Es ist das Berliner Lebensgefühl, das die Expats aus aller Welt in die deutsche Hauptstadt lockt. Junge Unternehmer gründen in Berlin ihre ersten Start-ups, kreative Köpfe genießen die Freiheit und den Input. Einer von ihnen ist der niederländische Designer Ruben der Kinderen.

Morgens bei Isla Coffee in Berlin-Neukölln. Die Hermannstraße ist um diese Zeit schon sehr belebt, doch in dem kleinen, minimalistisch eingerichteten Coffeeshop herrscht eine gelassene Stimmung. Ruben der Kinderen bestellt einen Espresso. Der Produktdesigner aus Eindhoven möchte mit seiner Arbeit dazu beitragen, die Welt zu einem lebenswerteren Ort zu machen. Der Wahlberliner nimmt die Stadt deshalb durch seinen ganz eigenen Filter wahr. Seine Lieblingsorte sind nicht die Clubs oder hippen Ausgehviertel. Stattdessen zieht es ihn an Orte, die ihn entweder selbst inspirieren oder an denen andere Menschen ihre Inspiration teilen. Orte, die die Welt im Kleinen verändern, Schritt für Schritt: Eine Werkstatt im Wedding, ein Café in Neukölln, eine Glasbläserei am anderen Ende der Stadt. Im smart forfour machen wir uns auf den Weg.

Ruben der Kinderen lächelt

Ruben, erkennt man einen guten Kaffeeladen am Espresso?
Ruben der Kinderen:
Auf jeden Fall. Hier bei Isla Coffee ist er wirklich hervorragend. Der Laden ist sehr neu und setzt auf die Philosophie des Third Wave Coffee, die auf der aromaschonenden Zubereitung aufbaut. Deshalb bekommt man oft Kaffee mit einem hohen Säureanteil.

Was gefällt dir an Isla Coffee besonders?
Ruben der Kinderen: 
Der Kaffee hier macht die Welt ein bisschen besser. Der Laden arbeitet auch nach dem Prinzip Zero Waste: Teile der Früchte aus der Saftpresse kommen in den Kuchen und die Tassen sind nicht aus Porzellan, sondern aus hochkomprimiertem Kaffeesatz. Ich finde diese Art von Materialbenutzung extrem spannend – das Prinzip, dass nichts Abfall ist, dass alles der Rohstoff für Neues sein kann. Ein guter Ansatz.

Tour durch Berlin-Neukölln im smart forfour

Logo des Cafés isla in Neukölln

So kommt man über ein Genusserlebnis zu nachhaltigem Design. Ist das typisch für Berlin?
Ruben der Kinderen: 
Berlin versucht immer, sich neu zu erfinden und die Welt besser und offener zu machen. Jeder ist willkommen. Besonders spannend finde ich das Refugee-Projekt in der Gärtnerei in Neukölln. Hier werden Deutsch, Berufskunde, sowie Kenntnisse in Gärtnerei und Landschaftsbau vermittelt. Außerdem ist Berlin eine Bottom-up-Stadt. Hier beginnen die Dinge im Kleinen. Das sieht man auch an der Start-up-Szene. Es gibt jede Menge Start-ups, denn das Leben hier ist viel günstiger als in Hamburg oder München. Es ist relativ einfach, ein Business zu starten.

Du bist eigentlich nur für ein Praktikum nach Berlin gezogen. Wie lange genau wohnst du jetzt schon hier?
Ruben der Kinderen: 
Meine Freundin Karen und ich wollten eigentlich nur ein Jahr hier wohnen, um ein neues Abenteuer zu erleben. Daraus sind inzwischen schon vier Jahre geworden (lacht). Diese Stadt lässt dich nicht mehr los, sie ist sehr verführerisch.

Ruben der Kinderen unterhält sich mit dem Barista von isla coffee

Ruben der Kinderen erzählt von seinem Leben in Berlin

Du wohnst in Neukölln. Hast du hier einen weiteren Lieblingsort?
Ruben der Kinderen: 
Ja, das Café Fincan im Körnerkiez. Früher habe ich viel getanzt, ich habe sogar an Standard-Turnieren teilgenommen. Im Café Fincan kann man Tango tanzen. Das machen Karen und ich immer noch regelmäßig.

