Der postindustrielle Brooklyn Bridge Park ist seit über 30 Jahren ein laufendes Bauprojekt – und einer der beliebtesten Orte der New Yorker zum Flanieren und Sporttreiben. Jetzt gibt es neue Nutzungspläne, die zwischen Anwohnern, Investoren und Stadt verhandelt werden müssen.

Besser könnte die Lage nicht sein. Mit Aussicht auf die Skyline des Financial District an der Südspitze Manhattans liegt der Brooklyn Bridge Park direkt neben der weltberühmten gleichnamigen Brücke.

Wie in vielen westlichen Großstädten ist der ehemalige Hafen der neue Anziehungspunkt für die Bevölkerung New Yorks geworden. Wo sonst gibt es sonst noch so viel freien Raum wie in post-industriellen Hafenvierteln?

Der 34 Hektar große Park ist einer der größten der USA, erstreckt sich über zwei Kilometer entlang der Atlantic Avenue und schließt die historischen Fulton Ferry Landing Piers 1 bis 6 mit ein.

Wiese und Skyline von Manhattan
Eine grüne Oase in der Stadt.
Foto: Julienne Schaer

Aktivitäten ohne Ende

Weshalb dieser Erholungsraum so beliebt ist, verwundert nicht. Die Oase mitten in der Stadt bietet viel Abwechslung: Jede Menge Sportaktivitäten wie Basketball, Rollerskating, Volleyball, Tennis, Klettern und natürlich Fitness sind möglich.

Besucher können mit Blick auf die Glastürme am Ufer spazieren, im Park picknicken, in geschützten Gewässern paddeln, Urban Gardening betreiben oder mit Kindern die Spielplätze besuchen. Es gibt sogar einen echten Sandstrand am Pier 4!

Damit die Besucher den Park immer wieder neu erleben können, werden von Organisationen aus der Nachbarschaft Events veranstaltet – von Yogasessions über Lesezirkel bis hin zu Poolpartys. Ein urbanes Paradies, so vielfältig und phantasievoll wie die New Yorker selbst.

Das Gemeinschaftsgefühl der Menschen ist im Brooklyn Bridge Park so spürbar wie an fast keinem anderen Ort der Millionenmetropole. Die Bewohner der Stadt verschmelzen zu einer bunten Mischung und sind stolz auf die Vielfalt ihrer eigenen Stadt.

Bis dieser Mix aus Subkulturen und Ethnien entstehen konnte, sind seit dem ersten Konzept über 30 Jahre vergangen. Auch heute ist die Arbeit am Brooklyn Bridge Park noch nicht abgeschlossen. 1632 erstmals von den Kolonialherren erwähnt, erlebte der Hafen seine Blütezeit in den 1850er Jahren, als dort mit über 130 Warenhäusern und 25 sogenannten „Fingerpiers“ – ins Wasser ragender Anlegestellen – reger Handel betrieben wurde.

Das Areal veränderte sich im Zuge der Globalisierung rasant. 1983 stellten die Behörden den Schiffsbetrieb ein und legten damit den Grundstein für eine Umnutzung. Mit dem Bau des Parks wurde aber erst 2008 begonnen. Erste Grünflachen wurden angelegt, Promenaden gebaut und Sportplätze eingerichtet.

Menschen spielen Basketball
Öffentliche Sportplätze machen den Park noch attraktiver.
Foto: Julienne Schaer

Ausgezeichnetes Projekt

Nur drei Jahre später gewann der Brooklyn Bridge Park als herausragendes urbanes Projekt den Rudy Bruner Award, eine der höchsten Auszeichnungen für städtische Aufwertungsprojekte. „Der Park hat ein Überbleibsel des Industriezeitalters in einen zugänglichen, grünen Erholungsraum für die Bewohner umgewandelt“, begründete das Komittee seinen Entschluss.

Zudem wurde unterstrichen, dass der Park für Menschen aus allen Schichten zahlreiche, oft auch kostenlose Programme bietet. Erwähnenswert bei der Auszeichnung war auch die Nachhaltigkeit. Der Park soll nicht nur den Besuchern Freiräume bieten, sondern auch der Natur.

