Die meisten Menschen sind wohl eher froh, wenn sie das WG-Leben mit dem Einstieg in das Berufsleben hinter sich lassen können, um endlich die eigenen vier Wände zu beziehen. Diese fünf Co-Living-Anbieter sind überzeugt, dass das Zusammenleben in Gemeinschaftswohnungen auch nach dem Berufseinstieg zu einem modernen, urbanen Lebensstil gehören kann.

Mehr Offenheit, mehr Zusammenarbeit, mehr Flexibilität: Die Gründe für die Nachfrage nach Co-Living-Wohnräumen entsprechen denen, die auch Co-Working so beliebt gemacht haben. Während sich das Konzept in der Arbeitswelt bereits etabliert hat, müssen sich Co-Living-Angebote als Antwort auf eine globalisierte, flexible Gesellschaft noch beweisen. Steigende Mietpreise und Platzmangel in urbanen Räumen haben den Bedarf jedoch vergrößert.

Co-Living-Häuser sind Gebäudekomplexe, in denen die Bewohner meist eigene Schlaf- und Badezimmer haben; Gemeinschaftsräume wie Küche, Wohnzimmer und andere Räumlichkeiten werden geteilt. Bewohnt werden diese Gebäudekomplexe häufig von digitalen Nomaden, die unabhängig von einem festen Büroplatz aus arbeiten können. Das Konzept basiert auf der Idee, eine Wohnumgebung zu schaffen, in der Gleichgesinnte aufeinander treffen, sich gegenseitig inspirieren und eine Community aufbauen. Durch vollmöblierte Räumlichkeiten und flexible Mietverträge wird Wohnraum zum Service-Model wie car2go oder frents und Bewohner erfahren Komfort ohne Kaufzwang ganz im Sinne der Sharing-Economy.

The Collective Old Oak, London/UK

Willkommensschild im The Collective Old Oak in London
Willkommen zu Hause – The Collective Old Oak hat weit mehr zu bieten als Zimmer, Küche, Bad.
Foto: Amandine Alessandra, The Collective Old Oak

Morgens den Sonnenaufgang auf der Dachterrasse genießen, arbeiten gehen, sich anschließend im Fitnessstudio auspowern und dann noch ein Kinobesuch mit Freunden – all das im Komfort der eigenen vier Wände. Das ermöglicht The Collective Old Oak in London, das weltweit größte auf Co-Living ausgerichtete Gebäude. Wer hier Unterhaltung sucht, muss sein Zuhause theoretisch nicht mehr verlassen: Neben dem privaten Wohnraum und gemeinsamen Aufenthaltsräumen stellt der Co-Living-Anbieter seinen Mitgliedern ein voll ausgestattetes Fitnessstudio, einen Wellness-Bereich, Co-Working-Spaces, eine Bibliothek, ein Kino sowie Bars und Restaurants zur Verfügung. 546 Bewohner leben dort momentan über zehn Etagen verteilt.

Gemeinschaftsräume mit modernen, farbenfrohen Möbeln im Common
Stylisch und modern: die Community-Räumlichkeiten.
Foto: Amandine Alessandra, The Collective Old Oak
Gedeckte Frühstückstische
Ein guter Start in den Tag gelingt mit einem gesunden Frühstück in den Gemeinschaftsräumen.
Foto: Amandine Alessandra, The Collective Old Oak

Die Mission des Anbieters ist es, in der momentanen Wohnungskrise der britischen Hauptstadt neuen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, der Menschen zusammenbringt. Durch gemeinsame Dinner-Partys, Workshops, Unterrichtsstunden und Events sollen Mitglieder der Einsamkeit der Großstadt entkommen. Die Miete beginnt ab 245 Pfund pro Woche. Dafür gibt es ein Zimmer mit eigenem Bad, 9.2m² Wohnraum sowie eine 5,8m² große Küchenzeile.

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Roam, Ubud/Bali

Co-Working im Urlaubsparadies bietet Roam in Bali: In Ubud, dem künstlerischen und kulturellen Zentrum der Insel, transformierte der deutsche Architekt Alexis Dornier einen U-förmigen Gebäudekomplex, der zuletzt als Boutique-Hotel diente, in ein Co-Living-Haus. Kletterpflanzen, Bambus und Palmen kombiniert er mit Beton, Pflasterstein und Holz. So passt sich das Gebäude der balinesischen Umgebung an und verschafft den Bewohnern gleichzeitig ein freundliches, heimisches Gefühl.

Chill-Area mit Räucherstäbchen am Pool des Roam Komplexes
Der Poolbereich bei Roam auf Bali: paradiesisch ruhig.
Foto: Roam

Ein gemeinschaftlicher Pool wird von insgesamt 24 Schlafzimmern umgeben, die alle mit eigenem Badezimmer und Balkon ausgestattet sind. Auf der Dachterrasse des Gebäudes mit Blick über die gesamte Insel befinden sich ein Co-Working-Space, ein Restaurant und eine große Fläche für Sportarten wie Yoga oder Capoeira. Weitere Co-Living-Spaces stellt Roam in Miami, London, Madrid, Tokio und San Francisco gegen wöchentliche oder monatliche Miete zur Verfügung. Die Preise beginnen bei 500 US-Dollar pro Woche bzw. 1.800 US-Dollar pro Monat.

