Als Abteilungsleiter in der Fahrzeugentwicklung ist Jochen Eck für die Erprobung der neuen smart electric drive zuständig. Mit seinem Team hat er die emissionsfreien Stadtautos in Extremumgebungen getestet – von der Wüste bis zum Polarkreis.

Bevor smart ein neues Modell in eine angenehm klimatisierte Messehalle und später zu den Händlern liefern lässt, durchläuft dieses eines der härtesten Auto-Bootcamps der Welt. Zuständig für die Gesamtfahrzeug-Erprobung im Kompaktsegment ist bei smart und Mercedes-Benz der Ingenieur Jochen Eck. Er organisiert von Sindelfingen aus die Testfahrten in Extremklimata: zum Beispiel in der klirrenden Kälte von Nordschweden, wo sein Team die Prototypen auf Eispisten und zugefrorenen Seen an die Grenzen bringt. Oder in der Wüste von Arizona, in der die sengende Sonne das Material aufs Äußerste prüft. Auch die neuen smart electric drive haben diese Tests durchlaufen und sind damit für den Einsatz in der Stadt und darüber hinaus perfekt gerüstet – garantiert.

Eck und Remp bei der Weltpremiere des smart electric drive
Jochen Eck mit smart Produktmanager Rouven Remp.
Foto: Philipp Wente

Herr Eck, smart hat als erster Hersteller seine gesamte Modellpalette elektrifiziert. Mit smart fortwo und smart forfour sind bereits zwei smart Modelle als smart electric drive erhältlich – mit elektrischem, lautlosem und lokal emissionsfreiem Antrieb. Die Markteinführung des smart fortwo cabrio electric drive erfolgt im Sommer. Warum ist smart diesen innovativen Schritt gegangen?
Jochen Eck: Die Idee, den smart electric drive zusätzlich zum smart fortwo auch als smart fortwo cabrio und als viersitzigen smart forfour anzubieten, ist eine konsequente Weiterentwicklung. Den Vorgänger haben wir erfolgreich als smart fortwo electric drive verkauft, da ist es nur logisch, auch die anderen Varianten als E-Auto zu bauen. Es gibt nicht mehr nur eine Palette von smart mit Verbrennungsmotoren plus ein Elektroauto, sondern eine breite smart Produktfamilie.

Erwarten die Kunden schon eine solche Vielfalt?
Jochen Eck: Absolut – und das dürfen sie auch. Ein Kunde möchte ein elektrisches Cabrio haben, weil er gerne mit offenem Dach fährt. Eine Kundin sucht einen elektrischen Viersitzer, weil sie gerne ihre Familie mitnehmen möchte. Es wäre nicht mehr zeitgemäß, diesen beiden nur ein einziges Modell anbieten zu können.

Sie dürften dabei zu den Menschen gehören, die mit einem Elektroauto die meisten Kilometer zurückgelegt haben. Wie würden Sie jemandem, der noch nie elektrisch unterwegs war, das Fahrgefühl unter Strom beschreiben?
Jochen Eck: Es macht einfach unheimlich viel Spaß. Der 60 kW starke Elektromotor liefert ein müheloses und trotzdem sehr kraftvolles Beschleunigungsgefühl in der Stadt, aber auch auf kurvigen Landstraßen oder in den Bergen. Eine zusätzliche Freude – das erfahren wir aus vielen Kundenrückmeldungen – ist es, bewusst sparsam zu fahren. Nicht aus einer Philosophie des Verzichts heraus, sondern weil man den smart electric drive und seine Technologie kennen und schätzen lernt.

Was wäre ein Beispiel für solch eine besondere Elektroauto-Eigenschaft?
Jochen Eck: Zum Beispiel die sogenannte Rekuperation. Hier wird die beim Bremsen normalerweise in Wärme umgewandelte Energie vom Elektromotor zurück in Strom verwandelt und wieder in die Batterie eingespeist. Da steigt dann die Reichweitenanzeige wieder, das gibt einem eine ganz neue Freude am Autofahren.

Jochen Ecks Spiegelbild im smart electric drive Seitenspiegel
Jochen Eck kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken.
Foto: Philipp Wente

Soviel Lust am Fahren – klingt fast, als hätten Sie einen Sportwagen konstruiert.
Jochen Eck: Nein, das natürlich nicht. Außerdem gibt es neben dem Fahrspaß noch weitere wichtige Gründe für den smart electric drive: Ein smart fortwo electric drive fährt mit seiner für den Stadtverkehr optimierten Reichweite von 160 Kilometern sparsam und lokal emissionsfrei. Wenn man Öko- oder sogar Solarstrom aus eigenen Panels dafür verwendet, dann ist man völlig ohne CO2-Ausstoß unterwegs. Damit schont der smart electric drive das Klima und den Geldbeutel, was für viele Menschen Gründe genug sind, ihn zu fahren.