Mit Schutzgebieten wird die einstige Industriebrache mit der Wiederbesiedlung durch seltene Vogelarten neu belebt. Neu im Park ist auch eine Herde Schafe, die nun mitten in der Großstadt grast.

Nahaufnahme der Brooklyn Bridge
Seine industrielle Vergangenheit muss das Areal nicht verstecken.
Foto: Etienne Frossard

Ein Park für alle

2002 unterzeichnete der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg ein Memorandum und stattete die Non-Profit-Organisation Brooklyn Bridge Park Development Corporation mit 150 Millionen Dollar und dem Auftrag aus, den gerade preisgekrönten Park künftig aus eigenen Einnahmen zu finanzieren – mit der Auflage, dass 80 Prozent der Fläche ausschließlich als Park genutzt werden dürfen.

In asiatischen oder europäischen Städten gibt es mittlerweile zahlreiche privat initiierte Parks. Das Konzept des Brooklyn Bridge Park ist anders. Die Menschen, die ihn nutzen, sollen den Park gestalten und mitreden.

Der Brooklyn Bridge Park ist – nicht nur auf dem Papier – eine Anlage für alle: „Dieser Park ist einer der schönsten Plätze in Brooklyn“, sagt Rachel Rosenfelt, Kreativdirektorin beim Verlag Verso Books.

„Es gibt nicht besseres, als unter der Brücke zu sitzen, die sich bis nach Manhattan erstreckt, während das Wasser ans Ufer brandet und Kinder sich auf dem Karussell vergnügen. Die meisten Besucher kommen zur Mittagspause her – ich genieße diese allgemein herrschende Stimmung von Entspannung und Gelassenheit, wann immer ich es schaffe, mich vom Computer loszureißen und die Schönheit der Stadt aufzusaugen.“

Menschen relaxen im Brooklyn Bridge Park mit der Aussicht auf Brooklyn Bridge
Entspannung mit Aussicht.
Foto: Etienne Frossard

Ein begehrter Ort

Das Gemeinschaftsgefühl und die bunte Mischung an Besuchern bereichern zweifelsohne das Zusammenleben in der Stadt. Trotzdem müssen zwischen Besuchern, Anwohnern, Betreibern, Politikern und Investoren immer wieder neue Verhandlungen geführt werden. Urbaner Raum in einer Weltstadt wie New York ist knapp – und deshalb begehrt.

Weil die Betreiber die rund 16 Millionen Dollar Unterhaltungskosten für den Park selber aufbringen müssen, liegt es auf der Hand, in einem Gebiet rund um Pier 6 Immobilien zu bauen. Das sorgt für Gesprächsstoff. Investoren setzen an dieser Lage auf Luxusapartments, während Besucher argumentieren, der Park solle für alle zugänglich bleiben und nicht wohlhabende Mieter bevorzugen.

Ideen für Sozialwohnungen stehen in Konkurrenz mit den Plänen der Gesellschaft One Brooklyn Bridge Park, die bereits mit „besten Aussichten“ für Anwohner und Investoren lockt. New Yorks neuer Bürgermeister Bill de Blasio versucht seit seinem Amtsantritt zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

Diese Debatte ist symbolisch für den Brooklyn Bridge Park. Er ist anders als die meisten Parks – weil er den Menschen gehört. Dieser Grundsatz hat das Megaprojekt erst möglich gemacht. Wegen des Erfolgs wachsen nun die Begehrlichkeiten. Vor allem auch, weil der Bau noch nicht vollends abgeschlossen ist und einige Anlagen in naher Zukunft öffentlich gemacht werden sollen.

Dabei müssen sich Politiker, Anwohner und Investoren aber an die Idee eines öffentlichen Parks halten: Jeder darf mitreden. Dieses Abkommen macht die Einzigartigkeit und die Qualität des Brooklyn Bridge Park aus.

Menschen sitzen an der Wasserfront im Brooklyn Bridge Park
Der Brooklyn Bridge Park ist für alle da.
Foto: Julienne Schaer