Du bist Produktdesigner. Woran arbeitest du gerade?
Ruben der Kinderen: 
Für meine Designreihe BLOW habe ich Lampen und Vasen produziert. Bei der Produktion habe ich Plastikrohlinge verwendet, aus denen normalerweise handelsübliche PET-Flaschen hergestellt werden. Ich habe die Produkte auf Designmessen in Mailand und Wien ausgestellt und es lief recht gut. Inzwischen setze ich jedoch meinen Fokus gezielt auf den Bereich Social Design. Gutes Design liefert Lösungsansätze für eine bessere Welt.

Ruben der Kinderen am Steuer des smart forfour
Ruben der Kinderen fährt durch Berlin im smart
Werkstatt in Berlin mit einem smart forfour im Hintergrund

Wo arbeitest du?
Ruben der Kinderen: 
Ich habe einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt im Wedding. Dort sind wir insgesamt neun Leute – Architekten, Grafik-Designer und weitere Kreative. Dort gibt es eine CNC-Fräse, einen Lasercutter, und eine Drehbank. Ein Coworking-Space, aber zugeschnitten auf kreatives Handwerk.

Habt ihr auch einen 3D-Drucker?
Ruben der Kinderen: 
Nein, ich stehe da nicht so drauf. Ich möchte Dinge weiterhin mit der Hand bearbeiten und lege viel Wert auf den Prozess. Schon für die Lampen und Vasen meiner Serie BLOW habe ich ein spezielles Verfahren entwickelt. Die Plastikflaschen wurden in einem Ofen erhitzt und dann mit einer Luftpumpe aufgeblasen. Dadurch erhielt jede eine ganz eigene Form. Man kann es auch selbst versuchen. Aber aufpassen: Gerade am Anfang sind mir die Dinger in der Hand explodiert (lacht). Es knallte laut und meine Kollegen sind panisch in den Keller gelaufen um zu gucken, ob es mir gut geht.

Ruben der Kinderen in der Werkstatt im Wedding
Recyceltes Glas
Ruben der Kinderen arbeitet mit recycelten Teilen
Designer Ruben der Kinderen bei der Arbeit
Ruben der Kinderen bei der Arbeit

Wo kann man im Wedding gut essen?
Ruben der Kinderen: 
Wir haben Glück, dass mit Dan Thai Food eines der besten Thai-Restaurants Berlins direkt neben unserer Werkstatt liegt. Das Personal der thailändischen Botschaft in Mitte isst dort, die kommen oft extra mit dem Auto. Dort gibt es auf jeden Fall das beste Curry in Berlin. Sehr authentisch – und höllisch scharf. Wir bestellen das Essen immer vorher, holen es dann ab und essen in der Werkstatt. Das Restaurant selbst ist sehr klein – man kann kaum darin sitzen.

Weiter geht es durch die Straßen von Berlin. Im geräumigen smart forfour in cadmium red steuern wir die nächste Station an. Der Nachmittag ist freundlich, unser Sonnendach ist weit geöffnet. Wir parken auf einem alten Fabrikgelände in Reinickendorf. In einem unscheinbaren Gebäude stehen zwei Öfen, in denen Glas auf viele hundert Grad erhitzt werden kann. Zahlreiche gedrehte Figuren aus buntem Glas, Gefäße und andere Glasgebilde zeugen vom Fleiß der Kunsthandwerker.

Was ist die Geschichte hinter diesem Ort?
Ruben der Kinderen: 
Ich hatte immer Lust, traditionelles Handwerk kennenzulernen und mir anzueignen. Schreinern, schmieden – oder Glasbläserei. Heutzutage wird so viel konsumiert, dass das Wissen von der Herstellung verloren geht. So etwas kommt auch meinen Produktdesign-Fähigkeiten und meiner Materialkenntnis zugute. Deswegen habe ich hier bei Berlin Glas zwei Glasbläser-Kurse belegt. In knapp 80 Stunden habe ich gelernt, wie man ein Weinglas herstellt oder einen Becher. Das ist sehr schwierig und auch ziemlich teuer, aber das Wissen behält man ein Leben lang.

smart forfour vor einem Berliner Altbau

Ruben der Kinderen bei Berlin Glas e.V.

