Das Leben über den Dächern der Stadt hat seinen ganz eigenen Charme. Ob an heißen Sommertagen oder kühlen Winterabenden, zum Frühstück oder zum stimmungsvollen Sundowner – als urbane Rückzugsorte erfreuen sich Dachterrassen immer größerer Beliebtheit. Einmal in luftigen Höhen ist das hektische Stadtleben schnell vergessen. Das sind die zehn außergewöhnlichsten Dächer der Welt.

Shanghais längste Bar auf geheimer Dachterrasse

Was fängt man mit einem Haufen aussortierter, traditionell-chinesischer Holztüren an? Das Architekturbüro V10 hatte darauf die Antwort: die längste Bar in Shanghai bauen! Der durch Upcycling veredelte Space, der nebenbei einen unvergleichlichen Ausblick über die sich ständig verändernde Skyline der Stadt bietet, wurde von der französisch-israelischen Bäckerei Bread Etc als geheime Ergänzung zum bestehenden Restaurantbereich in Auftrag gegeben.

Dachterrasse V10 in Shanghai
Die längste Bar in Shanghai.
Foto: V10 Ventunozerodieci

Die Anlage punktet nicht nur mit einem sagenhaften Panorama, sondern verwandelt sich abends in eine Lichtinstallation: im Dach eingelassene LED-Leuchten tauchen die Bar in ein gemütliches Licht. Zum Making-of-Video geht’s hier entlang.

dunkle Bar auf der Dachterrasse von V10
Aus der Vogelperspektive: die Bar auf der Dachterrasse von V10.
Foto: V10 Ventunozerodieci

Metropolitan Museum Roof Garden, NYC

Es wäre eines legendären Museums wie dem Metropolitan Museum of Art in New York (Met) nicht würdig, eine Dachterrasse nur für ihre beeindruckende Aussicht und gelegentliche Cocktail-Empfänge zu unterhalten. Daher nominiert das Met im Rahmen des Projekts Roof Garden Commission einmal jährlich einen Künstler, den es mit der Gestaltung der Terrasse beauftragt.

Von subversiven Standpunkten zum Thema Überwachung bis hin zu begehbaren, rot-gesprenkelten Blütenornamenten und skulpturalen Installationen aus der museumseigenen Sammlung spielt der Dachgarten immer wieder mit den Grenzen des Möglichen und begeistert so seine Besucher.

bunte Installation im Roof Garden in New York
Eine Skulptur des Künstlers Sol LeWitt im Roof Garden.
Foto: Flickr/Tom Wilson (CC BY 2.0)
eine Frau schlendert über die Dachterrasse des Metropolitan Museums
Atemberaubender Ausblick auf den Central Park.
Foto: Flickr/Sam Saunders (CC-SA BY 2.0)

Your Rainbow Panorama, Dänemark

Das Dach markiert für gewöhnlich den Punkt, an dem die Stadt endet und der Himmel beginnt, an dem die Grenzen zur Realität verschwimmen und sich der Mensch tagträumerischen Schwärmereien hingibt. Und wer könnte dieses Gefühl wohl besser in ein Kunstwerk übersetzen als Olafur Eliasson?

Mit Your Rainbow Panorama über dem ARoS Aarhus Kunstmuseum in Dänemark ist dem isländischen Künstler genau das gelungen. Die begehbare Röhre aus Glas erstrahlt wie ein Regenbogen in allen Farben des Spektrums – tagsüber mithilfe des Sonnenlichts, nachts dank künstlicher Beleuchtung.

Your Rainbow Panorama auf dem Dach des ARoS Museums
Aufsehenerregend: Das ARoS Aarhus Kunstmuseum.
Foto: Axel Schutt
Menschen schauen den Sonnenuntergang im Your Rainbow Panorama an
Getönter Sonnenuntergang in Your Rainbow Panorama.
Foto: Ole Hein Pedersen

Klunkerkranich, Berlin

Für Berliner ist der Klunkerkranich längst kein Geheimtipp mehr. Hoch über dem Stadtteil Neukölln erwartet Besucher eine urbane Oase – samt Bar, Restaurant, Spielplatz, Open-Air-Lounge, Dancefloor und Kunstinstallationen.

An warmen Tagen ist der Space voller Leben – besonders Anwohner genießen gerne regelmäßig die entspannte Kiezatmosphäre über den Dächern ihres Viertels.

Ein Katzenkopf und Dekorationen auf dem Klunkerkranich
Ein Berliner Sommerpanorama.
Foto: Julian Nelken

Auf dem Dach eines unscheinbaren Parkhauses gelegen, ist der Klunkerkranich ein verstecktes Juwel in der Stadt. Wer zum ersten Mal vorbeikommt, ist oft überrascht: Der weitläufige Außenbereich des Dachgartens besticht mit einer spektakulären Aussicht – bei Schönwetter bis über die Stadtgrenzen hinaus – und der für Berlin typischen, unkonventionellen Gemütlichkeit.

Ein Mann sieht den Sonnenuntergang im Berliner Klunkerkranich an
Entspannt den Abend einläuten: im Klunkerkranich.
Foto: Julian Nelken

OUE Skyspace, Los Angeles

Seit 2016 ist die Spitze des höchsten Gebäudes in Los Angeles endlich auch für die Öffentlichkeit zugänglich – und lädt zum Rutschen ein. Klingt furchterregend? Ist es auch – furchterregend schön!

Besucher des ikonischen US Bank Tower gelangen über eine Glasrutsche in knapp 300 Metern Höhe vom 70. in den 69. Stock – mit freiem Blick auf die darunter liegende Straße, die Innenstadt und den Ozean.