Yoga-Raum des Roam auf Bali
Gemeinsame Yoga-Sessions bei tropischen Temperaturen.
Foto: Roam
Sonnenuntergang in Bali
Atemberaubende Sonnenuntergänge sind inklusive.
Foto: Chris Wise

Selina, San José/Costa Rica

Selina ist die richtige Anlaufstelle für digitale Nomaden, Reisende und Abenteurer, die sich neben Wohnraum auch nach Surfen und Meditation sowie Sprachkursen an exotischen Orten sehnen. Der Co-Living-Anbieter vereint den Komfort eines Boutique-Hotels mit der jungen Atmosphäre eines Hostels und legt vor allem Wert auf Wellness, Kunst, Musik und Kultur.

Wohnraum bei Co-Living-Anbieter Selina
Rustikales Interieur schafft eine junge Atmosphäre bei Selina.
Foto: Selina

Das erste Selina-Gebäude entstand 2014 in einer kleinen Surfstadt in Panama. Die Gründer Rafael Museri und Daniel Rudasevski hatten nach einer gemeinsamen Weltreise die feste Absicht, das Gastgewerbe zu verändern. Selina verfügt inzwischen über 23 Gebäudekomplexe in ganz Lateinamerika – auf Inseln, an Stränden und in urbanen Stadtzentren. Reisende, die bereit sind, ein Zimmer zu teilen, können in San José bereits ab 10 US-Dollar pro Nacht Unterschlupf finden.

Privates Schlafzimmer bei Selina in San José
Besonders Privatzimmer bieten Ruhe und Entspannung.
Foto: Selina

Common, San Francisco/USA

Der Co-Living-Anbieter Common verfügt momentan über insgesamt zwölf Häuser in den Städten San Francisco, New York City, Chicago und Washington, D.C. Wer nach San Francisco ziehen möchte, bekommt das günstigste Zimmer östlich der Stadt, in Oakland, ab 1.388 US-Dollar pro Monat. Common-Bewohner werden als „Mitglieder“ bezeichnet und haben ihr privates Schlafzimmer, teilen sich aber Küchen, Badezimmer und andere Räumlichkeiten. Verbrauchsgegenstände wie Papiertücher, Spülmittel oder Toilettenpapier werden regelmäßig aufgefüllt und sind ebenfalls im Preis inbegriffen – klassische WG-Diskussionen über nötige Besorgungen entfallen dadurch.

Küche eines Common Co-Living Gebäudes
Austauschen und Kontakte knüpfen beim gemeinsamen Kochen.
Foto: Common
Zimmer mit persönlicher Dekoration
Hell und gemütlich: in einem Zimmer von Common.
Foto: Common

Die Eingliederung in die Gemeinschaft wird neuen Mitgliedern leicht gemacht: Jedes Haus hat einen „Community Manager“. Er hilft Neulingen, die Nachbarn kennenzulernen und sich in die Gemeinschaft einzufinden. Der „House Leader“ wiederum organisiert Events wie gemeinschaftliche Abendessen oder Filmnächte. Zudem hat jedes Haus einen eigenen Gruppenchat, in dem sich Bewohner über anstehende Events austauschen oder spontane Get-togethers planen können.

Elegant eingerichtetes Wohnzimmer im Common Komplex
Die Gemeinschaftsräume laden zum Lesen und Entspannen ein.
Foto: Common

Ollie in Carmel Place, New York City/USA

Ollie in Carmel Place, das erste Luxus-Mikroapartment-Gebäude in New York City, eröffnete 2016 seine Türen. Der Co-Living-Komplex umfasst insgesamt 55 geschmackvoll eingerichtete Studioapartments, die zwischen 260m² und 360m² groß und minimalistisch gehalten sind. Ollie bietet seinen Bewohnern einen All-inclusive-Lebensstil: Neben zahlreichen Gemeinschaftsorten wie Fitnessstudio, Garten und Dachterrasse, erhalten Mitglieder exklusive Services wie einen Concierge- und Housekeeping-Dienst und ihren eigenen Butler-Service, der beispielsweise Blumen gießt oder das Bett macht.  

Blick aus einem Wohnzimmer des Ollie in New York
Auf Luxus muss man hier nicht verzichten, wie die Aussicht des Wohnzimmers verrät.
Foto: Ollie

In der Stadt, die niemals schläft, erhalten Mitglieder außerdem ständig Einladungen zu einzigartigen Events und weitere Annehmlichkeiten wie kostenfreie Getränke oder exklusive Vergünstigungen. Preispakete beginnen bei 2.775 US.-Dollar. Weitere Spaces bietet Ollie in Pittsburgh, ab 2019 in Jersey City und ab 2020 in Los Angeles und Boston.

Einrichtungsbeispiel eines Zimmers des Ollie in New York
Klein, aber fein: Die Zimmer des Anbieters Ollie bieten alles, was man braucht.
Foto: Ollie