Öffentlicher Raum in Städten wird oft nicht genutzt. Das Amsterdamer Designbüro We The City will dies mit seinem BenchesCollective ändern und die Straßen in das größte Freiluft-Wohnzimmer der Welt verwandeln.

Die kleinen Sitzbänke vor jeder Haustür sind im Amsterdamer Stadtbild allgegenwärtig. Doch nur selten werden sie richtig genutzt. Die Initiative BenchesCollective lädt nun mehrmals im Jahr dazu ein, die Bänke für alle Nachbarn, Anwohner und Passanten „freizuschalten“. In diesen privaten Freiluft-Cafés können sich die Menschen, die seit Jahren Tür an Tür leben oder sich täglich auf dem Bürgersteig begegnen, besser kennenlernen.

Jeder, der eine Bank besitzt, wird gebeten, sie zu „öffnen“, indem er sie auf einer Karte auf der Webseite des BenchesCollective einträgt und rund um die Bank zu sozialen Aktivitäten mit Freunden, Nachbarn oder Fremden einlädt. Was sie anbieten wollen, bleibt den Teilnehmern überlassen.

„Es kann Essen und Trinken oder ein Salsa-Kurs oder ein Murmel-Wettbewerb sein, ja sogar Kreidemalerei“, sagt Jesse Jorg, Gründer von We The City. „Das spielt eigentlich keine Rolle.“

Indem sie sich den öffentlichen Raum aneignen, so Jesse, schaffen Bürger neue Möglichkeiten zur Interaktion, dem Aufbau von Beziehungen und gemeinschaftlichen Aktionen.

„Letztendlich kann sich so jeder in seinem Kiez wohlfühlen und etwas unerwartetes erleben, bevor er nach Hause geht. Die Leute sind glücklich, wenn sie wissen, dass sie einen gemeinsamen Raum mit anderen teilen.“

People playing music at the BenchesCollective in Amsterdam
Bank trifft Band: Publikumsmagnet vor der Haustür.

Inspiration aus Bangkok

Jesse ließ sich durch einen Auslandsaufenthalt in Bangkok dazu inspirieren, das BenchesCollective zu gründen: „Bangkok ist eine Stadt voller Leben. Wenn du aus dem Haus gehst, spürst du die Dynamik und Energie der Menschen und der ganzen Umgebung.“

Bei seiner Rückkehr nach Amsterdam wollte Jesse dieses Gefühl eines gemeinschaftlichen Raums nachahmen. „Was uns an Bangkok gefiel, war, dass die Menschen sich in der Öffentlichkeit wirklich durchmischten.“

Ein solches Projekt schien in Amsterdam leicht umzusetzen zu sein. Der vielfältige Wohnungsmarkt in Amsterdam sorgt bereits für eine bunte Mischung aus Anwohnern, darunter Studenten, Geflüchtete und Zuwanderer, die in der Stadt arbeiten.

„Obwohl diese Vielfalt toll ist, leben die Menschen oft nebeneinander her und interagieren nicht miteinander“, betont Jesse. „Die Bürgersteige gehören uns allen, warum sollten wir diese Art von öffentlichem Raum nicht als gemeinsames Wohnzimmer nutzen?“

750 Bänke in zehn Ländern geplant

Aber was ist, wenn man keine Bank besitzt? „Man kann ein paar Stühle rausstellen oder sogar eine Bank im Park nutzen“, sagt Jesse und verweist auf die Philosophie hinter dem BenchesCollective: Sie gibt den Leuten die Richtung vor und sie können entscheiden, was sie daraus machen wollen.

Zum Beispiel einen Platz zu schaffen, an dem sie ihre Nachbarn zu einem besonderen Erlebnis einladen können. Aus den eröffneten Bänken sind so ganze Nachbarschafts-Initiativen entstanden: „Das BenchesCollective ist ein Katalysator, damit Leute ihre Ideen austauschen und sozialen Zusammenhalt schaffen können“, erklärt Jesse.

Jesse will diese Initiative weiter ausbauen und mehr Teilnehmer außerhalb der Niederlande gewinnen: im kommenden Jahr sollen 750 Bänke weltweit in zehn verschiedenen Ländern „eröffnen“.

„Die Idee des BenchesCollective ist für internationale Gemeinden sehr attraktiv, aber jede Stadt geht mit ihrem öffentlichen Raum anders um“, erklärt Jesse. „Einige Städte halten gar nichts von der Idee, dass der öffentliche Raum von den Anwohnern gestaltet wird.“

Children eating at BenchesCollective in Amsterdam
Die Ideen sind endlos, wie diese „Salsa Bank“ zeigt.
Food at BenchesCollective in Amsterdam
Hinsetzen und dippen.

Lerne deine Nachbarn kennen

Jesse hofft, dass andere Städte die Idee des BenchesCollective aufgreifen und Barrieren im öffentlichen Raum durch das gemeinsame Erleben einreißen. Indem die Menschen sich Gesprächen öffnen, entsteht ein Zusammenhalt in den Nachbarschaften. „Du weißt nicht, wie toll deine Nachbarn sind, wenn du sie nicht kennenlernst.“

Das BenchesCollective hat erfolgreich demonstriert, dass mehr Verständnis für den Wert des öffentlichen Raums und seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, Städte in lebendige Gemeinschaften verwandeln kann. Der 18. September war der Abschlusstag der Benches-Saison 2016.

Mit 450 teilnehmenden Locations war es der wohl bisher erfolgreichste Benches Day. Sei gespannt auf die Benches-Saison 2017. Ob du in Amsterdam oder anderswo in der Welt wohnst – auf der Website des BenchesCollective kannst du deine Bank anmelden oder eine Bank in deiner Nähe finden, um 2017 mit dabei zu sein!

Weitere Informationen über BenchesCollective findest du auf ihrer Website, oder folge ihnen auf Facebook oder Twitter.