Man stelle sich vor, aus Autoabgasen könnte Gutes entstehen. Das Start-up Graviky Labs aus dem indischen Bangalore hat einen Prozess entwickelt, der Emissionen aus Fahrzeugmotoren in echte Tinte umwandelt. Streetart-Künstler rund um die Welt nutzen inzwischen die Farbe für ihre Kunstwerke und schaffen damit Bewusstsein für Luftqualität.

In Zeiten globaler Massenurbanisierung haben Städte verstärkt mit Luftverschmutzung zu kämpfen. Doch wie so oft schimmert selbst in düstersten Situationen ein kleines bisschen Hoffnung – die schlechte Luftqualität ruft immer mehr Kreative auf den Plan, die sich dem Problem mit Erfindergeist entgegenstellen. Wo sich Regierungen schwertun, zeitnah Abhilfe zu schaffen, schließen Ingenieure, Künstler und Designer die Lücke.

Graviky Labs ist dabei besonders einfallsreich. In Indien, der Heimat des Start-ups, befinden sich 13 der weltweit 20 Städte mit der stärksten Luftverschmutzung. Hier hat das Team eine einzigartige Idee entwickelt, mit der der landesweiten Verunreinigung Einhalt geboten werden soll: Abgase motorisierter Fahrzeuge werden in Tinte umgewandelt.

Ein neues Produkt im Kampf gegen Umweltverschmutzung

Laut Mitbegründer und Business Development Director Nikhil Kaushik verfolgt Graviky Labs zwei Ziele: zunächst mehr Bewusstsein für das Problem der Luftverschmutzung zu schaffen und gleichzeitig eine technische Lösung zu entwickeln. Die vergangenen Jahre haben Kaushik und seine Kollegen damit verbracht, ihre „Kaalink-Technologie” weiterzuentwickeln und zu patentieren.

Die Technologie umfasst einen supereffizienten Abgasfilter, der für Autos, Boote und Schornsteine nachgerüstet werden kann. Dieser kann 95 Prozent der Emissionen aus der Luft filtern. „Er fängt die Luftverschmutzung ein, bevor sie unsere Umwelt erreicht”, so Kaushik. Der freigesetzte Kohlenstoff wird gesammelt, ins Labor gebracht und dort in Tinte verwandelt – Tinte mit dem offiziellen Namen Air-Ink. Wie jede andere Form von Tinte kann auch Air-Ink für eine große Bandbreite an Produkten verwendet werden, von Markern über Sprühfarbe bis hin zu Druckerpatronen.

verschiedene Flaschen mit Air Ink darin
Farben aus Feinstaub.

Von Abgas zu Tinte

Um schwarze Farbe herzustellen, werden normalerweise herkömmliche Brennstoffe verwendet. Air-Ink hingegen recycelt unverbrannte Partikel bereits genutzter fossiler Brennstoffe. Laut Graviky Labs enthält ein Marker das ausgestoßene Abgas eines Standard-Dieselfahrzeugs während einer 45-minütigen Fahrt. Ziemlich beeindruckend. Noch erstaunlicher ist, dass Graviky nach eigenen Angaben in seiner noch kurzen Existenz bereits über 1,6 Billionen Liter Luft gereinigt und in 770 Liter Air-Ink verwandelt hat.

Produktreihe von Graviky Labs
Die gesamte tintenbasierte Produktlinie von Graviky Labs.
sechs Muster von verschiedenen Akteuren, die Feinstaub produzieren
Muster von Feinstaubpartikeln.

Weltweit Bewusstsein schaffen

Eine überaus erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter brachte Schwung in das Projekt – Unterstützer erhielten Air-Ink-Produktsets je nach Spendenhöhe. Die Kampagne sorgte zudem für Aufmerksamkeit weit über Indien hinaus. Den Erfolg von Graviky Labs schreibt Kaushik dem Fakt zu, „dass wir jedem Einzelnen ermöglichen, die Umwelt zu entlasten.” Ein einzigartiger Ansatz, der offenbar weltweit einen Nerv getroffen hat.

Eine Hand gießt Tinte aus einem Motor in ein kleines Glas.
Eine Kickstarter-Kampagne half dem Projekt auf die Beine.

Weniger Umweltverschmutzung, mehr Kunst

Gemeinsam mit einer Getränkemarke aus Singapur startete Graviky Labs eine Kampagne, um mit ihrer Kaalink-Technologie die Abgase von Lieferwagen aufzufangen. Internationale Illustratoren wurden anschließend beauftragt, mit der gewonnenen Tinte Kunstwerke zu erschaffen und dadurch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Luftqualität zu lenken. Streetart-Künstler Buff Monster beispielweise verschönerte mit einer schwarz-weißen Zeichnung einen Bürgersteig in Manhattan. Der Titel: „This art is painted with air pollution” (zu Deutsch: „Diese Kunst ist mit Luftverschmutzung gemalt”).

Also, Augen auf beim nächsten Stadtspaziergang. Manche Tags, Kalligraphien und Graffiti sind mehr als nur Farbe an der Wand.

Mehr Informationen über Graviky Labs auf ihrer Website.

eine auf dem Boden kniende Frau ordnet verschiedene Tintenzeichnungen an woman kneeling on the floor with several ink paintings
Künstler, die die Farben nutzen, waren schnell gewonnen.