Denke und handle lokal – in durchglobalisierten Zeiten werden Aktionen vor der eigenen Haustür wieder wichtiger. Mit smart urban pioneers unterstützt smart neue Initiativen für die Stadt. Zur Inspiration stellen wir sechs erfolgreiche Projekte vor.

Unsere Städte werden immer größer, enger und anonymer – mit allen Konsequenzen. Deshalb sollten wir den urbanen Alltag noch lebenswerter gestalten. Weil niemand die Städte besser kennt als ihre Einwohner selbst, brauchen wir mehr als nur große Masterpläne zur Stadtentwicklung.

Oft kommen die besten Ideen von den Stadtbewohnern selbst. Wir stellen sechs ehemalige Visionen vor, die als kleine Initiativen am Küchentisch gestartet sind – und heute das Leben in ihren Städten prägen.

 

1. Stadt statt Strand – Inspirieren und aktivieren

„Schon kleinste Eingriffe in die Umgebung haben das Potenzial die Nachbarschaft und das Miteinander eines Quartiers nachhaltig zu stärken“, sagt Stadt-statt-Strand-Gründerin Laura Bruns. Deshalb präsentiert sie auf ihrer Website interessante autonome Nischenprojekte. Beispielsweise das Boulodrome in Berlin, einen privat betriebenen Bouleplatz, der vorher nur direkten Anwohnern bekannt war. Oder einen Do-it-yourself-Skatepool in Zürich. Oder ein privates Gärtchen auf einem Hamburger Bürgersteig.

Darüber hinaus ist unter dem Titel „Stadt selber machen“ ein Handbuch mit Tipps und Tricks erschienen, mit denen sich die urbane Umgebung verschönern, verbessern und verändern lässt. Ebenfalls empfehlenswert: ein Blick in den Blog des sehr umtriebigen Teams.

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Boulodrome Berlin, präsentiert von Stadt statt Strand
Foto: Stadt statt Strand
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Foto: Stadt statt Strand
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Foto: Stadt statt Strand
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Foto: Stadt statt Strand

2. ZwischenZeitZentrale – Kulturräume auf Zeit

Leerstehende Bürogebäude, Brachen und Häuserlücken, teilweise in bester Lage, gehören zum typischen Bild deutscher Städte. Diese verlorenen Räume findet man in Bremen jedoch immer weniger. Seit 2010 vermittelt in der Hansestadt die ZwischenZeitZentrale – kurz ZZZ – entsprechende Leerflächen und entwickelt für sie Konzepte für zeitlich begrenzte Zwischennutzungen, zum Beispiel für Kunstausstellungen oder für ein Kurzzeithotel für Festivalbesucher.

Über 50 Projekte wurden so bereits umgesetzt. Die ZZZ minimiert dabei den finanziellen Verlust durch Leerstand, wertet Stadtteile auf, fördert Kreativität und schafft Platz für Kultur und Partizipation. Davon profitieren schließlich nicht nur die Immobilieneigentümer, die Stadt und die Zwischennutzer, sondern auch die Bewohner der jeweiligen Viertel.

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Die ZwischenZeitZentrale wandelt ungenutzte Flächen in Kulturräume auf Zeit.
Foto: Daniel Schnier, ZZZ -ZwischenZeitZentrale Bremen
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Foto: Daniel Schnier, ZZZ -ZwischenZeitZentrale Bremen
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Foto: Daniel Schnier, ZZZ -ZwischenZeitZentrale Bremen
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Foto: Daniel Schnier, ZZZ -ZwischenZeitZentrale Bremen

3. Radbahn – bislang unentdeckte Potenziale nutzen

Fahrradfahren wird auch in Berlin immer beliebter. Aber so fahrradfreundlich wie etwa Amsterdam oder Kopenhagen ist die deutsche Hauptstadt noch lange nicht. Radbahn möchte das ändern und Berlins ersten überdachten Radweg mit einer Länge von fast neun Kilometern schaffen. Und dafür müsste man gar nicht so viel tun, denn der Weg existiert zu 80 Prozent schon – unter der U-Bahn-Linie U1, die trotz ihres Namens oberirdisch verkehrt.

Aber er wird eben noch nicht optimal genutzt. Die Ideen der Macher von Radbahn sind vielfältig und reichen von Cafés und Fahrradwerkstätten bis hin zu „Urban Gardening“ und der Verknüpfung mit dem Berliner ÖPNV oder Carsharing-Anbietern.

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Radbahn möchte Berlins ersten überdachten Radweg mit einer Länge von fast neun Kilometern schaffen.
Foto: Radbahn

4. Pumpipumpe – Leihen statt Kaufen

Die Idee hinter Pumpipumpe aus der Schweiz ist simpel: Leihen statt Kaufen. Die Vorteile: Ressourcen und Geldbeutel werden geschont – und man lernt zudem noch nette, hilfsbereite Menschen kennen. Dazu verkauft Pumpipumpe Aufkleber. Darauf zu sehen: die Dinge, die man verleihen möchte, wie beispielsweise seine Bohrmaschine.

Die Sticker werden am Briefkasten angebracht und signalisieren: Hier wohnt ein Mitglied der Sharing Community. Seit 2012 kann man für 5 Schweizer Franken beziehungsweise 5 Euro die Sticker bequem im Internet bestellen. Um die Sache noch weiter zu vereinfachen, gibt es die digitale Pumpipumpe-Map. Fast 16.000 Haushalte machen mittlerweile bei diesem genialen Konzept weltweit mit, knapp die Hälfte ist auf der Karte im Internet zu sehen.

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Für urbanes Teilen: die Sticker von Pumpipumpe
Foto: Pumpipumpe
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Foto: Pumpipumpe
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Foto: Pumpipumpe

5. Pfand gehört daneben und Pfandring – Schluss mit dem Wühlen im Müll

Im Jahr 2011 beobachtete Matthias Seeba-Gomille zwei Menschen in Berlin: Der eine warf seine ausgetrunkene Flasche in einen Mülleimer, der andere fischte sie unmittelbar danach wieder heraus. Für den einen hatten die paar Cent keine Bedeutung, für den anderen sind sie ein Einkommen. Noch am selben Abend richtete Seeba-Gomille eine Facebook-Seite ein und entwarf einen Aufkleber mit dem Text „Pfand gehört daneben“. Mittlerweile folgen der Seite knapp 42.0000 Menschen; Aufkleber und Plakate der ehrenamtlichen Initiative finden sich in der ganzen Republik.

Ähnlich wie Matthias Seeba-Gomille ging es auch Paul Ketz. Und so entwickelte der Kölner Produktdesigner im Jahr 2012 den „Pfandring“. Die Konstruktion aus rostfreiem Edelstahl wird um Mülleimer gestülpt, so können Flaschen einfach hingestellt und entnommen werden. Ganz einfach, ganz ungefährlich – ohne im Müll wühlen zu müssen. Im Einsatz sind die Pfandringe bereits in Bamberg, Köln, Karlsruhe, Bielefeld und Magdeburg.

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Der Pfandring vom Kölner Produktdesigner Paul Ketz passt genau um einen Mülleimer.
Foto: Pfandring / Paul Ketz und Markus Diefenbacher

Titelbild: Daniel Schnier, ZZZ -ZwischenZeitZentrale Bremen