Das Schienennetz ist eine gute Alternative zur verstopften Straße – jedoch nicht nur, um ungehindert von A nach B zu kommen. smart magazine stellt sieben nicht ganz ernst gemeinte Projekte vor, die aufzeigen, welche spannenden und mitunter verrückten Dinge man auf Bahngleisen veranstalten könnte.

.WAV Bahnrad

Straßenbahnschienen sind der natürliche Feind jedes Radfahrers. Eine falsche Bewegung – schon ist der Reifen eingeklemmt und die Fahrt endet unsanft auf dem Asphalt. Die Hamburger hinter We are visual haben dieses Gesetz gebrochen. Sie erfanden 2012 das Bahnrad, ein Fixie mit Stützrädern, das in der Straßenbahnspur fährt. Dazu sei gesagt: Es ist die Spezialität des Künstlerduos, Alltagsgegenstände in Street Art zu verwandeln. So wird sicherlich auch dieses Projekt keine Straßenzulassung erhalten, sondern eher im Museum enden.

Bahnfahrrad von Felix Jung
Aus Feind mach Freund: Durch die zwei Extraräder am hinteren Rad kann das Fahrrad in Schienen fahren.
Foto: Felix Jung

Tomáš Moravecs Pallet Skater

Betten oder Möbel aus Holzpaletten bauen kann mittlerweile jeder. Der tschechische Künstler Tomáš Moravec hatte da eine ungewöhnlichere Idee: Er schraubte vier Skateboard-Rollen an die Ecken einer Holzpalette, setzte sie auf die Straßenbahnschienen Bratislavas und skatet so durch die slowakische Hauptstadt – auf nicht abgesperrten Strecken, wohlbemerkt! Wie beim normalen Skateboard erzeugt er Geschwindigkeit, indem er sich mit dem Fuß abstößt. So spaßig das aussehen mag, bitte nicht nachmachen!

smart forrail

Wie wendig sich der smart im Straßenverkehr bewegt, ist bekannt. Wenn es nach den Spezialisten von SNC-Lavalin Rail & Transit geht, kann er dem Stau jetzt sogar davonfahren – auf Schienen. Da der smart die gleiche Spurbreite hat wie die meisten Bahngleise, entwickelte die Firma 2015 anlässlich des britischen Goodwood Festival of Speed das smart forrail Concept Car. Es beschleunigt auf bis zu 120 km/h auf Schienen, die Lenkung wurde aus Sicherheitsgründen deaktiviert. Statt der serienmäßigen Hupe verbaute Interfleet übrigens ein LKW-Horn – ein weiterer kleiner Hinweis darauf, dass das Gefährt nicht wirklich ein alternatives Transportmittel darstellen soll.

smart forrail vor einem Zug
Die Spurbreite des smart forfour ist identisch mit der von Bahnschienen. Klar, dass dieser Zufall genutzt werden musste. Das Ergebnis: der smart forrail.
Foto: smart

Booooooom & Flexfit Mobile Skaterampe

Die Ursprungsidee des Skateboarding: die Stadt erobern und in einen kreativen Spielplatz verwandeln. Der Kanadier Jeff Hamada, auch bekannt unter seinem Künstlernamen Booooooom, hält daran fest. Er funktioniert beispielsweise Schiffe zu mobilen Rampen um. Damit macht er, ganz nebenbei, seine Leidenschaft fürs Skaten zu Kunst. Mehr zu Hamadas jüngstem Projekt – einer Halfpipe auf Schienen in Zusammenarbeit mit dem Label Flexfit – ist im Video „Skate Heads“ zu sehen.

 

Hehe Tapis Volant

Aus dem Französischen übersetzt bedeutet „Tapis Volant“, ein Werk des Pariser Künstler- und Architekturkollektivs Hehe, „fliegender Teppich“. Und tatsächlich scheint es, als würde der Fahrer des Tapis Volant im Lotussitz über die Straße schweben. In Wahrheit handelt es sich bei dem mit rotem Stoff umspannten Untersatz um ein Brett mit integriertem Elektromotor, das auf zwei Rädern in Bahngleisen fährt. Beschleunigt wird, wie bei einem Segway, durch Vorlehnen, zum Bremsen verlagert man sein Gewicht nach hinten. Mit diesem Projekt erinnern Hehe an die Anfänge des Schienenverkehrs, als Gleise nicht nur von großen Unternehmen, sondern auch von Privatpersonen und ihren Fahrzeugen genutzt wurden. Auch hier gilt: Bitte nicht nachmachen!

Hehe Radeau de Sauvetage

Seit 2005 entwickeln Hehe unter dem Projekttitel „Train Project“ immer wieder Ideen, die Schieneninfrastruktur zu nutzen. Neben dem Tapis Volant haben die Pariser unter anderem das Radeau de Sauvetage umgesetzt: eine Art Floß mit Segel, das auf Schienen gleitet, statt durch Wellen zu pflügen. Logischerweise kann das Radeau de Sauvetage sich nur in die Richtung bewegen, in die der Wind weht. Sonst heißt es schieben.

Radeau Sauvage von Hehe
Segel hissen und los geht es mit dem Radeau de Sauvetage.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und AEROPLASTICS Contemporary, Brüssel

Hehe M-Blem

1830 entstand zwischen Liverpool und Manchester eine der ersten nennenswerten Bahnstrecken. Um diese lokale Innovation zu feiern, entwarfen Hehe für das Museum of Science and Industry in Manchester eine Art autonomer Bahnkabinenzelle – ein Gegenentwurf zu modernen Zugreisen bei hoher Geschwindigkeit. 2012 transportierte das für bis zu zwei Personen ausgelegte Leichtfahrzeug Besucher des Museums von der historischen Bahnstation entlang der Strecke durch die Geschichte des Schienenverkehrs.

Mblem von Hehe
Die kleine autonome Bahnkabinenzelle M-Blem verkehrte zwischen Liverpool und Manchester.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und AEROPLASTICS Contemporary, Brüssel