Kurz vor ihrem mitreißenden Live-Auftritt im house of smart in Austin haben wir die in Los Angeles lebende Sängerin Bishop Briggs getroffen und mit ihr über ihr Viertel, das Leben in der großen Stadt und den Einfluss von Technologie auf ihre Musik gesprochen.

In London geboren, in Tokio und Hongkong aufgewachsen und jetzt in Los Angeles zuhause – man kann wohl sagen, dass sich Sarah Grace McLaughlin – alias Bishop Briggs – mit dem Leben in Großstädten auskennt. Nachdem ihre bluesige Debut-Single „River“ im letzten Jahr die Charts von Hype Machine und Spotify stürmte, trat die stimmgewaltige Sängerin diesen April mit ihrer elektrisierenden Live-Show auf dem kalifornischen Coachella Festival auf. Kurz zuvor trafen wir die Sängerin am Rande ihres Auftritts im house of smart in Austin, um mit ihr über Los Angeles, Technologie und Musik zu sprechen.

Was bedeutet es dir, in einer großen Metropole zu leben?
Bishop Briggs:
Ich kenne ja nichts anderes als das Leben in der Stadt, von London über Tokio und Hongkong bis zu meiner aktuellen Heimat Los Angeles. Früher war eine Stadt für mich nichts Besonderes, aber inzwischen genieße ich es bewusster an solchen Orten zu leben, weil alle Menschen hier sehr kreativ und aufgeschlossen sind. Irgendwie machen Städte einen zum Arbeitstier, weil man nicht aufhört, nach etwas zu streben.

Portrait von Bishop Briggs
Sängerin Bishop Briggs im house of smart in Austin.

Nur sehr wenige Menschen können behaupten, dass sie in Städten auf drei verschiedenen Kontinenten gelebt haben. Gibt es eine perfekte Stadt für dich?
Bishop Briggs:
Ich bin sehr voreingenommen. Es gibt Orte, an denen ich perfekte Momente erlebt habe. Gleichzeitig gibt es sicher auch großartige Orte, die ich noch nie gesehen habe. Ich würde mal Hongkong sagen – es ist immerhin meine eigentliche Heimatstadt. Es ist schon sehr perfekt dort.

Du planst also nicht, demnächst aufs Land zu ziehen.
Bishop Briggs:
Ich bin fasziniert vom Land, weil ich es nur selten erlebt habe. Aber dort gibt es die schönsten Gegenden! Als ich das erste Mal in Nebraska war, hat es mich umgehauen – ich hatte keine Ahnung, dass es eine so unglaubliche Landschaft gibt.

Bishop Briggs mit einem Fan in den Straßen von Austin
Ein Andenken: Bishop Briggs mit einem Fan.

Wenn du in einer Stadt wie L.A. lebst, sind dir die urbane Infrastruktur, die Menschen und die Kultur wichtig? Oder kommt es dir ebenso drauf an, auch Zugang zur Natur rund um die Stadt zu haben?
Bishop Briggs:
Nun ja, in Los Angeles zu leben, hat schon viele wunderbare und faszinierende Vorzüge. Aber im Ernst: Selbst wenn diese Stadt ein winziges Zimmer ohne Fenster wäre und ich dort an meinen Träumen und Leidenschaften arbeiten könnte, würde ich das tun. Die Natur und die Vorzüge einer Großstadt sind selbstverständlich toll. Der Grund, warum ich dort lebe, ist allerdings die Musik.

Ist L.A. im Moment die beste Stadt der Welt wenn es um Musik geht?
Bishop Briggs:
Das weiß ich nicht. Es war einfach die Stadt, von der ich mich angezogen fühlte und in der ich gelandet bin. Es ist ein sehr positiver Ort für mich. Fünf Jahre lang war es sehr deprimierend, aber in diesem Jahr, als es mit meiner Karriere richtig losging, war es super für mich (lacht).

In welcher Gegend wohnst du?
Bishop Briggs:
Ich wohne in Silver Lake/Echo Park – Hipster-Land.

Was gefällt dir an deinem Viertel?
Bishop Briggs:
Ich liebe es, dass man überall zu Fuß hingehen kann. Am Wochenende finden Bauernmärkte statt. Dort kauft man sich einen kleinen Kaktus oder ein paar Kristalle. Es ist eine kleine Welt für sich – eine gute „Blase“.

Close-up von Bishop Briggs
Bishop Briggs brachte im April ihre selbstbetitelte EP heraus.

Wie sieht der perfekte Samstag für dich aus?
Bishop Briggs:
Auf jeden Fall gibt es viel gutes Essen. Ich esse total gerne. Aber es gehört auch ein Spaziergang dazu, oder ich gehe in einen Hippieladen, wo ich Kristalle kaufen und mir meine Tarot-Karten legen lassen kann.