Für viele Autofahrer ist ein Elektroauto noch technologisches Neuland. smart verfügt dagegen schon über eine mehr als zehnjährige Erfahrung mit dem E-Antrieb. Wie macht sich diese Kompetenz bemerkbar?
Jochen Eck: Der smart besitzt als eines der wenigen Autos eine Plattform, die sowohl einen Benzinmotor mit Tank als auch einen Elektromotor mit Batterie tragen kann – ohne dass sich an der Struktur etwas ändern muss. Insofern brauchten wir kein anderes Auto zu bauen, als eines, das unsere Kunden kennen und dessen Technologie und Konstruktion wir vollauf beherrschen.

Rot-silberner smart electric drive
Der smart electric drive wurde von Jochen Eck und seinem Team auch in heißem Klima getestet.
Foto: Daimler AG

Konnten Sie sich deshalb intensiv auf die Optimierung der für ein E-Auto einzigartigen Funktionen konzentrieren, etwa auf die Ladetechnologie?
Jochen Eck:
Genau. Alle smart electric drive sind serienmäßig mit einem neuen leistungsstarken On-Board-Lader ausgestattet, der beim Einsatz von Wallboxen oder an öffentlichen Ladesäulen die Ladezeiten nahezu halbiert. Für alle, die das Auto nicht über Nacht an der heimischen Steckdose laden wollen, ist das ein spürbarer Komfort-Fortschritt. Die Ladegeschwindigkeiten sind dabei natürlich abhängig von der Länderversion und dem Stromnetz.

Jochen Eck bedient den smart electric drive
Jochen Eck achtet auf ein gutes Zusammenspiel aller Einzelteile – auch der Bordelektronik.
Foto: Philipp Wente
weißt-grüner smart electric drive in Miami
Volle Fahrt voraus: der neue smart electric drive.
Foto: Daimler AG

Ihre Hauptaufgabe ist die Überprüfung und Absicherung der Kundentauglichkeit. Dabei wurde der smart electric drive genauso hart getestet wie jedes andere Modell von smart und Mercedes-Benz. Auch in Gegenden, für die man sonst eher einen Geländewagen wählen würde. Warum sind diese Extremtests notwendig?
Jochen Eck: Mit den Tests für die sogenannte Gesamtfahrzeugfreigabe verfolgen wir für jedes Modell das gleiche Ziel: Ein perfektes Auto abzuliefern. So gehen wir im Winter für die Kälteerprobung nach Schweden und im Sommer für die Hitzeerprobung nach Arizona. In der konkreten Erprobung gibt es dann Unterschiede. Ich habe ein eigenes Team, das sich mit dem smart electric drive und seinen spezifischen Testabläufen befasst. Weil die Funktionen eines Elektroautos andere sind, haben wir über die Jahre eigene Tests entwickelt. Wir haben mittlerweile aus den vier Generationen smart electric drive und anderen batterieelektrischen Fahrzeugen von Mercedes-Benz sehr gutes Know-how und können deswegen sehr routiniert ein Elektroauto erproben und absichern.

Welche Funktionen stehen dabei besonders unter Beobachtung?
Jochen Eck: Alle Komponenten, die auf Temperatureinwirkung reagieren. Man nimmt in diesen Extremen zum Beispiel Geräusche im Fahrzeug sehr viel schneller und leichter wahr als im mitteleuropäischen Klima. Wenn sich Materialien durch extreme Temperaturen ausdehnen oder zusammenziehen, hören Sie plötzlich Knistergeräusche im Fahrzeug, die Sie sonst nicht erleben werden. Wir gehen in diese extremen Bedingungen, um schnell die kritischen Themen am Auto zu finden. Zum Beispiel haben wir deshalb ein System im Fahrzeug eingebaut, das nicht nur den Innenraum kühlt oder heizt, sondern auch die Batterie.

Jochen Eck unterhält sich bei der smart electric drive Weltpremiere
Jochen Eck und Rouven Remp im Gespräch über den neuen smart electric drive.
Foto: Philipp Wente

Stellen Sie sich bitte einen freien Tag mit einem smart electric drive Ihrer Wahl vor: Durch welche Stadt würden Sie fahren?
Jochen Eck: Schwere Frage. Es gibt so viele, die passen und in denen wir mit dem smart electric drive auch schon waren: Brooklyn, San Francisco, Berlin – aber am Ende ist Rom die Stadt, in die der smart electric drive gehört. Der wuselige Verkehr, die engen Straßen – Rom ist die Stadt mit der höchsten smart Dichte: Auf 1.000 Einwohner kommen 40 smart. Deshalb ist sie für mich die smart City. Rom im smart fortwo cabrio electric drive, dem einzigen elektrischen Cabriolet auf dem Markt – das wär‘s schon!