des Problems angenommen. Von Urban Cultivator über Click & Grow und Grove bis hin zu SproutsIO räumen innovative Indoor-Gardening-Systeme mit der Vorstellung auf, dass man ein Stück Land braucht, um sein eigenes Gemüse anzupflanzen.

Und obwohl diese Firmen verschiedene Technologien für den Gemüseanbau im Haus anbieten, haben sie alle dasselbe Ziel: es Menschen zu ermöglichen, eigene Erzeugnisse selbst anzubauen – bequem, mit Spaß und nachhaltig – das ganze Jahr über.

Indoor-Gardening-System von Urban Cultivator
Urban Cultivator setzt auf Keimlinge.
Foto: Urban Cultivator

Urban Cultivator zählt das Four Seasons, Google und Disney zu seinen Kunden

„Indoor-Gardening hat viele Vorteile“, sagt Tarren Wolfe, Mitbegründer von Urban Cultivator, einem Anbieter aus dem kanadischen British Columbia. Nachdem er 20 Jahre lang automatisierte Pflanzsysteme an andere Unternehmen lieferte, beschloss Wolfe, seine eigenen Anlagen zu bauen.

Seine Produkte sind spezialisiert auf Keimpflanzen, Kräuter, Salat, Obst, Gemüse und Fisch. Zu Wolfes Kunden zählen mittlerweile das Four Seasons, Google und Disney, um nur einige zu nennen.

„Erntefrische Nahrungsmittel bieten einen viel höheren Nährstoffgehalt als solche, die schon länger im Supermarktregal liegen. Keimpflanzen – auch Microgreens genannt – haben gegenüber traditionellem Gemüse den Vorteil, dass sie sehr schnell wachsen und nicht so weit transportiert werden müssen.“

Ganz zu schweigen davon, dass in der eigenen Küche gezüchtetes Bio-Grünzeug besonders frisch, lecker und gesund ist.

Mann baut Micro Greens zu Hause an
Sogenannte Micro Greens wachsen schneller als normales Gemüse.
Foto: Urban Cultivator
Indoor-Gardening-Kühlschrank von Urban Cultivator
Frisch und gesund – direkt in der Küche gezüchtet.
Foto: Urban Cultivator

Die NASA investiert für ihre Mars-Missionen in Pflanzsysteme

Indoor-Pflanzsysteme mögen wie Zukunftsmusik klingen, aber die Idee ist eigentlich mehrere Jahrzehnte alt. Geboren wurde sie in den 1970ern. Damals begann die NASA, sogenannte hydroponische und aeroponische Technologien für ihre Mars-Missionen zu entwickeln. Bei Ersterem hängen die Wurzeln der Pflanze in einer Nährlösung, bei Letzterem befinden sich die Wurzeln an der Luft – die Nährstoffe werden aufgesprüht.

Heute arbeiten die meisten Gewächshäuser der Welt mit diesen Technologien, um Gemüse anzubauen. Aber erst in den letzten fünf Jahren sind die Systeme verkleinert (oft auf die Größe eines Bücherbretts) und voll automatisiert worden, sodass die Anwendung denkbar einfach geworden ist.

Basilikum in einem weißen Click & Grow-Beet
Click & Grow: Gärtnern mit minimalistischem Style.
Foto: Click & Grow

Click & Grow mit kinderleichter Anwendung

Mattias Lepp, Gründer von Click & Grow, einem Start-up mit Sitz in San Francisco und Estland, sah eine Marktlücke für eine kinderleichte und nachhaltige Methode des Indoor-Lebensmittelanbaus.

„Mit unserem Click & Grow-System lassen sich Pflanzen in einem komplett biologisch abbaubaren Nährsubstrat züchten. Wir bieten mit Samen bestückte Pflanzkapseln an, die im Indoor-Garten funktionieren wie eine Kapsel in einer Kaffeemaschine: Sie setzen einfach die Pflanzkapsel in den Garten und haben in wenigen Wochen frische Kräuter, Obst, Salat oder Blüten. Unsere sogenannte Smart Soil ist biologisch abbaubar und die Nährstoffe sind bereits im Pflanzsubstrat enthalten, so dass Sie nicht einmal zusätzlich zu düngen brauchen, damit es den Pflanzen gut geht.“

Und während Click & Grow bereits eine umweltfreundliche Lösung für das Gärtnern in der Küche anbietet, denkt Lepp weiterhin ständig darüber nach, wie er seine Produkte noch nachhaltiger gestalten kann.

So hat er vor Kurzem auf neue Nachfüllmodelle umgestellt, bei denen keine Kunststoffkapseln mehr verwendet werden.