Wo sprudeln die Quellen deiner Inspiration in L.A.?
Bishop Briggs:
Überall. Ich versuche immer auf alle Erfahrungen zurückzugreifen, ob sie klein oder groß sind. Selbst dieses Gespräch jetzt – ich kann so viel daraus mitnehmen, weil die persönliche menschliche Erfahrung so einzigartig und wertvoll ist. Es gibt so viel, worüber man schreiben kann. Die Gefühle, die du in bestimmten Situationen hast, können sehr inspirierend sein.

Bishop Briggs bei ihrem Auftritt im house of smart in Austin
In the zone: Bishop Briggs auf der Bühne.

Du kombinierst klassische Elemente wie Gitarre und Songwriting mit elektronischen Beats. Ist dein Musikstil so vielfältig, weil du an so unterschiedlichen Orten aufgewachsen bist?
Bishop Briggs:
Meine Einflüsse war die Musik, die im Wohnzimmer lief. Als Kind habe ich viel Motown, Beatles und Janis Joplin gehört. Die Produzenten, mit denen ich im Moment arbeite, hatten einen ganz anderen Hintergrund. Und so ist durch die Kombination unserer Welten dieser Musikstil entstanden.

Gab es bei dir keine J-Pop-, K-Pop- oder Hongkong-Pop-Phase?
Bishop Briggs:
Ich liebe diese Richtungen alle und habe oft zu K-Pop getanzt, als ich in Hongkong gelebt habe. Man weiß nie, was einen beeinflusst hat, man kann nur raten. Ich glaube, dass eine Kombination aus all diesen Dingen bestimmt, wer man ist.

Bishop Briggs singt
Bishop Briggs liefert eine energiegeladene Show.
Bishop Briggs singt
Bishop Briggs singt

Und wie hat dir die Woche in Austin gefallen?
Bishop Briggs:
Es war großartig. Musik spielt an jeder Ecke. Ich liebe es, nach neuer Musik zu suchen und das „nächste große Ding“ zu entdecken – und das kann man hier am besten.

Die Idee des house of smart war, einen Ort der Ruhe und Entspannung zu bieten.
Bishop Briggs:
Tolle Idee! Deswegen bin ich schon seit zwei Stunden hier, obwohl ich nur zehn Minuten bleiben wollte. Ich hänge einfach rum und lasse mich treiben, es ist sehr Zen. Eine tolle Mischung, Technologie und smart im Allgemeinen zu entdecken, sich aber auch sehr entspannt zu fühlen. Ich liebe diese Mischung.

Das SXSW begann vor 25 Jahren als Musikfestival. Mittlerweile ist es die größte Technologiekonferenz der Welt. Wie kommen diese beiden Elemente, Technologie und Musik, in deinem Leben zusammen?
Bishop Briggs:
Ich glaube, Innovation, Unternehmertum und Technologie können dem Kreativen nur dienlich sein – wenn sie klug eingesetzt werden. Es gibt heutzutage so viele verschiedene Plattformen für selbstgemachte Musik. Und auch Musiksoftware im Allgemeinen – wir haben inzwischen Zugang zu unglaublichen Streichorchestern – ich bin wirklich dankbar für diese technologischen Neuerungen der Musikproduktion.

Bishop Briggs bei einem Konzert
Bishop Briggs und ihre Band.

Fördert die Technologie deinen kreativen Prozess oder ist sie eher abträglich?
Bishop Briggs:
Technologie entwickelt sich rasend schnell und beeinflusst unseren Alltag – das wurde mir bereits bewusst, als ich noch in Japan lebte. Und alles passiert in so hoher Frequenz. Ich sehe es schon als eine positive Entwicklung – aber wenn man Musik macht und schreibt, muss man in einem rohen Zustand sein. Man muss das Telefon ausschalten und aus seiner Seele heraus schreiben. Trotzdem war ich immer schon ein großer Fan von Technik – wegen der Art, wie ich aufgewachsen bin.

Heutzutage wissen Computer immer mehr über einen Menschen, sie antizipieren, was er tun will – siehst du das mit Hoffnung oder Sorge?
Bishop Briggs:
Vielleicht ist es gesund, ein bisschen von beidem zu empfinden, es zu lieben und zu fürchten (lacht). Meine größte Hoffnung bei jeder neuen Technologie ist, dass sie die Welt ein bisschen besser macht. Gesundheit steht für mich ganz oben. Wir haben viele kluge Leute in dieser Welt und die Hoffnung ist, dass sich ihre Erfindungen langfristig bewähren und Krankheiten ausmerzen und uns erlauben, glücklich zu sein.

Bishop Briggs mit ihrer energetischen Performance in Austin, Texas
Bishop Briggs überrascht gerne bei ihren Auftritten.

Du bist in diesem Jahr auf dem Coachella aufgetreten – warst du aufgeregt?
Bishop Briggs:
Und wie! Ihr hättet mein Gesicht sehen sollen, als ich das erfahren habe. Ich konnte es nicht glauben. Ich dachte, dass es ein Irrtum ist und sie vielleicht jemand anders meinen. Damit ist ein großer Traum wahr geworden!