Bartender im OUE Skyspace
Ein Treffpunkt hoch über Los Angeles.
Foto: OUE Skyspace Los Angeles

Weniger Mutige kommen im OUE Skyspace dank eines atemberaubenden Innen- und Außenbereichs aber auch auf ihre Kosten – und das Tag und Nacht.

Frauen machen Yoga auf dem US-Bank-Tower
Frühyoga auf dem US-Bank-Tower.
Foto: OUE Skyspace Los Angeles

Skylight, London

Eine Gruppe Cricket oder Pétanque spielender Menschen hat etwas Nostalgisches und erinnert an lang vergessene Zeiten. Dabei sind diese traditionellen Freizeitbeschäftigungen nicht nur noch immer richtig gut, sondern im Skylight – einer Bar auf dem Londoner Tobacco Dock – auch wieder ziemlich angesagt.

Menschen auf The Dock Terrace in London
Hier trifft sich London.
Foto: Steve Dunlop

Der ehemalige Parkplatz ist heute eine beliebte Location, um einen Cocktail zu genießen und dabei den Blick über die Stadt schweifen zu lassen. Neben den Spielen gibt es hier auch eine große Auswahl an Streetfood, was der Retro-Atmosphäre einen zeitgemäßen, besonderen Twist verleiht.

EIne Person spielt Cricket im Skylight
Eine Partie Cricket im Skylight.
Foto: Steve Dunlop

Skypark, Hong Kong

Wie sieht eigentlich das perfekte Dach der neuen Generation aus? Dieser Frage ist das niederländische Architekturbüro Concrete bei der Umsetzung des Skypark in Hong Kong nachgegangen.

Abgestimmt auf die Bedürfnisse der Millennials widmet sich die luxuriöse Anlage der Notwendigkeit, Gemeinschaftsräume mit ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für Privatsphäre und einem breiten Unterhaltungsangebot zu verbinden – und das alles bei einem unvergleichlichen Blick über die Stadt.

Der Treppenaufgang verwandelt sich Freitagabend in ein Kino, der hauseigene Club liegt nur wenige Schritte vom Picknick- und Barbecue-Bereich entfernt und das alles unter ausschließlicher Verwendung nachhaltig gewonnener Energie und recycelter Wasserressourcen – für den ganz persönlichen Seelenfrieden der Gäste.

Torre Guinigi, Lucca

Während moderne Dachterrassen ständig versuchen, sich in Sachen Neuerungen zu übertreffen – gemessen an der Größe ihres Pools, kreativem Unterhaltungsprogramm wie Rutschen oder schlichtweg der angesagtesten Bar der Stadt – hat der Torre Guinigi im italienischen Lucca seit über 600 Jahren nichts dergleichen nötig.

Bäume auf dem Dach des Torre Guinigi in Lucca
Ein kleiner Wald über den Dächern des italienischen Lucca.
Foto: Flickr/Pedro (CC BY-2.0)

Mitten im Zentrum der Renaissance-Stadt gelegen, beherbergt die Dachterrasse stattdessen sage und schreibe sieben Eichen. Schon von der Straße aus ist der Blick auf den baumbewachsenen Turm etwas ganz besonderes. Von oben – im kühlen Schatten der Baumkronen – bietet sich ein einzigartiges Panorama auf die toskanische Stadt.

Treppenhaus des Torre Guinigi
45 Meter Treppensteigen – so erklimmt man den Torre Guinigi.
Foto: Flickr/linearclassifier (CC SA-BY 2.0)

Waldspirale, Darmstadt

Der eine oder andere Besucher von Darmstadt mag sich über den skurrilen Anblick schon gewundert haben: Bunte Säulen, unregelmäßig geformte Fenster und goldene Zwiebeltürmchen zieren ein U-förmiges Gebäude, dessen Fassade einem Schichtkuchen gleicht.

Die Wohnanlage trägt den Namen „Waldspirale“ und wurde vom österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser entworfen, der für seine exzentrischen und verspielten Werke berühmt ist. Das ikonische Design scheint irgendwie aus der Zeit gefallen: Es wirkt gleichzeitig alt und futuristisch.

Der großzügig angelegte Dachgarten ist frei zugänglich und lockt mit Linden, Buchen und Ahornbäumen sowie Blumenarrangements, die genauso ausgefallen sind, wie das Gebäude selbst.

8 House, Kopenhagen

Wer hat behauptet, dass eine Dachterrasse immer waagerecht sein muss? Das 8 House in Kopenhagen beweist, dass ein schräges Dach mindestens genauso viel hermacht. Entworfen von Bjarke Ingels wurde die Anlage, die im Grundriss eine Acht nachzeichnet, beim World Architecture Festival 2011 zurecht mit dem Housing Winner Award ausgezeichnet.

diagonale Dachterrasse
Bjarke Ingels‘ beeindruckendes 8 House in Kopenhagen.
Foto: Jens Lindhe

Das Konzept ist allein schon deswegen einzigartig, weil es die Prinzipien der Stadt auf das Gebäude überträgt und Gewerbe- und Wohneinheiten kombiniert. Das abfallende, grasbedeckte Dach lädt zum Verweilen ein und bestärkt die Intention des Architekten, gemeinschaftliches Wohnen neu zu definieren.

Gleichzeitig ist es vielleicht das einzige Dach der Welt, über das ein von der Straße erreichbarer Fahrradweg führt.

Wohnblöcke im 8 House
Ein Mikrodorf für die Bewohner.
Foto: Ty Stange