Mann betreibt Indoor-Gardening mit Pflanzenkapseln
Mit Pflanzkapseln zur eigenen Ernte.
Foto: Click & Grow

Grove züchtet Fische in einem aquaponischen Ökosystem

Während Urban Cultivator mit einem hydroponischen System arbeitet und Click & Grow seine eigene Smart Soil hat, setzt Grove auf ein komplettes Ökosystem aus Bakterien und Mikroben, die das Pflanzenwachstum biologisch fördern – mittels Aquaponik. Die Firma arbeitet im US-Bundesstaat Massachussetts an vernetzten Indoor-Gardening-Systemen und einer App.

„Bei der Aquaponik gehören Fische zum Ökosystem“, erklärt Grove-Geschäftsführer Gabriel Blanchet. „Man geht einen Schritt weiter, indem man neben Mikroben und Pflanzen noch Fische hinzunimmt, die alle in Symbiose miteinander leben und sich gegenseitig ernähren.“

Was dabei herauskommt, ist eine lebendige Mikrowelt in der eigenen Küche oder dem Wohnzimmer – eine, die schneller wächst als ein Garten unter freiem Himmel, nur ein Zehntel des Wassers benötigt und 50 bis 100% des Proteinbedarfs einer Familie produzieren kann.

Frauen freuen sich über die Ernte dank des Indoor-Gardening mittels Aquaponik von Grove
Grove beruht auf einem symbiotischen Ökosystem.
Foto: www.grovegrown.com

SproutsIO vom MIT Media Lab werden über Smartphone-Apps gesteuert

Natürlich leben wir in einer Welt, die immer stärker von Technologie bestimmt wird. Das Internet der Dinge beschert uns einen automatisierten Haushalt, der mit einem Wisch über den Smartphone-Bildschirm gesteuert werden kann.

SproutsIO – ein Mikrofarming-System, mitbegründet von Absolventen des MIT Media Lab (am Massachussetts Institute of Technology in Boston) – hat diese digitalen Technologien zum Herzstück seines Systems gemacht.

Bei der Verwendung sowohl der Aeroponik – als auch der Aquaponik-Methode – sehen die Heimgärtner dank der systembegleitenden Smartphone-App, wann sie die Pflanze mit Nährstoffen besprühen müssen.

Sensoren überwachen den Zustand der Pflanze und die Umgebungsverhältnisse. Ein elektronisches Sprühsystem und eine hocheffiziente LED-Beleuchtung lassen sich per Smartphone steuern. Über die eingebaute Kamera kann man das Wachstum der Pflanzen aus der Ferne mitverfolgen – sogar aus dem Urlaub.

„Es ist so wenig Transparenz in unseren Nahrungsmitteln“, sagte Jenny Broutin Farah, die Designerin und Gründerin von SproutsIO, gegenüber dem Tech-Magazin FastCo.Design. „Wir sind uns nicht bewusst, wieviel Energie und Ressourcen beim Anbau, der Verpackung und dem Transport vom Anbaubetrieb bis auf den Tisch verschwendet werden.“

Anbau von Pflanzen in den eigenen vier Wänden mit der Smartphone-App von SproutsIO
Auch SproutsIO ist mit dem Smartphone verbunden.
Foto: SproutsIO Inc.
Restaurantmitarbeiter schnippeln Gemüse, das mittels SproutIO angebaut wurde
Das System wird sogar in Restaurantküchen eingesetzt.
Foto: SproutsIO Inc.

Maximal effizient

Indem es den Zwischenhändler überflüssig macht, spart SproutsIO diese Ressourcen, verbraucht 98% weniger Wasser und 60% weniger Dünger als traditionellere Anbaumethoden. Und da SproutsIO modular ist, lassen sich Mangold in der Küche, Basilikum im Schlafzimmer und Tomaten im Wohnzimmer anbauen – alles gesteuert über eine App.

Also – wo wächst die Zukunft des Indoor-Gardening? Werden diese Systeme ein so selbstverständlicher Bestandteil unserer Küchen sein wie Herd und Kühlschrank? Lepp ist davon überzeugt. „Es gibt keinen Grund, warum man nicht zumindest einen kleinen Garten in der Wohnung haben sollte, der die Luft reinigt und Nahrungsmittel liefert, die supergesund sind“, erklärt er. „Das Ziel ist, Indoor-Gardening-Systeme so energieeffizient wie möglich zu machen. Vielleicht sogar, indem wir eines Tages die Energie aus den Pflanzen gewinnen.“

Weiteres auf Click & Grow, Urban Cultivator, Grove und SproutsIO.

Indoor-Gardening in einer Küche
Ergänze deine Küche um deine eigene Mini-Farm.
Foto: Click & Grow