Das New Yorker Startup Spacious bietet Co-Working-Räume in Restaurants an, die tagsüber geschlossen sind. Gründer Preston Pesek erklärt, wie es funktioniert.

In den pulsierenden New Yorker Stadtteilen Manhattan und Brooklyn gibt es mehr als 2.000 Restaurants, die erst um 18.00 Uhr öffnen. Das sind 2.000 Räume in bester Lage, die tagsüber nicht genutzt werden – ein großes Potenzial, das nur darauf wartete, erkannt zu werden. Für Preston Pesek, den Gründer von Spacious, war es der Start eines Geschäfts – mit der Mission, Raumpotenzial in den Städten zu identifizieren und freizusetzen.

Die Idee des Startups ist einfach, aber kreativ: Außerhalb der Geschäftszeiten eines Restaurants macht Spacious die (ungenutzten) Räumlichkeiten mobilen Arbeitern als Co-Working-Platz zugänglich.

Das Geschäftsmodell erlaubt es den Spacious-Mitgliedern, attraktive Restaurants überall in der Stadt zu nutzen – zu einem moderaten Preis. Mitglieder des Netzwerkes zahlen eine monatliche Gebühr von 95 Dollar und erhalten tagsüber unbegrenzten Zugang zu den teilnehmen Gaststätten.

Spacious ist ein komplett neues Phänomen im schnell wachsenden Co-Working-Markt. Anders als seine Konkurrenten besitzt die Firma überhaupt keine eigenen Räume.

„Wir haben nicht den Vorteil eines klassischen Co-Working-Raums, der uns allein gehört und unseren Kunden rund um die Uhr zur Verfügung steht“, räumt Pesek ein. „Aber wir können sehr verlockende Preise anbieten, weil Spacious Restauranträume nutzt, die schon vorhanden sind.“

Spacious-Mitglieder nutzen ein Restaurant als Coworking-Space
Spacious-Mitglieder können in Restaurants überall in der Stadt arbeiten.

Auf Space-Hacking-Mission

2016 gegründet, hat Spacious zurzeit sieben Partner-Restaurants und registriert bereits tausende von Check-ins pro Monat. Zehn zusätzliche Co-Working-Locations in weiteren Restaurants sind in den nächsten Monaten für New York geplant. Spacious rechnet damit, seine Nutzerbasis zu vervielfachen.

Pesek denkt auch darüber nach, tagsüber mit einem Essen-und-Getränke-Service zu experimentieren. „Einige teilnehmende Restaurants haben Interesse daran, Lunch-Pakete für unsere Mitglieder anzubieten.“

Auf die Idee mit Spacious kamen Pesek und sein Geschäftspartner Chris Smothers, als sie sich den Einzelhandel in den Laufgegenden anschauten. „Wir stellten fest, dass vor allem Restaurants in sehr guter Lage sehr ineffizient genutzt werden“, sagt Pesek, der früher Gewerbeimmobilien vermakelte.

„Die Stadt ist voller Orte, die zu bestimmten Tageszeiten nicht genutzt werden. Dieses urbane Potenzial wollten wir freisetzen und so haben wir unsere eigene Space-Hacking-Mission gestartet.“

Nutzer von Spacious beim Coworking im Restaurant La Sirena
Tagsüber ungenutzte Restaurants werden durch Coworker belebt.

Eine Gemeinschaft urbaner Nomaden

Pesek beobachtet einen grundlegenden Wandel in der Art, wie Städter arbeiten. „Dank Smartphones, Laptops und WLAN sind wir jetzt mobil und können uns in den Städten von Ort zu Ort bewegen“, führt er aus.

„Die Zukunft der Arbeit ist kein Bürogebäude, wo alles zentralisiert ist, sondern vielmehr eine cloudbasierte Zentrale, zu der alle beitragen können. Wir stellen uns Spacious als so ein cloudbasiertes Co-Working-Netzwerk vor.“

Die Mitglieder des Spacious-Netzwerks sind typische digitale Nomaden – flexible Städter, die an den verschiedensten Orten in der ganzen Stadt arbeiten. „Die Hälfte der Spacious-Nutzer sind Leute, die keinen traditionellen Job haben und ihr Geschäft von überall betreiben können“, erklärt Pesek.

Obwohl Spacious nicht als Co-Working-Anbieter im herkömmlichen Sinne funktioniert, ist Pesek überzeugt, dass es eine Nutzer-Gemeinschaft hervorbringen wird. „Wenn ein Haufen Selbstständiger, Kreativer und Freiberufler am selben Ort arbeiten und dann auch noch Leute mit traditionellen Berufen hinzukommen, sind die Synergien wirklich interessant“, erklärt er.

„Der grundlegende Unterschied zu einem klassischen Co-Working-Space ist, dass es nicht nur eine Gemeinschaft in einem Raum ist“, sagt er weiter. „Spacious wird in gewisser Weise eine kosmopolitische Community.“

 

Menschen bei einem Meeting im Spacious-Coworking-Space
Meetings oder individuelle Arbeit – Spacious bietet den geeigneten Arbeitsplatz.

Ein Hospitality-Gewerbe, bei dem einer vom anderen profitiert

Obwohl viele Spacious-Kunden frei und ungebunden sind, ist die Location sehr wichtig. „Spacious sucht vor allem nach gut angebundenen urbanen Plätzen, vorzugsweise in der Nähe von U-Bahn-Stationen. Wir sammeln Daten, die uns verraten, wo unsere Kunden einen Co-Working-Platz am dringendsten brauchen, und nutzen sie als Richtlinie für unser geographisches Rollout.“

Auch die Restaurants werden sorgfältig ausgewählt. Nicht jeder Bewerber passt ins Profil. „Wir suchen ausschließlich sehr gute Objekte mit ansprechendem Interieur und einem Restaurant-Partner, der auf unserer Linie liegt“, sagt Pesek.

„Unsere ersten Partner waren Restaurants bekannter Köche wie Daniel Boulud und Mario Batali. Da wir unser eigenes Gastgewerbe neben dem eines anderen betreiben, bedeutet dies, dass beide Seiten gut zu einander passen müssen.“ Aber Pesek und sein Team wollen das Projekt weiter langsam und gleichmäßig entwickeln.

„Wir haben eine lange Liste von Leuten, die mit uns zusammenarbeiten wollen, aber wir gehen strategisch an die Sache heran und suchen die Orte und unsere Partner sorgfältig aus.“

Im nächsten Schritt sollen Niederlassungen von Spacious in San Francisco, Los Angeles und London eröffnet werden. „Unser Geschäftsmodell ist extrem flexibel. Sobald wir uns mit einem neuen Partner einig geworden sind, können wir zwei Wochen später eröffnen.“

Preston Pesek ist Mitbegründer von Spacious, einem Startup aus New York, das tagsüber ungenutzte Restaurants in Co-Working-Räume verwandelt. Sein Knowhow hat Pesek in der Gewerbeimmobilienbranche gesammelt. Weitere Informationen gibt es auf der Website von Spacious.