Es scheint, besondere kreative Orte wie dieser sind in Berlin eher versteckt … Was für Entdeckungen hast du in der Stadt noch gemacht?
Ruben der Kinderen: 
Zum Beispiel der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien am Mariannenplatz in Kreuzberg. Viele Mietshäuser sind ineinander verschachtelt, deswegen gibt es unzählige kleine Innenhöfe. Hier findet sich immer etwas Neues – Dinge und Menschen, die einem verborgen bleiben, wenn man sich nicht traut, die erste Tür zu öffnen. Meine Empfehlung: Folge nicht den normalen Wegen, verlasse sie. Es ist immer gut, die eigene Abenteuerlust als Kompass zu nutzen.

Designer Ruben der Kinderen lehnt sich an einen smart forfour an und telefoniert

Und wenn du mal den Blick weiter schweifen lassen möchtest?
Ruben der Kinderen: 
Dann nehme ich einen Flieger nach Schweden und gehe in die Wildnis, nur mit einem Zelt. Ich mache Feuer, suche essbare Pflanzen, stelle eigene Seile her. Das sind Dinge, die wir verlernt haben, weil wir in Städten leben. Ich bin vor kurzer Zeit am Flughafen Göteborg gelandet und einfach losgelaufen, 40 Kilometer in eine Richtung, auf der Suche nach Inspiration. In Berlin geht das natürlich nicht. Da gehe ich stattdessen in Parks, etwa in die Hasenheide. Im Körnerpark gibt es im Sommer kostenlose Konzerte. Und für die ruhigen Momente empfehle ich immer gerne das Tempelhofer Feld. Auch am Spreeufer gibt es schöne Plätze.

Diese Nähe zur Natur ist sicher ein guter Ausgleich zu deiner Arbeit in der Agentur ITR8.
Ruben der Kinderen: 
Auf jeden Fall. Und beides schließt sich nicht aus. Bei ITR8 in Friedrichshain arbeite ich mit total tollen Leuten an spannenden Projekten und Apps. In der Agentur bin ich für den Bereich UX Design, also benutzerorientiertes Design, zuständig. Hier gibt es starke Parallelen zum Produktdesign. Physisches mit Digitalem zu verknüpfen, finde ich spannend.

Ruben der Kinderen in einem Co-Working-Space in Berlin
Illustration von Glühbirnen
Arbeit am MacBook
smart forfour auf einer Straße in Berlin

Gehörst du zu einer Generation, für die Besitz nicht mehr so wichtig ist?
Ruben der Kinderen: 
Das würde ich schon sagen. Ich brauche zwar Musik, aber keine große CD-Sammlung. In Berlin zieht man oft um, da ist Besitz eher hinderlich. Im Möbelbereich gibt es zwar viele gut designte Stühle. Schönes Design alleine reicht mir jedoch nicht – ich achte bei Produkten darauf, ob ihre Existenz die Welt besser macht. Mehr Besitztum herzustellen ist meines Erachtens eher schlecht für die Welt. Zum Glück gibt es immer mehr gute Modelle und Services zum Teilen von Besitz und Dienstleistungen, wie etwa Carsharing.

Welches Auto wäre dein ideales Stadtauto?
Ruben der Kinderen: 
Mit dem neuen smart electric drive würde ich auf jeden Fall eine Probefahrt machen.

roter smart forfour

Ruben der Kinderen ist ein Tausendsassa. Der gebürtige Niederländer arbeitet als Produktdesigner und ist unter anderem bekannt für seine selbstentworfenen Vasen und Lampen der BLOW-Serie. Außerdem designt er interaktive Produkte für die Berliner Agentur ITR8. In seinen Arbeiten stellt er den Menschen und Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt.

Local Secrets Berlin:

Isla Coffee
Hermannstr. 37, 12049 Berlin
www.facebook.com/Islacoffeeberlin

Raumlabor / Die Gärtnerei
Hermannstr. 84, 12051 Berlin
www.diegaertnerei.berlin

Café Fincan
Altenbrakerstr. 26, 12051 Berlin
www.fincan.eu

Dan Thai Food
Reinickendorfer Str. 96, 13347 Berlin
www.facebook.com/danthaifood.berlin

Berlin Glas e.V.
Provinzstr. 42a, 13409 Berlin
www.berlinglas.org

Kunstraum Kreuzberg/ Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin
www.kunstraumkreuzberg.de

Körnerpark
Schierker Str., 12051 Berlin
www.körnerpark.de

Tempelhofer Feld
Columbiadamm, 12101 Berlin
www.gruen-berlin.de/tempelhofer-feld

ITR8
Müggelstr. 26, 10247 Berlin
www.itr8.io