Wie sieht die ideale Zukunft aus – wie werden wir leben? Alessandra Fidanza widmete dieser Frage einen Vortrag im Rahmen der IAA 2017. Wir sprachen mit der Architektin und Umweltberaterin über nachhaltige Stadtplanung und die Rolle neuer Technologien bei der Entwicklung zukünftiger städtischer Lebensräume.

Frau Fidanza, Städte auf der ganzen Welt blicken einer gemeinsamen Herausforderung entgegen – der Anpassung und dem Widerstand gegenüber dem Klimawandel. Wie können Städte diese Aufgabe angehen?
Alessandra Fidanza: In weniger entwickelten Ländern besteht die Hauptaufgabe darin, Slums lebenswerter zu gestalten. Dichte Städte, wie zum Beispiel in Europa, konzentrieren sich im Sinne der Nachhaltigkeit eher auf die Sanierung bestimmter Stadtteile, anstatt sich einfach nur auszudehnen. Wege zu finden, das Zusammenleben in den Städten dahingehend zu verbessern und den Ausstoß von Umweltschadstoffen zu reduzieren, gehört deswegen zu unseren größten Herausforderungen in der Zukunft.

Alessandra Fidanza bei ihrem Talk am smart Stand auf der IAA in Frankfurt.
Die Architektin und Umweltberaterin hat eine klare Vision der Stadt von morgen.
„Die Stadt der Zukunft wird sich dem Thema Nachhaltigkeit annehmen müssen.“
Alessandra Fidanza

Wie können Metropolen trotz Wachstum attraktiven Lebensraum bieten?
Alessandra Fidanza: Die Stadt der Zukunft wird sich dem Thema Nachhaltigkeit annehmen müssen – auch, indem der Anteil vorhandener Grünflächen gesteigert wird. Diese Areale können soziale und ökologische Funktionen erfüllen, aber auch die Stadt gegen Symptome des Klimawandels rüsten. Einige der Hauptthemen sind sicherlich Abfallmanagement, verminderte Abfallproduktion und nachhaltiges Konsumverhalten. Diese Punkte mit sauberer Energiegewinnung unter einen Hut zu bekommen wird in großen Städten unerlässlich sein.

Wie kann die zunehmende Vernetzung den Städten bei diesem Prozess helfen?
Alessandra Fidanza: Vernetzte Städte sind die Zukunft. Im Wohnungsbau zum Beispiel finden viele Möglichkeiten der Informationstechnologie bereits Anwendung. Intelligente Lichtsensoren sind beispielsweise einfach zu handhaben, sorgen aber für eine nicht unerhebliche Energieersparnis, indem sie die Beleuchtung der tatsächlichen Nutzung anpassen. Elektromobilität kann ebenfalls etwas beitragen, indem Abgase im urbanen Raum gemindert werden. Die entsprechende Infrastruktur muss allerdings noch bedeutend ausgebaut werden.

Vernetzte Technologien trügen zur klimaresistenten Stadt der Zukunft bei, so Fidanza.

In welchen Städten können Sie die Zukunft bereits am ehesten erahnen?
Alessandra Fidanza: Städte müssen in der Lage sein, aus Erfahrungen zu lernen, um sich nachhaltig zu entwickeln. Ein gutes Beispiel ist Malmö. Hier wurde der Stadtteil Augustenborg in einen nachhaltigen und attraktiven, öffentlichen Raum verwandelt. Vorher war die Gegend regelmäßig von Überflutungen betroffen. Augustenborg gilt heute als vorbildliches Beispiel für nachhaltiges urbanes Design – die Einbindung von Grünflächen macht das Viertel klimabeständiger. Es gibt viele vergleichbare interessante Projekte auf der ganzen Welt.

Fidanza fordert innovative Lösungen und Vergangenheitsbewusstsein.

Wie wird sich das Stadtbild der Metropole von morgen ändern?
Alessandra Fidanza: Jede Stadt hat einen eigenen Hintergrund im Hinblick auf ihre Lage, Bauweise, das verwendete lokale Baumaterial, Wetterumstände und Umweltfaktoren. Wir müssen daher alle bestehenden städtischen Strukturen sorgfältig unter die Lupe nehmen – ihre Geschichte, ihre Architektur und ihr Umfeld. Zukünftig wird der Bedarf an eigens zugeschnittenen Lösungen für die unterschiedlichen urbanen Bereiche steigen. Erfolgversprechend werden die Innovationen sein, die sich an Erfahrungen aus der Vergangenheit orientieren.